Ökonomie des Rechts im Fokus

Am 28. und 29. November fand die VI. Jahreskonferenz der „Gesellschaft für Recht und Ökonomik“ am Institut für Zivilrecht der Universität Innsbruck statt. Internationale Experten betrachteten dabei das Recht aus der wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive.
Rektor Töchterle eröffnete die internationale Tagung, rechts: Prof. Andreas Schwarzte
Bild: Rektor Töchterle eröffnete die internationale Tagung, rechts: Prof. Andreas Schwarzte

Die ökonomische Analyse des Rechts bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen den Rechts- und den Wirtschaftswissenschaften. „Wir versuchen in diesem Bereich gezielt die Steuerungswirkungen des Rechts zu bewerten. Dadurch kann sowohl die volkswirtschaftliche Nachhaltigkeit als auch die soziale Verträglichkeit der Gesetzgebung belegt werden“,  erklärt Prof.  Andreas Schwartze, Leiter des Instituts für Zivilrecht an der Universität Innsbruck und Organisator der Tagung.

 

Breites Spektrum

In acht Vorträgen und Koreferaten von international anerkannten Spezialisten auf diesem Gebiet sowie jüngeren Wissenschaftlern, die ihre Arbeiten vorstellten, wurde ein breites Spektrum an Themen dieses interdisziplinären Forschungsbereichs behandelt.  So wurde beispielsweise die SE (Societas Europaea) – die Rechtsform für Europäische Aktiengesellschaften – und die damit verbundenen Möglichkeiten, nationale Gesetzesvorgaben zum Beispiel im Bereich der Besetzung der für die Gesellschaft handelnden Organe zu umgehen, diskutiert. „Wir betrachten dabei aber nicht nur die tatsächlich entstehenden oder eingesparten Kosten sondern auch andere Faktoren“, erklärt Prof. Schwartze. So seien beispielsweise Regelungen, die die Mitbestimmung  von ArbeitnehmerInnen vorsehen, auf den ersten Blick oft „teuer“, wenn die gesteigerte Motivation der MitarbeiterInnen in diesen Systemen aber als Nutzen berücksichtigt wird, verschieben sich die Zahlen, so der Jurist.

 

Ökonomie des Besuchsrechts

Ein weiterer Bereich, der im Rahmen der Tagung behandelt wurde, waren die ökonomischen Aspekte des Besuchsrechts in Bezug auf Kinder getrennt lebender Eltern. „Auch wenn dieser Bereich auf den ersten Blick nicht direkt mit der Ökonomie in Zusammenhang gebracht wird, so entstehen auch hier diverse Kosten –  zum Beispiel durch Anwaltshonorare für die jeweiligen Betroffenen oder durch die Finanzierung der Gerichte für die Gesellschaft“, erklärt Prof. Schwartze. „Rechtsökonomen versuchen auch in diesem Bereich, sinnvolle und dabei möglichst kostensparende Lösungen zu erzielen.“

 

Gesellschaft für Recht und Ökonomik

Die Gesellschaft für Recht und Ökonomik ist eine internationale Vereinigung von Juristen mit dem Ziel, die interdisziplinäre Forschung auf dem Gebiet der ökonomischen Analyse des Rechts und der neuen Institutionenökonomik insbesondere durch die  Organisation von Tagungen und Workshops zu fördern.

(sr)