„Accounting for Art“ – TWF fördert die internationale Museumsforschung

Welchen finanziellen, welchen künstlerischen und welchen kulturellen Wert hat eine Ausstellung bzw. ein ganzes Musuem? Mit dieser Frage beschäftigen sich Thomas Gstraunthaler vom Institut fuer Rechnungswesen, Steuerlehre und Wirtschaftspruefung und Martin Piber vom Institut fuer Organisation und Lernen in einer internationalen Forschungsinitiative mit dem Titel „Accounting for Art“.
Thomas Gstraunthaler und Martin Piber beschäftigen sich mit der Darstellung des gesellschaftlichen Nutzens von Kunst bzw. Kultur.
Bild: Thomas Gstraunthaler und Martin Piber beschäftigen sich mit der Darstellung des gesellschaftlichen Nutzens von Kunst bzw. Kultur. [Foto: pixelio.de]

Das Projekt befasst sich mit der Darstellung des gesellschaftlichen Nutzens von Kunst bzw. Kultur. Am Beispiel von Museen wird die Multidimensionalität des Nutzens für eine Vielzahl von Stakeholdern gezeigt. Museen organisieren nicht nur Ausstellungen, sondern haben auch Aufgaben im Bereich der Erhaltung des kulturellen Erbes, der Kunstvermittlung, der Forschung und der Volksbildung. Sie reflektieren und kritisieren das kulturelle Selbstverständnis der Gesellschaft. Ethymologisch gesehen ist es kein Zufall, dass der Begriff des Museums mit den griechischen Musen verwandt ist. Kunst und das Museum als ihr Agent inspiriert und regt zum Nachdenken an. Diese Vielfalt an „Wert-Schöpfung“ macht es schwierig, die Leistung mit anderen privaten oder staatlichen Leistungen zu vergleichen. Da die verfügbaren Mittel dennoch sinnvoll verteilt werden müssen, ist es trotzdem notwendig, den gesellschaftlichen Nutzen von Museen als Ganzes sowie den Nutzen einzelner Teilaufgaben zu bewerten. Deshalb wird vielerorts mit Hilfe von Instrumenten des New Public Management versucht, auch museale Leistungen zahlenmäßig zu erfassen und mittels Performance Measures darzustellen.

 

Im vorliegenden Projekt an der betriebswirtschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck wird nun das Vordringen des ökonomischen Denkens in geisteswissenschaftliche bzw. künstlerische Domänen empirisch-qualitativ reflektiert. Hierbei wird auf die unterschiedlichen Perspektiven und Rationalitäten von Kuratoren, Museologen, (Kunst-)Historikerinnen sowie Managerinnen, Investoren und Betriebswirten eingegangen.

 

Der in vielen Bereichen beobachtbare Trend, Zahlen als Garanten für Effizienz und als Kontrollinstanz zu verstehen, liegt in den gesellschaftlichen Erwartungen an öffentliche Institutionen begründet. Über die Produktion quantitativer Berichte werden der Nutzen für die Öffentlichkeit und damit die gesellschaftliche Legitimation von Museen sichergestellt. Dies kann mit einer Mythologisierung von Zahlen als ‚rationale’ Managementpraktiken erklärt werden. Qualitätskennzahlen reduzieren ihren Inhalt auf wenige bzw. eine einzige Dimension und stellen damit nur eine scheinbare Transparenz bzw. Vergleichbarkeit erfolgsrelevanter Qualitätsmaßstäbe her. In Bezug auf die demokratiepolitische Funktion von Kunst ist z. B. die Generierung einer Metrik zur Kundenzufriedenheit von MuseumsbesucherInnen völlig ungeeignet, da Kunst auch provoziert, abschreckt und aufrüttelt. Wird der Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten, führt dies nicht zu einer direkten ‚Zufriedenheit’. Darüber hinaus ist der persönliche, individuelle Nutzen und das Erleben von Kunst einer quantifizierten Darstellung nur sehr bedingt zugänglich. An dieser Stelle wird deutlich, dass die relevanten Nutzenkategorien von Kunst und Kultur komplex, einzigartig und deshalb nicht quantifizierbar – also ‚maßlos’ – sind.

 

Im laufenden Projekt werden in verschiedenen Fallstudien Strategien zur Nutzendarstellung sowie mögliche Alternativen zur Form der Metrik herausgearbeitet. Hierbei wird der Konflikt zwischen den ungleichen Wertesystemen von Kultur und Ökonomie bewusst thematisiert.

 

In der Folge werden die Beweggründe sowie der äußere Druck zur Einführung von Managementinstrumentarien und Leistungsmessungssystemen für museale Einrichtungen, als auch deren Konsequenzen analysiert. Parallelen zu Leistungsmessungssystemen in Krankenhäusern und Universitäten ergänzen Projektspektrum.

 

Aus den Fallstudien sollen die Erkenntnisse und Erfahrungen internationaler Museen zu einem mehrdimensionalen Nutzenbewertungs- und Kommunikationsansatz weiterentwickelt werden. Ziel des Forschungsprojektes ist die kritische Reflexion der Anwendung von Leistungsmessungs- und Managementsystemen sowie ein breites Verstaendnis der Wirkungsweise von verschiedenen „calculative practicies“ fuer, in und auf Kunst, Kultur sowie deren Referenten.