Einzigartiger Überblick über die Alpen

Der 2008 erschienene Alpenatlas ist aus dem an der Universität Innsbruck koordinierten EU-Projekt DIAMONT hervorgegangen und enthält mehr als 100 alpenweite Karten zu den Bereichen Soziales, Wirtschaft und Umwelt. Er liefert erstmalig vergleichbare Daten auf Gemeindebasis und bildet eine solide Grundlage für übernationale Politiken im Alpenraum.
Die Herausgeber des Alpenatlas, v.l.: Erich Tasser, Ulrike Tappeiner, Axel Borsdorf
Bild: Die Herausgeber des Alpenatlas, v.l.: Erich Tasser, Ulrike Tappeiner, Axel Borsdorf

Die Alpen, das größte und bedeutendste Gebirge Europas, stehen im Mittelpunkt zahlreicher Diskussionen, beispielsweise über Transitverkehr, Klimawandel, Tourismusentwicklung und Auswirkungen der globalen Marktwirtschaft. Länderübergreifende Daten und darauf beruhende Vergleichskarten fehlten jedoch bislang. Das Herausgeber-Team – Prof. Dr. Axel Borsdorf, Prof. Dr. Ulrike Tappeiner und Erich Tasser – hat sich daher, gemeinsam mit namhaften Experten und Praktikern aus den einzelnen Alpenstaaten, der Aufgabe gestellt, eine solide Grundlage für Forschung, Politik und Wirtschaft zu liefern. „Wir hatten keine vergleichbaren Daten. Das machte die Zukunftsplanung für den Alpenraum bisher so schwierig“, schildert  Borsdorf die Situation. Die tatsächliche Umsetzung des Vorhabens wurde im Rahmen des Projektes DIAMONT durch die Kofinanzierung der EU und der Nationalstaaten, allen voran Italiens ermöglicht. Auf der Grundlage einer Datenbank mit international vergleichbaren („harmonisierten“) Daten wurde mit dem Alpenatlas ein Kartenwerk geschaffen, das erstmalig Strukturdaten und Indikatoren für den gesamten Alpenraum auf Gemeindebasis darstellt – bisher lagen derartige Daten nur auf Bezirksbasis vor. Entstanden ist so ein sehr heterogenes Bild der Alpen.  „In jeder Karte steckt sehr viel Information. Die Daten zusammenzutragen und v.a. zu harmonisieren war sehr schwierig“, beschreibt die leitende Herausgeberin Ulrike Tappeiner die Herausfordung.

 

Tirol als Herz der Alpenforschung

Der Alpenatlas enthält mehr als 100 Karten aus den Bereichen Soziales, Wirtschaft und Ökologie. Themen wie etwa Erwerbssituation, Besiedelungsentwicklung, Landschaftszerschneidung oder Arbeitsmarktsituation werden jeweils mit mehreren Indikatoren dargestellt und von den Experten interpretiert. So wird etwa die Familienstruktur durch den Anteil an Alleinerziehern, den Anteil an Verheirateten und Geschiedenen und die Geburtenrate beschrieben. Darüber hinaus werden diese Informationen ganz im Sinne der Nachhaltigkeitsdebatte analysiert und dabei auf einige wenige, dafür aber besonders aussagekräftigere Karten verdichtet. Auf dieser Basis wurde der Alpenbogen in 8 klar voneinander abgrenzbare Regionen mit ähnlichen Entwicklungsstrukturen eingeteilt. „Der Alpenatlas ist eine einmalige Grundlage für zukünftige Planungsabläufe“, fasst Borsdorf zusammen. Tirol habe mit diesem Buch einmal mehr bewiesen, dass es nicht nur das Herz der Alpen, sondern auch der Alpenforschung sei, so der Wissenschafler.

 

Entwicklungsregionen im Alpenraum

Ein wesentliches Ziel war es, Regionen, auch grenzüberschreitende, mit ähnlichen Entwicklungsstrukturen zu identifizieren. Mit Blick auf den gesamten Alpenbogen konnten auf der Basis von 81 Indikatoren aus den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt insgesamt acht unterschiedliche Regionen ausgewiesen werden.

 

Die Herausgeber

Prof. Dr. Axel Borsdorf ist Professor am Institut für Geographie der Universität Innsbruck und Leiter der Forschungsstelle Gebirgsforschung: Mensch und Umwelt (IGF) der ÖAW. Er leitete das EU-Projekt DIAMONT (Interreg IIIb).

Prof. Dr. Ulrike Tappeiner ist leitende Herausgeberin des Alpenatlas und Leiterin des Instituts für Ökologie der Universität Innsbruck sowie  des Instituts für Alpine Umwelt der Europäischen Akademie Bozen.

Dr. Erich Tasser ist Wissenschaftler am Institut für Alpine Umwelt der Europäischen Akademie Bozen und Lektor an der Universität Innsbruck.

(ef)