Forschungsstandort in Gefahr

Vertreterinnen und Vertreter der Innsbrucker Universitäten haben sich gestern besorgt über die drohenden Kürzungen der Bundesregierung in der Forschungsfinanzierung, insbesondere beim FWF, gezeigt. Besonders betroffen seien jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Es bestehe die Gefahr, ganze Generationen von Nachwuchsforschern für immer zu verlieren.
Gemeinsam machten die Innsbrucker Universitäten auf die kritische Situation bei der Finanzierung der Grundlagenforschung aufmerksam.
Bild: Gemeinsam machten die Innsbrucker Universitäten auf die kritische Situation bei der Finanzierung der Grundlagenforschung aufmerksam.

„Die Universität Innsbruck gehört zu den forschungsaktivsten und erfolgreichsten Universitäten in Österreich“, betonte Vizerektor Wolfgang Meixner am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Innsbrucker Universitäten. „In den letzten Jahren konnte der Anteil der durch Drittmittel finanzierten Forschung kontinuierlich gesteigert werden. Von rund 30 Millionen Euro kamen im Vorjahr allein 10 Millionen vom Wissenschaftsfonds (FWF).“ Dessen drohende Austrocknung durch die Bundesregierung gefährde den Forschungsstandort Innsbruck. Von den derzeit rund 600 Drittmittelstellen an der Universität Innsbruck werden etwa 200 durch den FWF finanziert. Ein Großteil davon unterstützt Jungforscherinnen und -forscher beim Start einer wissenschaftlichen Laufbahn. „Die Universität kann die drohenden Ausfälle beim FWF nicht aus eigener Kraft abfangen“, sagte Meixner. „Die zusätzlichen Kosten durch den Kollektivvertrag binden uns hier die Hände.“ Damit laufe die Universität Gefahr ihre führende Position zu verlieren. Meixner forderte deshalb ein Konjunkturpaket für Universitäten und Forschung. „Andere Länder wie Deutschland und die USA machen es uns vor.“

 

Image der Wissenschaft leidet

Auf die prekäre Rolle der Nachwuchswissenschaftler wies auch der Vorsitzende des Betriebsrats für das wissenschaftliche Personal, Rüdiger Kaufmann, hin: „Der FWF spielt eine zentrale Rolle für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Diese Stellen sind für die wissenschaftliche Profilierung sehr wichtig, weil sich diese Leute auf die Forschung konzentrieren können.“ Es sei für viele junge Menschen frustrierend, wenn FWF-Anträge einfach nicht behandelt werden, weil die Sitzungen des Kuratoriums abgesagt werden, sagte Manfred Dierich, Rektor-Stellvertreter der Medizinischen Universität: „Hier leidet das Image der Wissenschaft als berufliches Betätigungsfeld.“ Für einige Jahrgänge sei diese Entwicklung eine Katastrophe, betonte auch die stellvertretende Rektorin der Medizinische Universität, Margarethe Hochleitner. Ihre Universität werde sich zwar bemühen, für die besten Leute Übergangslösungen zu finden, dennoch würden hier ganze Jahrgänge aufs Spiel gesetzt. Sie forderte deshalb auch den Abschluss des Kollektivvertrags für die Universitätsangestellten, weil dieser gerade für junge Forscherinnen und Forscher ein verlässliches Karrieremodell vorsehe. Die Universitätenkonferenz hatte am Montag bereits grünes Licht für den Kollektivvertrag gegeben. Ihre Zustimmung machten die Rektoren allerdings von Übergangsbestimmungen abhängig, denen die Gewerkschaft erst noch zustimmen muss.

 

Gefahr für die medizinische Versorgung

Auf die drohenden Gefahren einer sinkenden Forschungsfinanzierung für die Gesundheitsversorgung wies der Vizepräsident der Tiroler Ärztekammer, Thomas Luger, hin. Er betonte, dass Spitzenmedizin ohne Spitzenforschung nicht möglich sei. Wenn jetzt ganze Generationen von jungen Medizinern verloren gingen, dann könne dies in den nächsten Jahrzehnten auch zu Engpässen in der medizinischen Versorgung führen.

(cf)

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