Statistik als Entscheidungshilfe

Wissen kann in einem intransparenten Markt zum Nachteil werden. Das bestätigt der Statistiker Dr. Christian Pfeifer in der Fachzeitschrift European Journal of Operational Research. Mit statistischen Methoden hat Pfeifer vor kurzem auch erstmals Ansätze für eine empirisch fundierte Entscheidungsstrategie für Tourengeher entwickelt.
Die Wahrscheinlichkeit von Lawinenabgängen hat der Statistiker Dr. Christian Pfeifer untersucht.
Bild: Die Wahrscheinlichkeit von Lawinenabgängen hat der Statistiker Dr. Christian Pfeifer untersucht.

Mit den Methoden der Statistik geht Dr. Christian Pfeifer einer Vielfalt von Problemen auf den Grund. So beschäftigt er sich derzeit mit zwei sehr unterschiedlichen Fragen, dem Verhalten von Händlern auf einem Marktplatz und der Wahrscheinlichkeit von Lawinenabgängen bei Skitouren. Doch in beiden Fällen geht es um Entscheidungsstrategien. Egal ob beim Kauf einer Aktie oder bei der Planung einer Skitour, es geht immer um die richtige Entscheidung. Grundlage dafür sind Informationen, die meist nur ein eingeschränktes Bild der Realität geben.

 

Nichtwissen ist besser als Halbwissen

In einem Aktienmarkt haben die am schlechtesten informierten Händler einen Vorteil gegenüber den ein wenig besser informierten. Das haben wahrscheinlichkeitstheoretische Überlegungen von Christian Pfeifer bestätigt. Er hat dazu ein Simulationsmodell, das Prof. Klaus Schredelseker vom Institut für Banken und Finanzen vor Jahren entworfen hat, für eine große Anzahl von Händlern analysiert. Pfeifer konnte zeigen, dass Händler eine bestimmte kritische Masse an Informationen benötigen, um erfolgreich gegen jene Händler antreten zu können, die über gar keine Informationen verfügen. Damit liefert der Statistiker die ersten analytischen Erklärungen für dieses ungewöhnliche Phänomen, das der klassischen Entscheidungstheorie widerspricht, wonach Informationen in einem intransparenten Markt einen Wettbewerbsvorteil darstellen. Die nun in der Fachzeitschrift European Journal of Operational Research veröffentlichte Studie wurde vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank unterstützt.

 

Entscheidungshilfe für Tourengeher

Um lebenswichtige Entscheidungen geht es bei der Planung von Skitouren. Der schweizer „Lawinenpapst“ Werner Munter hat dafür eine Reduktionsmethode entwickelt, die das Gefahrenpotential anhand von Lawinenwarnstufe, Gelände und Verhalten berücksichtigt und das verbleibende Restrisiko minimieren soll. Empirisch fundiert war diese Theorie bisher freilich nicht. „Die Schwierigkeit dabei ist, dass wir zwar über Daten von Lawinenabgängen verfügen, nicht aber von all jenen Tourengehern, die unfallfrei bleiben“, erklärt Pfeifer. Er hat deshalb Tiroler Lawineninformationen, Geländedaten und Variablen für die Frequenz von Tourengehern in ein statistisches Modell eingearbeitet und das Risikopotential ermittelt. „Meine Auswertungen betätigen die Entscheidungsstrategie von Werner Munter in groben Zügen“, sagt Pfeifer, „einzig die Unterscheidung zwischen Nord- oder Südhang scheint keine so große Rolle zu spielen, wie von Munter angenommen.“ Veröffentlicht wurde die Studie vor kurzem in der Fachzeitschrift Natural Hazards und fand in den internationalen Medien Beachtung. Es handle sich dabei um einen ersten Ansatz einer empirischen Entscheidungstheorie, so Pfeifer, es sei aber notwendig, die dem Modell zugrunde gelegten Daten weiter zu ergänzen.

 

Mit Mitteln aus der vor kurzem vergebenen Hypo-Forschungsförderung und weiteren Projektanträgen will Pfeifer seine Forschungen in beiden Bereichen weiterführen. Er arbeitet als externer Mitarbeiter am Institut für Statistik und bereitet derzeit seine Habilitationsschrift vor.

(cf)

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