Universität von ihrer besten Seite

Drei Tage lang war Obergurgl Zentrum der universitären Forschung. Alle Forschungsschwerpunkte, -plattformen und -zentren präsentierten in einem breiten Bogen ihre Entwicklung, Erfolge und Zukunftsperspektiven. Für alle TeilnehmerInnen bot sich aber auch eine gute Gelegenheit, abseits des Alltags ins Gespräch zu kommen und die Entwicklungen zu diskutieren.
Universitätszentrum Obergurgl
Bild: Universitätszentrum Obergurgl

Der interdisziplinäre Forschungsdiskurs ist das wesentliche Element einer Universität. Die dritte Zukunftsplattform Obergurgl bot einmal mehr den Rahmen dafür, dieses grundlegende Prinzip des universitären Selbstverständnisses aktiv umzusetzen. Drei Tage lang präsentierten die 36 Forschungsschwerpunkte, 4 Forschungsplattformen und 2 Forschungszentren ihre Arbeit der vergangenen zwei Jahren.

 

Eine erfolgreiche Idee

Ziel der Veranstaltung war es, eine Standortbestimmung vorzunehmen, nachdem die Idee, die Forschungsaktivitäten an der Universität Innsbruck zu vernetzen, im Herbst 2004 vom damaligen Rektorenteam erstmals den ForscherInnen als mögliche Vorgangsweise im Rahmen der neuen Autonomie vorgeschlagen wurde. Ausgangspunkt der Überlegungen war dabei, dass es sinnvoll sei, wenn sich jene Forschungsaktivitäten der Universität, die über eine entsprechende wissenschaftliche Exzellenz verfügen, inhaltlich zu anderen Forschungsbereichen passen, bereits in internationale Kontakte und Kooperationen eingebettet sind, sowie auf hohem Niveau Drittmittel lukrieren, vernetzen würden. „Wir wollten einen Prozess anstoßen, der unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu bewegt, sich zunächst einmal intern zu vernetzen und Synergien zu nutzen, weil dies Forschungsaktivitäten stärkt, hilfreich bei der Einwerbung von Drittmitteln ist und die Erfolgschancen bei nationalen und internationalen Projektanträgen erhöht“, so beschreibt Prof. Tilmann Märk, Vizerektor für Forschung, seine Beweggründe für diese Initiative.

 

Offene Forschungsansätze

Was als Idee begann, zeigt sich heute als tragfähiges Konzept. Die Forschungsschwerpunkte der Universität Innsbruck spiegeln die Breite einer Volluniversität wider und spannen einen Bogen von der Theologie über die Geistes- und Kulturwissenschaften, die Wirtschaftswissenschaft bis hin zur Technik und den Naturwissenschaften. Das Faszinierende dabei sind die vielen interdisziplinären Kontaktflächen und Andockmöglichkeiten, wie das beispielsweise die Forschungsplattform „Alpiner Raum – Mensch und Umwelt“ sehr anschaulich zeigt. Hier arbeiten verschiedenste Wissenschaftsdisziplinen an Fragen, die das Leben, die Geschichte und insbesondere die Zukunft unseres unmittelbaren Lebensraums mit all seinen Besonderheiten und Problemen betreffen. Ebenso spannende Ansätze beinhaltet die Forschungsplattform „Weltordnung-Religion-Gewalt“, die mit einem sehr breiten und offenen Ansatz an den aktuellen Fragen einer globalen Gesellschaft mit allen ihren kulturellen Brüchen und Schwierigkeiten forscht. Ein weiteres gutes Beispiel für funktionierende interdisziplinäre Forschung bietet der Spezialforschungsbereich (SFB) HiMAT, in dessen Rahmen, ausgehend vom historischen Bergwerkbau im Großraum Tirol, naturwissenschaftliche, historische und sprachwissenschaftliche Forschungsprojekte zusammenarbeiten.

 

Stärken stärken

Ein wesentliches Argument für die Schwerpunktinitiative war es auch, die bereits vorhandenen Stärken auszubauen. Deutlich wird dies am Beispiel der beiden Forschungszentren „Quantenphysik“ und „Molekulare Biowissenschaften“, die schon seit geraumer Zeit die naturwissenschaftliche Forschungsleistung der Universität Innsbruck international deutlich sichtbar machen. Relativ jung ist dagegen die Forschungsplattform „Informatik & Applied Computing“, die 23 Forschungsgruppen vereint und gute Ansatzpunkte für Forscherinnen und Forscher aus den Naturwissenschaften, der Technik und der Medizin insbesondere im Bereich des Hochleistungsrechenens und der Visualisierung komplexer Vorgänge bietet.

 

Insgesamt zeigte sich bei allen vorgestellten Forschungsbereichen eine sehr große Dynamik. Viele Schwerpunkte denken über die Einrichtung von entsprechenden internationalen Doktoratsprogrammen nach, und in einigen Bereichen sehen die beteiligten WissenschaftlerInnen auch Chancen auf einen erfolgreichen SFB-Antrag.

 

Appetit auf mehr

Der Großteil der Forscherinnen und Forscher beurteilte daher die Initiative des Vizerektors für Forschung zur Vernetzung der Forschung auch sehr positiv. Dennoch entwickelte sich in Obergurgl immer wieder eine Grundsatzdiskussion darüber, ob diese Schwerpunkte der einzige Weg sind, und sich alle Projekte in diesen wieder finden müssen. Hier vertrat Vizerektor Märk eine deutliche Position: „Die Schwerpunktbildung war von Beginn an so gedacht, dass sie von den WissenschaftlerInnen selbst und ohne Druck von oben geplant und realisiert werden sollte. In vielen Bereichen war dies auch ein positiver Prozess, aber es funktioniert nicht überall gleich gut. Es ist unser gemeinsame Aufgabe, hier zusätzliche Wege zu finden.“ Er griff auch einen Vorschlag der TeilnehmerInnen auf, für den Herbst eine Klausurtagung über die Struktur und Organisation von Forschungsschwerpunkten zu planen, um die bisher gemachten Erfahrungen kritisch zu diskutieren und Ideen für die Zukunft zu entwickeln.

 

Insgesamt waren sich alle TeilnehmerInnen einig, dass die „Zukunftsplattform Obergurgl“  nicht nur aufgrund der inhaltlichen Vielfalt, sondern auch aufgrund des angenehmen Umfelds im Universitätszentrum Obergurgl eine gelungene Veranstaltung war, weil sie eine perfekte Gelegenheit bot, interdisziplinär über Forschungsgrenzen hinweg zu diskutieren. Eine Gelegenheit, die sich in dieser Breite an einer Universität inzwischen eher selten bietet. Rektor Karlheinz Töchterle fasste dies sehr treffend zusammen: „Eine tolle und spannende Veranstaltung, von denen es leider nicht mehr so viele an der Uni gibt.“ Vizerektor Märk versprach „spätestens im Herbst 2009 die nächste Zukunftsplattform Obergurgl zu organisieren.“

 

Text :Uwe Steger