IAC Thesis Award erstmals vergeben

Die Forschungsplattform Informatik & Applied Computing der Uni Innsbruck vergab heuer erstmals Förderpreise für herausragende Abschlussarbeiten aus den Bereichen Informatik, Computational Engineering und/oder Hochleistungsrechnen. Die Preisträger 2007 sind Mag. Felix Schüller und Dr. Thomas Hofer.
Die ausgezeichneten Arbeiten wenden Methoden des parallelen oder vernetzten Hochleistungsrechnens beispielhaft auf aktuelle Probleme der Meteorologie  bzw. der Theoretischen Chemie an.
Bild: Die ausgezeichneten Arbeiten wenden Methoden des parallelen oder vernetzten Hochleistungsrechnens beispielhaft auf aktuelle Probleme der Meteorologie bzw. der Theoretischen Chemie an.

Mit den Preisen werden Arbeiten ausgezeichnet, die vorzugsweise einen ausgeprägten interdisziplinären Charakter aufweisen.

 

Die Forschungsplattform Informatik & Applied Computing (IAC) integriert alle Forschungsaktivitäten der Universität Innsbruck im Sektor Informationstechnologie (IT) und e-Science. Sie besteht aus den Forschungsschwerpunkten "Computational Engineering", "Hochleistungsrechnen" und "Informatik". Über die drei Schwerpunkte sind 23 Institute und Arbeitsgruppen aus fünf Fakultäten an der Plattform beteiligt. Ziele der Plattform IAC sind die Erschließung von Synergien durch Erfahrungsaustausch, gemeinsame Nutzung von Ressourcen und Wissen innerhalb und außerhalb der Universität, interdisziplinäre Forschung und forschungsgeleitete Lehre, koordinierte Einwerbung von Drittmitteln, sowie der Ausbau von e-Infrastruktur.

 

Erstmals wurden nun Förderpreise für herausragende Abschlussarbeiten auf dem Gebiet der Forschungsplattform vergeben. Mit den "IAC Thesis Awards" für das Jahr 2007 werden Mag. Felix Schüller für seine Diplomarbeit und Dr. Thomas Hofer für seine Dissertation ausgezeichnet. Die Preise sind mit 500 beziehungsweise 1000 Euro dotiert. In ihrer Laudatio anlässlich der Verleihung der Förderpreise hob die Leiterin der Plattform, Prof. Sabine Schindler, den ausgeprägten interdisziplinären Charakter der beiden ausgezeichneten Arbeiten hervor, die Methoden des parallelen und vernetzten Rechnens effizient auf aktuelle naturwissenschaftliche Forschungsgebiete anwendeten.

 

Meteorologische Modellierung mit vernetzten Rechenressourcen


Mag. Felix Schüller vom Institut für Meteorologie und Geophysik erhält den IAC Thesis Award 2007 in Höhe von 500  Euro für seine Diplomarbeit mit dem Titel "Grid computing with - and standard test cases for - a meteorological Limited Area Model".

 

Die Diplomarbeit von Mag. Felix Schüller befasst sich mit zwei Aspekten der numerischen Berechnung von mesoskaligen Wettermodellen: zum einen mit der Methode des "Grid-Computing", um meteorologische Simulationen auszuführen, und zum anderen mit dem Test der numerischen Implementierung verschiedener Wettermodelle. Bei "Grid Computing" werden Hochleistungsrechnerkapazitäten verschiedener Organisationen verbunden, um höhere Rechenleistungen zu erzielen. Das Simulationsprogramm "MeteoAG", das in das nationale Projekt AustrianGrid eingebunden ist, erstellt einen Arbeitsablauf, der automatisch die hohen Kapazitäten des AustrianGrid verwendet. Das spezifische Ziel der Arbeit war es, damit eine hochaufgelöste Datenbank von Starkniederschlagsfällen zu erstellen, um diese in der Entwicklung neuer Radar-Analyseverfahren zu verwenden.  Im zweiten Teil der Arbeit wurden mehrere Testfälle zur Untersuchung des weltweit  verwendeten numerischen "Regionalen Atmosphärischen Modellierungs-System" (RAMS) erstellt.

 

Molekulardynamische Simulationen von Elektrolyt-Systemen


Dr. Thomas Hofer vom Institut für Allgemeine, Anorganische und Theoretische Chemie erhält den IAC Thesis Award 2007 in Höhe von 1000  Euro für seine Doktorarbeit mit dem Titel "Development and application of advanced QM/MM MD methodologies for the study of electrolyte systems".

 

Die Dissertation von Dr. Thomas Hofer befasst sich mit der Entwicklung und Anwendung neuer quantenmechanischer Simulationsverfahren zur Untersuchung flüssiger Systeme, im Speziellen mit deren Strukturen und ultraschnell ablaufenden dynamischen Vorgängen, die für das Verständnis der chemischen Reaktivität essentiell, experimentell aber großteils noch nicht zugänglich sind. Da Flüssigkeiten einerseits hohe Dichten aufweisen und andererseits einen hohen Grad an Mobilität besitzen, sind Studien des mikroskopischen Aufbaus von Flüssigkeiten sehr komplex und schwierig. Der überwiegende Teil chemischer und biochemischer Prozesse findet in flüssiger Phase statt, und daher ist die genaue Kenntnis dieser Eigenschaften erforderlich, um den Einfluss von Flüssigkeiten auf diese Prozesse zu erforschen. Mit dem in der Dissertation entwickelten "Quantum Mechanical Charge Field Molecular Dynamics" Ansatz (QMCF MD) kann nunmehr ein breites Spektrum chemischer Systeme mit bisher unerreichter Genauigkeit untersucht werden.

Text: Alexander Kendl/ bearbeitet von Susanne Röck