Was bedeutet der Klimawandel? - Eine Übersetzung von Zeit in Raum

Dass der Klimawandel eine Zunahme der mittleren Jahrestemperatur mit sich bringen wird, ist inzwischen allgemein bekannt. Was diese Zunahme aber bedeutet, ist für viele Menschen zu abstrakt. Ein Wissenschaftler am Institut für Geographie hat nun gemeinsam mit Kollegen aus Norwegen eine Methode entwickelt, um die Auswirkungen des Klimawandels auch graphisch darstellen zu können.
Die weißen Linien zeigen die tatsächliche Lage der Küsten. Auf dem dahinterliegenden Satellitenbild wurde jeder Ort an den nächstliegenden Punkt verschoben, der heute die Temperatur hat, die der Ort nach den Modellrechnungen im Jahr 2100 haben wird
Bild: Die weißen Linien zeigen die tatsächliche Lage der Küsten. Auf dem dahinterliegenden Satellitenbild wurde jeder Ort an den nächstliegenden Punkt verschoben, der heute die Temperatur hat, die der Ort nach den Modellrechnungen im Jahr 2100 haben wird

„Zwei Grad Temperaturänderung an einem einzelnen Tag scheinen nicht allzu viel zu bedeuten. Ob es an einem Sommertag 25 oder 27 Grad warm wird, oder an einem Wintertag -8 oder -6 Grad, spielt für das tägliche Leben kaum eine Rolle. Wenn es allerdings im Jahresmittel im Laufe eines Jahrhunderts 2 Grad wärmer wird, bringt dies eine wesentliche Klimaänderung mit sich“, erklärt Dr. Benjamin Marzeion vom Institut für Geographie.

 

Um die Bedeutung einer Zunahme der mittleren Jahrestemperatur um beispielsweise zwei Grad besser verständlich zu machen, hat er gemeinsam mit zwei Kollegen vom Bjerknes Centre for Climate Research in Bergen, Norwegen eine neue Form der Visualisierung des Klimawandels erarbeitet. „Kaum ein Mensch hat eine Vorstellung davon, wie sein Leben sich verändern könnte, wenn es im Jahresmittel ein wenig wärmer wird. Eine viel bessere Vorstellung haben viele davon, wie es wäre, an einem anderen Ort zu leben. Und diese Tatsache kann man nutzen, um sich mögliche Auswirkungen des Klimawandels vor Augen zu führen“, erklärt der Klimaforscher.

 

 

Das Klima ändert sich nicht nur mit der Zeit. Die mittlere Jahrestemperatur ist auch von Ort zu Ort verschieden. Daher ist es möglich, die Temperaturprognosen für die Zukunft in Ortsänderungen der Gegenwart zu übersetzen und damit die Frage zu beantworten: Wo sollte ich heute hingehen, um das Klima meines Heimatorts in der Zukunft zu erleben?

 

„Stellt man nun diese Frage für jeden Punkt der Erde, erhält man eine neue, verzerrte Karte – wie beispielsweise Europa im Jahr 2100: Die weißen Linien zeigen die tatsächliche Lage der Küsten. Auf dem dahinterliegenden Satellitenbild wurde jeder Ort an den nächstliegenden Punkt verschoben, der heute die Temperatur hat, die der Ort nach den Modellrechnungen im Jahr 2100 haben wird“, beschreibt Marzeion. So kann man erkennen, dass zum Beispiel in Neapel nordafrikanische Wüstentemperaturen normal sein werden, Innsbruck in den Norden Korsikas rücken und Stockholm ein Klima erleben wird, wie es jetzt an der polnischen Ostseeküste herrscht. „Die Karte macht aber auch regionale Unterschiede sichtbar: während der Mittelmeerraum weit nach Süden wandert, sind die Unterschiede in Island weniger groß und die südgrönländische Küste erfährt kaum eine Erwärmung - Grund dafür sind Veränderungen in der Ozeanzirkulation, die die Erwärmung im Nordatlantik abschwächen“, so Benjamin Marzeion.

 

(ip)