Erzählen im digitalen Zeitalter

Der interdisziplinäre Forschungsschwerpunkt „Innsbruck Media Studies“ lud am 3. und 4. Dezember zur internationalen Tagung „Storytelling – Media-theoretical Reflections in the Age of Digitalization“ in die Claudiana.
Thomas Schröder und Siegfried J. Schmidt
Bild: Thomas Schröder und Siegfried J. Schmidt

Über Konzepte und Funktionen des Erzählens wird in vielen unterschiedlichen Wissenschaftsgebieten diskutiert: Medientheorie, Literaturwissenschaft, Philosophie und Kognitionswissenschaft ebenso wie Psychologie, Pädagogik und Architektur machen sich Gedanken darüber, was es bedeutet, „eine Geschichte zu erzählen“. Das Ziel der Tagung war die Erkundung von Schnittstellen der Thematik sowie bislang vernachlässigter Aspekte der Medialisierung. Die Referate, die auf zwei parallel abgehaltene Tracks verteilt waren, erörterten den Gegenstand auf ebenso interessante wie anschauliche Weise.

 

Zur Eröffnung referierte Siegfried J. Schmidt, dessen zentrale These lautete: „Im Unterschied zu Beschreiben, Analysieren, Befehlen oder Formalisieren ist Erzählen die elementare Operation bewusst vollzogener Sinngebung durch Ordnungsbildung im kognitiven wie im kommunikativen Bereich des Menschen“. Die verschiedenen wissenschaftlichen Richtungen bedienen sich ganz unterschiedlicher narrativer Muster – Gemeinsamkeiten und Unterscheidungen heraus zu finden, leistete Ingo Schneiders Referat „Über die Konjunktur des Erzählens: Versuch einer Orientierung zwischen den Disziplinen“. Durch die Verbreitung digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien ergeben sich neue Fragen nach der Medialisierung von Erzählformen und -kulturen. Thomas Schröder differenzierte unter diesem Gesichtspunkt den Nonlinearitätsbegriff und die Funktion von Interaktivität in Computerspielen am Beispiel von digitalen Detektivgeschichten für Kinder. Mit einem Dinner im Restaurant „Archiv“ im Innsbrucker Kongresshaus fand der erste Konferenztag einen gemütlichen Abschluss.

 

Die englischsprachigen Referate ergänzten vor allem die pädagogischen Gesichtspunkte des Themas. So Daniel Weinshenker, dessen Referat „Exploring Youth Voices in Digital Storytelling“ den zweiten Tag eröffnete. Weinshenker arbeitet vor allem mit Jugendlichen und hob unter anderem den therapeutischen Aspekt seiner Arbeit hervor. In Ergänzung zu den über 40 Beiträgen aus zwölf Ländern gab es ein künstlerisches Rahmenprogramm mit einer Ausstellung von Heinz Gappmayr, einer Lesung von Britta Fugger („Die Wolkenfrau“) und einer Präsentation des Yellow Arrow Projekts von Celia di Pauli. Die zahlreichen Begegnungen in den Tagungspausen ermöglichten viele interessante Gespräche, ferner begeisterten das Ambiente der Claudiana und der vorweihnachtlichen Altstadt viele Gäste.

 

Das Abschlussplenum im Rahmen einer offenen Diskussionsrunde griff die verschiedenen Aspekte auf und fasste das Tagungsthema zusammen.