Quantencomputer-Pionier Rainer Blatt erhält ERC Advanced Grant

Was der Wittgenstein-Preis in Österreich, ist der Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates in Europa: ein hochdotiertes Forschungsbudget für herausragende, grundlagenorientierte Pionierarbeiten von Spitzenwissenschaftlern. Der Quantenphysiker Rainer Blatt erhält nun diese Förderung für seine Ideen zum Bau eines Quantencomputers mit gekühlten, miniaturisierten Ionenfallen.
Prof. Rainer Blatt erhält den ERC Advanced Grant
Prof. Rainer Blatt erhält den ERC Advanced Grant

In den Labors der Innsbrucker Quantenphysik wurden in den vergangenen zehn Jahren die Bausteine des Quantencomputers experimentell bereits erfolgreich umgesetzt. „Wir wollen nun neue Tieftemperatur-Ionenfallen bauen, um dem Ziel eines skalierbaren Quantencomputers näher zu kommen“, erklärt Rainer Blatt, Professor für Experimentalphysik an der Universität Innsbruck und geschäftsführender Direktor des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

 

Der Quantencomputer soll „handlicher“ werden

In elektromagnetischen Fallen gefangene Ionen sind ein vielversprechender Weg, um einen zukünftigen Quantencomputer zu bauen. Dazu müssen allerdings viele Ionen gleichzeitig kontrolliert werden. Die Arbeitsgruppe rund um Rainer Blatt hat hier vor zwei Jahren einen neuen Rekord aufgestellt: Die Innsbrucker Forscher konnten erstmals acht Ionen vollständig kontrolliert mit einander verschränken und damit das erste „Quantenbyte“ realisieren. Um die Zahl der Ionen weiter zu steigern werden die Ionenfallen in Zukunft auf winzige Halbleiterchips gebaut und auf sehr tiefe Temperaturen gekühlt. „Mit den Mitteln des Europäischen Forschungsrates wollen wir diese Entwicklungen ein wesentliches Stück vorantreiben“, sagt Prof. Rainer Blatt, der weltweit eine führende Rolle bei der Entwicklung des Quantencomputers einnimmt. Zur Umsetzung stehen Blatt und seinem Team in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich rund 2,2 Millionen Euro zur Verfügung.

 

Innsbruck: Ein führendes Zentrum der Quantenphysik

Dass die Experten des Forschungsrats dieses Projekt zur Förderung empfohlen haben, liegt auch an dem idealen Forschungsumfeld, das sich in Innsbruck in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Neben den erfolgreichen experimentellen Arbeitsgruppen um Rainer Blatt und Rudolf Grimm verfügt der Standort auch über international viel beachtete theoretische Forschungsgruppen um die Professoren Peter Zoller und Hans Briegel. An den Instituten der Universität Innsbruck, dem Akademie-Institut für Quantenoptik und Quanteninformation und im Rahmen eines österreichweiten FWF-Spezialforschungsbereichs erforschen heute in Innsbruck über 100 Wissenschaftler die Grundlagen der Quantenphysik.

 

Europas Grundlagenforschung stärken

Die Europäische Union ist ein wichtiger Förderer der Grundlagenforschung in Europa. Als Teil des 7. Forschungsrahmenprogramms hat die EU 2006 den Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) ins Leben gerufen. Ähnlich wie die National Science Foundation in den USA soll der Forschungsrat Pionierforschung ohne unmittelbaren Anwendungsbezug fördern und damit die EU als Forschungsstandort attraktiver machen. Kriterium für die Auswahl der Projekte ist ausschließlich die wissenschaftliche Exzellenz. Über 2.000 Forscherinnen und Forscher aus 36 Ländern haben sich um eine Förderung durch den Forschungsrat bemüht. Bereits vor einigen Monaten hat der Europäische Forschungsrat die Förderung von über 300 herausragenden Nachwuchswissenschaftlern (ERC Starting Grant) beschlossen, darunter – als einer von nur vier Österreichern – Thomas Lörting vom Institut für Physikalische Chemie der Universität Innsbruck.

(CF)