"heilig – tabu“ im Zentrum des interreligösen Dialogs

Der im theologischen Forschungsschwerpunkt und in der interfakultären Forschungsplattform Weltordnung – Religion – Gewalt verankerte Forschungskreis Kommunikative Theologie veranstaltete vom 10. bis 12. April den Kongress „heilig – tabu - Faszinierende und erschreckende Facetten multikultureller sowie multireligiöser Begegnung“.
Im Mittelpunkt des Kongresses stand der Dialog.
Bild: Im Mittelpunkt des Kongresses stand der Dialog.

Dem Kongress, der bereits der 3. Kongress für Kommunikative Theologie und gleichzeitig das 2. Friedensforum Mösern-Stams-Telfs war, ging ein begleiteter Dialogprozess zwischen Muslimen und Christen voraus. Im Mittelpunkt dieses Dialoges standen die Erfahrungen der Gläubigen mit den Begriffen „heilig“ und „tabu“, die anschließend systematisiert, kreativ aufbereitet und am 1. Tag in den Kongress eingebracht wurden.

 

„Dem Ansatz kommunikativer Theologie entsprechend, ist uns die Verknüpfung von unmittelbarer Begegnung von Menschen aus den beiden Religionen mit Erfahrung, Interpretation, Reflexion und Theoriebildung wichtig. Durch dieses Anliegen entsteht Verbindlichkeit, die ein längeres Engagement im Dialog nach sich zieht. Deshalb hatte der Dialogprozess bereits im Herbst begonnen“, so Prof. Matthias Scharer, der als Leiter des Instituts für Praktische Theologie maßgeblich an der Leitung des Kongresses beteiligt war.

 

Während des Dialoges wurde darauf wert gelegt, die unterschiedlichen Auffassungen von MuslimInnen und ChristInnen in Hinblick auf das, wie man heilig und tabu versteht, herauszuarbeiten. „Beispiele für unterschiedliche kulturell-religiöse Vorstellungen sind Reinheitsvorstellungen, Essenstabus, Bildung, Geschlechterrollen, unterschiedliche Auffassungen, was Zeit und Verbindlichkeit betrifft und auch unterschiedliche Erwartungen den Dialog betreffend“, so Scharer.

 

Beim Kongress arbeiteten „muslimisch-christliche Expertenpaare“ typische Verstehensmuster und –modelle aus den Erfahrungsberichten heraus. Einen noch tieferen Dialog zwischen den beiden Traditionen ermöglichte der Blick auf das Verständigungspotenzial der je eigenen Traditionen und ihre Beziehungen zueinander, der von R. Siebenrock und D. Tabaalite angeleitet wurde. Die Frage nach dem Widerhall der religiösen Verständigungstraditionen in der säkularen Öffentlichkeit wurde durch Inputs von H. Mohagheghi und W. Palaver in Gang gesetzt.

 

„Als wichtiges Ergebnis kann sicher gesehen werden, dass die konkrete Begegnung mit den jeweils anderen bei vielen Menschen tiefe Berührung und Veränderung ausgelöst hat. Zitate von TeilnehmerInnen wie `Ich habe einen anderen Blick bekommen` bestätigen dies“, berichtet Scharer. „Der gesamte Dialogprozess führt zur – teilweise – ernüchternden Erkenntnis, dass im muslimisch-christlichen Dialog, insbesondere in der Verständigung über die Weitergabe der jeweiligen religiösen Traditionen, noch ein langer und schwieriger Weg vor uns liegt. Dennoch muss gesagt werden, dass es angesichts der Tabuisierungen und Herausforderungen der säkularen Welt keine Alternative zu einer gemeinsamen Verständigung der Religionen über ihre zentrale Botschaft gibt“, resümiert der Theologe.

 

Die Kongressergebnisse erscheinen in einem eigenen Band in der Reihe Kommunikative Theologie.

 

 

Text: Kraml/Röck

 

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