Innsbrucker Meteorologen untersuchten Luftschadstoffe im Inntal

Im Rahmen einer dreitägigen Konferenz mit mehr als 200 Teilnehmern wurden die Ergebnisse der dreijährigen Forschungsarbeiten im Rahmen des ALPNAP Projektes in Innsbruck präsentiert. Eine Arbeitsgruppe des Instituts für Meteorologie und Geophysik der Uni Innsbruck war maßgeblich am Projekt beteiligt.
Die Messungen wurden mit einem Fesselballonsystem des Instituts für Meteorologie und Geophysik durchgeführt.
Bild: Die Messungen wurden mit einem Fesselballonsystem des Instituts für Meteorologie und Geophysik durchgeführt.

Wie der Projektname "Monitoring and Minimisation of Traffic-Induced Noise and Air Pollution Along Major Alpine Transport Routes” ausdrückt, hat sich ALPNAP zum Ziel gesetzt, die meteorologischen Verhältnisse sowie die verkehrsbedingte Schadstoff- und Lärmsituation im Alpenraum zu untersuchen. Außerdem sollen die Entscheidungs- und Argumentationsgrundlagen von Behörden und Politikverantwortlichen unterstützt werden. Experten der Bereiche Meteorologie, Luftqualität, Lärm und Gesundheit sind am Projekt beteiligt.

 

 

Die Besonderheiten des alpinen Raums haben einen wesentlichen Einfluss auf die meteorologischen Phänomene, die sowohl den Transport von Luftschadstoffen als auch die Ausbreitung von Lärm beeinflussen. Der Alpenraum ist in dieser Hinsicht als eine besonders sensible Zone anzusehen, was ALPNAP in vielfacher Hinsicht aufgezeigt hat. Eine Arbeitsgruppe des Instituts für Meteorologie und Geophysik der Universität Innsbruck – bestehend aus Dr. Friedrich Obleitner, Dr. Johannes Vergeiner und Mag. Esther Griesser - hat dazu mit Feldmessungen und Modellstudien beigetragen. So wurden im Unterinntal während des Winters 2005/2006 umfassende meteorologische Messungen entlang eines Talquerschnitts durchgeführt. Dabei wurde auch die Anwendbarkeit neuartiger Messmethoden (Fesselsonden, SODAR, Ceilometer, DOAS und mobile Meßsysteme) sowie ihre Relevanz hinsichtlich der Ausbreitung von Luftschadstoffen und Lärm demonstriert. Vertikalsondierungen haben beispielsweise die komplexe Inversionsstruktur mit bisher nicht bekannter Genauigkeit erfasst, wobei insbesondere deren mehrschichtige Struktur und die Wechselwirkung mit tageszeitlich wechselnden Tal- und Hangwindsystemen als besonders interessant und wichtig zu bezeichnen sind. Ebenso wurde die winterliche Verteilung von Stickoxiden und Feinstaub in Abhängigkeit von kleinräumigen meteorologischen und topographischen Faktoren genauer ermittelt. Diese Aspekte wurden auch im Rahmen von auf ALPNAP aufbauenden Projekten (INNAP, INNOX, PAMI,  MIHUA, Schwaz08) aufgegriffen, was die Bedeutung der Fragestellung und die stimulierende Wirkung von ALPNAP unterstreicht.

 

 

Generell wurde aufgezeigt, dass die derzeit gängigen Standardmethoden zur Beurteilung der Schadstoff- und Lärmsituation zu sehr auf die Verhältnisse im Flachland zugeschnitten sind  und den Besonderheiten des alpinen Raums nur unzureichend oder gar nicht gerecht werden. Dies gilt auch hinsichtlich der Modellierung. Am Institut für Meteorologie und Geophysik wurde deshalb ein eigenes Kurzfrist-Vorhersagemodell entwickelt, das über eine web-basierte Oberfläche den Behörden der Tiroler Landesregierung für die tägliche Beurteilung und Vorhersage der Schadstoffsituation an 5 Standorten im Inntal zur Verfügung steht. Damit hat die Innsbrucker Arbeitsgruppe auch neue praxisorientierte Akzente gesetzt, .die insbesondere auch im Lichte der derzeit umzusetzenden Verkehrssteuerungsmaßnahmen bemerkenswert erscheinen.

 

 

ALPNAP hat mit dem Projekt MONITRAF kooperiert, in dem sich regionale, mit Verkehrsfragen befasste Behörden aus Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz zusammengeschlossen haben. Im Rahmen der gemeinsamen Konferenz wurde eine Resolution zur verstärkten Zusammenarbeit auf Verwaltungsebene unterzeichnet. Die Ergebnisse der beiden Projekte sind in umfassenden und allgemein zugänglichen Berichten dokumentiert.

ALPNAP wurde im Rahmen des nunmehr auslaufenden INTERREG III B Alpine Space Programms gefördert, woran sich auch die Tiroler Landesregierung sowie die Universität Innsbruck beteiligt haben.

Text: Friedrich Obleitner/ bearbeitet von Susanne Röck