Alternative: Medienaneignung

Culture Jamming, Swarming und Electronic Street Theatre sind nur einige Formen aktivistischer Medienaneignung, die Univ.-Prof. Theo Hug und Dr. Wolfgang Sützl in einem vom FWF geförderten Projekt untersuchen. Im Brennpunkt ihres Interesses stehen vor allem aktuelle Phänomene, aber auch historische Ausprägungen wie Community-TV werden systematisch beleuchtet.
Flashmobs sind in gewisser Weise auch eine Form von Medienaktivismus [Foto: smartmob.com]
Bild: Flashmobs sind in gewisser Weise auch eine Form von Medienaktivismus [Foto: smartmob.com]

Unter Medienaktivismus versteht man prinzipiell jene Formen des Aktivismus, die sich Medien- und Kommunikationstechnologien für soziale oder politische Bewegungen zunutze machen. Das Projekt „Medienaktivismus. Formen der populären Medienaneignung“ der beiden Erziehungswissenschafter ist trotz oder gerade wegen der großen Bandbreite an medienaktivistischen Erscheinungen die erste umfangreiche Forschungsprojekt zu diesem Thema.  Die mangelhafte Erforschung medienaktivistischer Phänomene liegt unter anderem an deren Flüchtigkeit. „Eine vollständige Erfassung ist nicht möglich, für ein differenziertes Verständnis der Dynamiken aber auch nicht erforderlich. Außerdem geht es bei unserem Projekt nicht um eine Archivarbeit, sondern um einen Beitrag zur Theoretisierbarkeit von Medienaktivismus“, erklärt Dr. Sützl die Zielsetzungen ihrer Arbeit. Aus diesem Grund wollen Univ.-Prof. Hug und Dr. Sützl exemplarisch aufzeigen, wie heute und auch in der Geschichte Medien anders als im Sinne der großen Medieneinrichtungen gestaltet worden sind und werden.

 

Unzensurierbar – punktuell – provokant

Die Vorgeschichte des Medienaktivismus reicht zurück zu den Menschenmedien der Frühmoderne, zu Graffiti, den politischen Radiobastlern des frühen 20. Jahrhunderts und der Community-TV-Bewegung. Einen besonderen Schwerpunkt der Projektarbeit soll aber die Erforschung der aktivistischen Aneignung von digitalen Medien bilden: „Die untersuchten Formen des Medienaktivismus der Gegenwart konzentrieren sich auf Culture JammingHacktivismAlternative MediaTactical Media, Electronic Civil Disobedience, Electronic Street Theatre, Swarming und Bricolage“, so Prof. Hug. Eines haben all diese Formen, sowohl historische als auch gegenwärtige, gemeinsam: „Die spontane Aneignung von Medien und das Austricksen der Zensur sind kulturhistorische Konstanten. Beim Medienaktivismus geht es oft nicht zuletzt darum, unzensurierbare Öffentlichkeiten zu schaffen“, beschreibt Dr. Sützl wesentliche Funktionen. „Solche Projekte sind deshalb meist punktuell angelegt, nicht flächig, und arbeiten mit geringen Mitteln. Oft ist allerdings beabsichtigt, dass die klassischen Medien diese neuen Perspektiven aufnehmen und damit eine Diskussion zu einem ‚unerwünschten’ Thema auslösen oder dominante Akteure zu Stellungnahmen nötigen,“ führt Univ.-Prof. Hug die Charakteristika des Medienaktivismus weiter aus.

 

Medienaktivismus light

Nicht immer jedoch müssen medienaktivistische Phänomene einen politischen Hintergrund haben: „In einem gewissen Sinne können auch Pop- Flashmobs unter ‚Medienaktivismus’ verbucht werden, da es sich auch hier um eine spontane Aneignung einer Medientechnologie handelt“, verweist Dr. Sützl auf ein aktuelles Phänomen. „Für uns persönlich sind aber vor allem neuere theoretische Ansätze jenseits der taktischen Medien spannend, die den Internet-Aktivismus sehr lange dominiert haben.“

 

Innsbruck Media Studies

Das Projekt, das in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste durchgeführt wird, bildet einen Bestandteil des interdisziplinären Forums Innsbruck Media Studies. Dieser zielt auf das Verstehen, Erklären und Gestalten von Strukturen der Medien und deren Wandel, Kommunikations- und Vermittlungsprozessen in den Medien, Auswirkungen auf Wahlverhalten und Parteienstrategien sowie auf die Entwicklung innovativer Modelle und Frameworks in diversen IKT-Sektoren.

(ck)