Wie überleben wir unseren Tod? Internationale Philosophie- und Theologie-Konferenz in Obergurgl

Der biologische Tod bedeutet das Ende des menschlichen Organismus. Trotzdem glauben viele Menschen an ein Weiterleben nach dem Tod. Wie lässt sich der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod denken? Ist dieser Glaube überhaupt rational gerechtfertigt? Eine internationale Konferenz an der Theologischen Fakultät bemühte sich, Licht in das Dunkel dieser Fragen zu bringen.
Mehr als 50 PhilosophenInnen, TheologenInnen, HistorikerInnen und NaturwissenschaftlerInnen trafen sich vom 28. Juli bis 1. August in Innsbruck und Obergurgl.
Bild: Mehr als 50 PhilosophenInnen, TheologenInnen, HistorikerInnen und NaturwissenschaftlerInnen trafen sich vom 28. Juli bis 1. August in Innsbruck und Obergurgl.
Rationalität und religiöser Glaube

Die Frage, wie sich Menschen im Laufe der Geschichte ein Weiterleben nach dem Tod vorstellten, und wie sich diese Vorstellungen auf die jeweilige Lebensgestaltung auswirkte, wurden religionspsychologisch und –soziologisch ausführlich untersucht.

In den Hintergrund gedrängt wurde hingegen die Frage, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein Weiterleben nach dem Tod überhaupt erst möglich wird. Grundlegend ist diese Frage insofern, als modernes Weltverständnis und religiöser Glaube nicht immer Hand in Hand gehen. Einer naturwissenschaftlich informierten und aufgeklärten säkularen Kultur erscheint der Glaube an die Auferstehung und ein Weiterleben nach dem Tod als Relikt einer vorrationalen Weltdeutung. Für Theologie und Religionsphilosophie ist es daher entscheidend aufzuzeigen, dass der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod rational gerechtfertigt und nachvollziehbar ist.

Das Institut für Christliche Philosophie organisierte unter der Leitung von Josef Quitterer, Matthias Stefan und Georg Gasser eine internationale Konferenz, die sich mit dieser Thematik beschäftigte: Lässt sich personale Identität zwischen unserer irdischen Existenz und einem Weiterleben nach dem Tod konzipieren? Genügt es anzunehmen, dass eine Seele weiterlebt oder kann von personaler Identität nur dann gesprochen werden, wenn es auch eine Auferstehung des Leibes gibt? Welche Rolle spielt Gott in diesem Kontext? Können Nahtod- Erfahrungen etwas über das Leben nach dem Tod aussagen?

 

Erfolgreiche Nachwuchsarbeit

Anstoß für die Organisation der Konferenz war ein 2006 verliehener Preis durch das Metanexus Institute (Philadelphia/USA), einem Think-Tank für Forschung an der Schnittstelle Religion- Philosophie- Naturwissenschaft, an eine Nachwuchsforschergruppe am Institut für Christliche Philosophie, die eng mit einer Gruppe an der LMU München zusammenarbeitet.

Nach der Preisverleihung machten sich die Nachwuchsforscher Georg Gasser (29) und Matthias Stefan (23) sogleich an die Arbeit, ein Konferenzprogramm zu entwerfen und mögliche Sprecher zu kontaktieren. Die Mühen im Vorfeld machten sich bezahlt: Dank weiterer Fördergeber war es möglich, ein hochkarätiges Programm zusammenzustellen.

 

Gelungene Tagung

Vom 28. Juli bis 01. August 2008 versammelten sich mehr als 50 PhilosophenInnen, TheologenInnen, HistorikerInnen und NaturwissenschaftlerInnen, um der Frage nachzuspüren, inwieweit der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod rational gerechtfertigt werden kann. Führende Köpfe der Debatte nahmen an der Konferenz teil, u.a. Bob Russell und Ted Peters (beide Berkeley), Dean Zimmerman (Rutgers) und Eric Olson (Sheffield).

Nach dem Eröffnungstag in Innsbruck wurde die Konferenz im Konferenzzentrum der Universität in Obergurgl fortgeführt. Die ausländischen Gäste zeigten sich vom Ambiente beeindruckt. Eine Nachmittagsexkursion mit Prof. Rüdiger Kaufmann (Institut für Ökologie) führte die Konferenzteilnehmer sogar bis zum Fuß des Rotmoosferners. Inhaltlich und im Hinblick auf soziale Interaktion war die Konferenz ein voller Erfolg. Das Feedback der Teilnehmer war ausgesprochen positiv.

Sowohl Veranstalter als auch Teilnehmer waren am Ende davon überzeugt, dass die der Konferenz folgende Publikation das Potential hat, richtungsweisend für die theologische und religionsphilosophische Debatte zum Thema „personale Identität und Leben nach dem Tod“ zu werden.

Durch die Konferenz wurde die Position des Innsbrucker Instituts für Christliche Philosophie als weit über die Grenzen hinaus bekannte erstrangige Forschungseinrichtung im religionsphilosophischen und weltanschaulichen Diskurs erneut bestätigt.

Diese Konferenz war nicht das letzte Großereignis am Institut zum Forschungsfeld „Weiterleben nach dem Tod“. Die Planung einer Folgekonferenz zum Thema „Weiterleben nach dem Tod aus historischer und religionswissenschaftlicher Perspektive“ in Zusammenarbeit mit der LMU München läuft bereits.

 

(ip)

 

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