Supercomputer „Leo II“ in Betrieb genommen

Die größte wissenschaftlich genutzte Rechenanlage Österreichs wurde am Montag an der Universität Innsbruck feierlich in Betrieb genommen. Von kleinsten Phänomenen wie in der Quantenphysik und der Molekularbiologie bis hin zu sehr großen Erscheinungen wie in der Meteorologie und Astronomie reichen die Anwendungen des neuen Supercomputers.
Der neue Supercomputer Leo II liefert Rechenpower für Forscherinnen und Forscher.
Bild: Der neue Supercomputer Leo II liefert Rechenpower für Forscherinnen und Forscher.

Von einem Triumph für die Wissenschaft sprach Rektor Karlheinz Töchterle bei der feierlichen Inbetriebnahme des neuen Supercomputers Leo II am Montag. Er dankte allen Beteiligten für ihr Engagement, insbesondere auch Forschungsvizerektor Tilmann Märk, unter dessen Federführung die Finanzierung der über eine halbe Million Euro teuren Anlage aus Mitteln des Uni-Infrastrukturprogramms ermöglicht wurde. Die Universität Innsbruck konnte sich dabei mit einem interdisziplinären Konzept gegen zahlreiche Mitbewerber durchsetzen. Märk freute sich, dass seine vor fünf Jahren formulierte Vision von der Schwerpunktbildung Früchte trägt. „Die Zusammenarbeit innerhalb und über Fachgrenzen hinaus bietet viele Vorteile“, so der Vizerektor für Forschung, „auch bei der Ressourcenvergabe, wie dieses Paradebeispiel zeigt.“ Tirols Wissenschaftslandesrat Dr. Bernhard Tilg zeigte sich beeindruckt von den Möglichkeiten, die das Hochleistungsrechnen der Wissenschaft heute bietet und wünschte den beteiligten Forschungsgruppen viel Erfolg. Zum Abschluss der Festveranstaltung führte die Koordinatorin der Forschungsplattform „Scientific Computing“, Prof. Sabine Schindler, einige wissenschaftliche Höhepunkte mit Hochleistungscomputern an der Universität Innsbruck vor.

 

Rechenpower für die Forschung

Die neue Rechenanlage verfügt über 1.008 Prozessoren mit einem Hauptspeicher von jeweils 4 Gigabyte und einer Taktgeschwindigkeit von 2.5 GHz. An externem Speicherplatz stehen den Nutzerinnen und Nutzern insgesamt 32 Terabyte zur Verfügung. Besonderes Augenmerk wurde bei der von IBM gelieferten Anlage auf den Energieverbrauch gelegt. Mit einem effizienten Kühlsystem konnte der Stromverbrauch auf 40 KW gesenkt werden, das entspricht einer Energie- und Kostenersparnis von 100.000 Euro über die gesamte Lebensdauer. Getauft wurde der Supercomputer auf den Namen „Leo II“. „Diese neue Anlage wird die Forscherinnen und Forscher einen bedeutenden Schritt weiterbringen und so die Universität Innsbruck auch im internationalen Wettbewerb stärken“, ist Prof. Schindler überzeugt. Neben der Grundlagenforschung werden auf dem Supercomputer auch anwendungsorientierte Fragestellungen wie in der Mechanik und der Baustoffforschung gelöst.

 

Simulierte Galaxien

Mit aufwendigen numerischen Simulationen, wie sie nur an solchen Supercomputern möglich sind, studiert die Innsbrucker Astrophysik die Wechselwirkung von Galaxien mit ihrer Umgebung. Dabei wird die Entwicklung von mehr als 1 Milliarde Teilchen über einen Zeitraum von 9 Milliarden Jahren berechnet. Über mehrere Wochen sind über 5 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde nötig, um eine solche Simulation durchzuführen. Das sind fast 10 Trillionen Rechenschritte. Die Ergebnisse benötigen 10 Terabyte an Speicherplatz. Mit solchen Simulationen auf dem neuen Supercomputer „Leo II“ wollen die Physiker herausfinden, warum Galaxien im Laufe der Zeit ihre Form und Farbe verändern und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.

 

Forschungsplattform „Scientific Computing“

Arbeitsgruppen aus zehn Fakultäten und insgesamt 29 Instituten haben sich an der Universität Innsbruck in der Forschungsplattform „Scientific Computing“ zusammengeschlossen, um Ressourcen und Wissen gemeinsam zu nutzen. Darüber hinaus werden damit die interdisziplinäre Forschung und forschungsgeleitete Lehre, die koordinierte Einwerbung von Drittmitteln und der Ausbau der Infrastruktur vorangetrieben. Seit 2004 haben die Innsbrucker Forscher insgesamt 38 Millionen Euro an Forschungsmitteln eingeworben. Jedes Jahr erscheinen über 300 wissenschaftliche Veröffentlichungen.

 

(cf)