Historiker präsentieren Posterausstellung

Die visuelle Umsetzung von Forschungsvorhaben ist in den Naturwissenschaften bereits seit einiger Zeit etabliert. Prof. Gunda Barth-Scalmani vom Institut für Geschichte sieht hier großen Nachholbedarf für ihre Wissenschaftsdisziplin, weshalb sie mit ihren DiplomandInnen und DoktorandInnen eine Posterausstellung erarbeitete.
Studierenden des DiplomandInnen- und DissertantInnen-Seminars im Fach Österreichische Geschichte erarbeiteten eine Posterausstellung zu ihren Forschungsvorhaben.
Bild: Studierenden des DiplomandInnen- und DissertantInnen-Seminars im Fach Österreichische Geschichte erarbeiteten eine Posterausstellung zu ihren Forschungsvorhaben.

„Über das Manko der Geisteswissenschaften bei der Präsentation – vor allem der visuellen – von Forschungsvorhaben zu lamentieren ist müßig, ohne es selbst einmal zu versuchen“, so Prof. Gunda Barth-Scalmani. Ihre Studierenden des DiplomandInnen- und DissertantInnen-Seminars im Fach Österreichische Geschichte stellten sich im WS 2007/08 dieser Aufforderung und setzten die Themen, Quellen sowie Methoden ihrer Diplomarbeiten bzw. Dissertationen in graphische Entwürfe  um. „Anregungen holten wir uns am Institut für Geographie. Es gab zwei Peer-Review-Runden mit Überarbeitungen, dann wurden die Entwürfe auf der Technik im Format A0 bzw. A1 gedruckt“, erklärt Barth-Scalmani. „Jetzt, wo die Ergebnisse studentischer Kreativität groß an der Wand hängen, geht die eigene kritische Wahrnehmung  - was war meine zentrale Aussage, wie habe ich sie umgesetzt, wie wird sie gelesen etc. - weiter.“

 

Die umgesetzten Poster beschäftigen sich mit verschiedensten Themen der Österreichischen Geschichte. Dabei spannt sich der Bogen von der Entwicklung der Feldchirurgie in den österreichischen Armeen des 18. Jahrhunderts über Bauen und Architektur im „österreichischen Luxemburg“ bis zur Darstellung der Habsburgermonarchie in der russischsprachigen Historiographie als Spiegelbild eines Ideologiewandels.

 

Mode als Spiegel ihrer Zeit

Daniela Span beschäftigt sich in ihrem Projekt mit der Skirennläuferin und Sportgeschäft-Besitzerin Mizzi Langer- Kauba, die mit ihren „Mizzi Langer- Kauba Katalogen“  eine großartige Vielfalt an Bekleidung und Ausrüstung sowohl für Männer als auch für Frauen anbot. Ziel von Spans Forschungsprojekt ist es, Marie Langer- Kauba und vor allem die dazugehörigen Kataloge vor dem Spiegel ihrer Zeit aufzuarbeiten sowie die Produkte und die Bekleidung mit dem damals vorherrschenden Modebild einzuordnen.

 

Autobiographische Texte von Sanitätspersonal und Patienten aus dem Ersten Weltkrieg bilden die Forschungsgrundlage der Diplomarbeit von Magdalena Köllemann. Ihr Ziel ist es, die darin angesprochenen Inhalte sowohl unter Berücksichtigung des Geschlechts als auch der Ausbildung der einzelnen Verfasser zu vergleichen und zu untersuchen.

 

Blick über den Tellerrand

In ihrem Seminar legte Prof. Gunda Barth-Scalmani aber nicht nur Wert darauf, ihren Studierenden die visuelle Präsentation der Forschungsvorhaben näher zu bringen, sondern regte sie auch an, ihre Arbeiten in schriftlicher Form für verschiedene Zielgruppen außerhalb ihres Fachs auf Papier zu bringen: Neben einem Abstract und einem ausführlicheren Exposé  verfassten sie im Rahmen des Seminars auch eine bewusst populär gehaltene Presseinformation. „Die Studierenden sollten ihr Thema innerhalb und außerhalb der eigenen akademischen Zunft erklären können. Hier haben wir in den Geisteswissenschaften noch etwas Nachholbedarf“, so Barth-Scalmani, die in der Posterausstellung einen ersten Schritt in die richtige Richtung sieht.

 

 Die teilnehmenden DiplomandInnen/ DissertantInnen und ihre Forschungsvorhaben:
  • Madalena Köllemann: Ego-Dokumente von Sanitätspersonal und Patienten im Ersten Weltkriegs.
  • Matthias König:  Blutiges Handwerk.Die Entwicklung der Feldchirurgie in den österreichischen Armeen des 18. Jahrhunderts.
  • Tanja Kraler: „Gott schütze Österreich vor seinen ‚Staatsmännern’, aber auch vor seinen ‚Freunden’!“. Das Tagebuch von Hans Schlitter (Dissertation)
  • Kim Krier:  Bauen und Architektur im „österreichischen“ Luxemburg (1714-1795). Architektur als historische Quelle. (Dissertation)
  • Daniela Span:  Mode und Bekleidung für Alpinistinnen und Skiläuferinnen vom ausgehenden 19. ins frühe 20. Jahrhundert am Beispiel der Mizzi Langer- Kauba Sportkataloge.
  • Christian Steppan:  Die Habsburgermonarchie als Spiegelbild eines Ideologiewandels. Sowjetische und Postsowjetische Historiographie zur Österreichischen Geschichte des 19. Jahrhunderts.
  • Julia Walleczek, Die Kriegsgefangenenlager in den Kronländern Salzburg und Oberösterreich während des Ersten Weltkriegs (Dissertation) 

 

Die Posterausstellung ist noch bis zum Ende Oktober 2008 am Institut für Geschichte  (GeiWI Turm, 7. Stock, ostseitig) zu sehen.

(sr)