Studie zur Wahrnehmung von Sicherheit präsentiert

„Der Einzelne sieht die Dinge so wie sie sind und nicht auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten“! Mit diesen Worten begrüßte Rektor Karlheinz Töchterle letzten Montag die Teilnehmer eines Pressegesprächs an der Fakultät für Betriebswirtschaft zum Thema „Die Bedeutung und Wahrnehmung von Sicherheit und Unsicherheit in Tirol“.
v.l.: LR Steixner, BM Platter, Rektor Töchterle und Dekan Laske
Bild: v.l.: LR Steixner, BM Platter, Rektor Töchterle und Dekan Laske

Die Studie wurde im Rahmen einer PINN-Diplomarbeit von den beiden Studierenden Anja Oberwald und Iris Wermescher unter der wissenschaftlichen Betreuung von Prof. Mike Peters (Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus) erstellt. Auftraggeber waren die Sicherheitsdirektion Tirol, das Land Tirol, die Stadt Innsbruck und der Wirtschaftskammer Tirol.

 

Die Studie präsentiert für Töchterle „die Universität in ihrem besten Sinne“, eine Universität die eben über das reine Faktensammeln, Fakten interpretieren, auf diese Fakten reagieren weit hinausgeht und die im besten Sinne von Theorie Fragestellungen thematisiert. Für Töchterle ist es nun wichtig, dass man aus solch einer Studie auch die richtigen Schlüsse zieht und Handlungen danach ausrichtet, denn „die Wähler wählen nicht nach Statistiken, sondern wie sie sich fühlen.“ Töchterle verweist nochmals darauf, dass die vorliegende Studie einen sehr breiten Kontext hat, der von der Theorie bis hin zur politischen Praxis reicht.

 

Dekan Stephan Laske betonte, dass die vorliegende PINN-Arbeit in guter Tradition der Fakultät für Betriebswirtschaft steht. Vor 23 Jahren hat diese das Patenschaftsmodell Innsbruck (PINN) aus der Notwendigkeit heraus, die Studierenden nicht nur theoretisch auszubilden, sondern sie auch „handlungsfähig“ in der Praxis zu machen ins Leben gerufen. PINN ist für die Fakultät „ein hervorragendes Instrument, mit dem man die Studierenden dabei unterstützt, sich einerseits weiterzuqualifizieren, soziale Kompetenzen zu verstärken und den Übergang in den Beruf zu erleichtern. Gleichzeitig schafft die Fakultät damit einen konstruktiven und nützlichen Beitrag für Wirtschaft und Gesellschaft.“ Über PINN können Studierende lernen, mit der Praxis umzugehen, sich durchzusetzen, Budgets zu verhandeln etc. In den letzten 22 Jahren wurden 548 Projekte mit Organisationen/Unternehmen im regionalen, nationalen und internationalen Umfeld durchgeführt. Mehr als 9.500 Studierende haben in diesem Zeitraum vom breiten Angebot des Patenschaftsmodells Innsbruck Gebrauch gemacht. „International finden wir damit sehr viel Anerkennung“,  zeigt sich Laske stolz.

 

Der wissenschaftliche Betreuer der präsentierten Arbeit, Mike Peters, erklärte, dass mit Hilfe von Experteninterviews und anschließenden Tiefeninterviews jene Einflussfaktoren erforscht wurden, die das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung beeinflussen. Aufgrund dieser Einflussfaktoren konnten Rückschlüsse darauf gezogen werden, inwieweit z.B. die Wohnumgebung oder die Lebensphase, in der sich der Befragte befindet, Einfluss auf das subjektive Sicherheitsempfinden haben. Das Augenmerk wurde dabei auf die qualitative Analyse gelegt. Dies geschah laut Peters deshalb, weil es zu dieser Thematik zwar schon viele quantitative Daten gibt, man sich von einem anderen methodischen Zugang aber überraschende und neuartige Erkenntnisse versprach. Aufgrund der komplexen sozialen Wirklichkeit, die mit der Wahrnehmung von Sicherheit verbunden ist,  eignen sich qualitative Methoden besser, um Handlungs- und Sinnzusammenhänge verstehen und analysieren zu können. Jene Einflussfaktoren, die das subjektive Sicherheitsempfinden beeinflussen, sind stark mit den persönlichen Erfahrungen der Befragten verknüpft. Die Anwendung einer qualitativen Analysemethode erwies sich in Anbetracht des emotionalen Charakters des Untersuchungsgegenstandes rückblickend als durchaus sinnvoll, so Peters abschließend

 

Der Dank von Innenminister Günther Platter geht an die beiden Autorinnen der Arbeit,  Anja Oberwalder und Iris Wermescher und den wissenschaftlichen Betreuer. Platter betonte, dass man die Studie als eine Grundlage sieht, bestimmte Strategien weiterzuentwickeln und in die Praxis umzusetzen. Der Minister bedankt sich auch bei der Universität und der Fakultät, aber auch bei den Kooperationspartnern Land Tirol, Stadt Innsbruck und Wirtschafskammer Tirol für das gezeigte Engagement. Minister Platter bemerkte weiters, dass „Sicherheit uns alle beschäftigt und einerseits ein Grundbedürfnis der Bevölkerung darstellt, andererseits ist Sicherheit aber auch ein zentrales Element betreffend den Wirtschaftsstandort, aber auch das Tourismusland Tirol.“

 

(„Sicherheits-“) Landesrat Anton Steixner führte aus, dass nie mehr Geld für Sicherheit ausgegeben wurde wie heute, gleichzeitig aber die Unsicherheit in der Bevölkerung nie größer war. Aus diesem Grunde war das Land Tirol auch sofort bereit, die hier präsentierte Studie zu unterstützen, „um hier einmal genauer zu sehen, warum denn das eigentlich so sei“. Steixner zeigte sich erfreut darüber, dass die Studie bestätigt, dass man dem öffentlichen Verkehr hohe Wichtigkeit zugesteht, wenn es um das Thema Sicherheit geht und verspricht, hier auch weiterhin tätig zu sein (Nightliner, Straßenbeleuchtung, Sauberkeit u.ä ). Er wäre auch durchaus bereit, ein vergleichbares Projekt zur Sicherheit in Bezug auf Naturgefahren in Auftrag zu geben.

 

Vizebürgermeister Christoph Platzgummer stellte fest, dass für die Landeshauptstadt Innsbruck das Thema Sicherheit immens wichtig sei, daher war die Teilnehme der Stadt an dieser Studie selbstverständlich. Dem Wunsch der Bevölkerung nach mehr Fuß-/Zivilstreifen/Stadtpolizei ist für Platzgummer nachvollziehbar und er sieht für die Kommunen gute Anknüpfungspunkte. Der direkte Kontakt der Exekutive zur Bevölkerung ist für Platzgummer unverzichtbar.

 

Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer zeigte sich hocherfreut, dass die Studie einen ausgesprochen praxisnahen Konnex aufweist, das Thema Sicherheit/Unsicherheit in den verschieden Regionen Tirols anhand von Beispielen sehr plastisch darstellt und so sehr verständlich wird. Für Bodenseer ist auch klar, dass die Studie Diskussion rund um das Thema Sicherheit auslösen wird. Die Idee der Stadtteilpolizisten hat für ihn viel Charme und sollte unbedingt weiterverfolgt werden, hat doch Sicherheit viel mit Vertrauen zu tun.

Bodenseer schloss  mit der Aufforderung an die Budgetverantwortlichen in Bund, Land und in den Kommunen, bei der Erstellung der Budgets auf die Schlussfolgerungen der Studie einzugehen und die entsprechenden  finanziellen Mittel zu Verfügung zu stellen, denn es gilt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

 

Text: Maximilian Egger/ bearbeitet von Susanne Röck

 

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