Die Vielfalt messbar machen

Das vom Lebensministerium geförderte proVISION-Projekt „Werkzeuge für Modelle einer nachhaltigen Wirtschaft“ untersucht Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Umwelt auf regionaler Ebene, um diese aus dem Blickwinkel einer nachhaltigen Entwicklung messen und bewerten zu können. Erste Ergebnisse wurden am 25. September an der Uni Innsbruck vorgestellt.
Ergebnisse des Projekts „Werkzeuge für Modelle einer nachhaltigen Wirtschaft“ wurden an der Uni Innsbruck präsentiert. V.l.n.r.: U. Tappeiner (UIBK), T. Hohenauer (ÖAW), F. Strauss (BOKU)
Bild: Ergebnisse des Projekts „Werkzeuge für Modelle einer nachhaltigen Wirtschaft“ wurden an der Uni Innsbruck präsentiert. V.l.n.r.: U. Tappeiner (UIBK), T. Hohenauer (ÖAW), F. Strauss (BOKU)

„Die Art und Intensität der Landwirtschaft ist einer der bedeutendsten Faktoren für die Biodiversität in einer agrarisch genutzten Kulturlandschaft. Die komplexen Wechselwirkungen zwischen menschlichem Verhalten und Umweltauswirkungen quantitativ und österreichweit beschreiben und darstellen zu können, das ist die große Herausforderung dieses Projektes“, bringt es Prof. Ulrike Tappeiner vom Institut für Ökologie auf den Punkt.  Am Forschungsvorhaben beteiligt sind neben der Universität Innsbruck das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung, die Universität für Bodenkultur Wien und die EURAC Bozen. Erste Projektergebnisse wurden am 25. September bei der 19. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Agrarökonomie und im Rahmen einer Pressekonferenz an der Uni Innsbruck präsentiert.

 

Indikatoren zur Messung der Biodiversität

Die österreichische Landwirtschaft hat mit einem Flächenanteil von mehr als 40%, einen entscheidenden Einfluss auf die Biodiversität – sowohl lokal als auch im überregionalen Maßstab. Im Rahmen des transdisziplinären Projektes „Werkzeuge für Modelle einer nachhaltigen Wirtschaft“ wird das Ziel verfolgt, diesen Einfluss messbar zu machen. „Das Werkzeug dafür sind Biodiversitätsindikatoren. Indikatoren helfen komplexe Systeme zu verstehen, zu erfassen und vergleichbar zu machen“, erklärt PD Dr. Erich Tasser von der EURAC, der ebenfalls am Projekt beteiligt ist.

Die Landwirtschaft hatte durch ihre mosaikartige Gestaltung der Landschaft in Österreich über Jahrhunderte einen durchaus positiven Einfluss auf die Vielfalt verfügbarer Lebensräume und somit auf die Biodiversität. Allerdings ging in den letzten Jahren und Jahrzehnten durch die vielerorts eingetretene Monotonisierung und Industrialisierung der Landnutzung die Lebensraumvielfalt bis in die hochmontane Stufe deutlich zurück.

Welche Auswirkungen auf die Biodiversität haben aktuelle und zukünftige Weichenstellungen in der Landwirtschaft? Was passiert beim vermehrten Anbau von Agrotreibstoffen? Welche Auswirkungen haben das Brachlegen zuvor bewirtschafteter Flächen bei gleichzeitiger Intensivierung in Gunstlagen? Wie wird der Klimawandel diese Entwicklungen beeinflussen? All diesen Fragen soll mit den im Projekt zu erhebenden Zusammenhängen auf den Grund gegangen werden.

 

Bildungsprogramm für LandwirtInnen

„Die Nachvollziehbarkeit und Verständlichkeit der nachgewiesenen Zusammenhänge und den damit verbundnen Indikatoren ist für die späterer Vermittlung von besonderer Bedeutung“, betont Dr. Suzanne Kapelari vom Fachdidaktikzentrum West für Naturwissenschaften und dem Institut für Botanik. Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen sollen gegebenenfalls im Rahmen eines Planspiels unmittelbar in die Aus- und Weiterbildung österreichischer LandwirtInnen einfließen.

(ip)