Innsbrucker Sprachwissenschaftler im Fußball-Fieber

Von 26. bis 28. Oktober fand im Rahmen der Österreichischen Linguistiktagung in Innsbruck ein Workshop zum Thema „Language and Football“ statt. Rund vierzig TeilnehmerInnen aus fünf Kontinenten behandelten ein weites Spektrum rund um Fußball.
The Innsbruck Football Group: Gerhard Pisek, Erika Giorgianni, Eva Lavric, Wolfgang Stadler Andrew Skinner, Irene Giera
Bild: The Innsbruck Football Group: Gerhard Pisek, Erika Giorgianni, Eva Lavric, Wolfgang Stadler Andrew Skinner, Irene Giera

Hätten Sie gewusst, dass spanische Fußball-Kommentatoren den Triumphschrei „Goooooooooool!“ so lange hinausziehen, bis ihnen der Atem wegbleibt? Dass es in den USA regelrechte Fußball-„Halls of Fame“ gibt, zu denen die Fans pilgern wie zu Wallfahrtskirchen? Dass ein Schuss in Kamerun als „Banane“ beschrieben werden kann? Dass die britischen Fernsehkommentatoren – außer in Ausnahmesituationen – tatsächlich cooler bleiben als ihre italienischen und spanischen Kollegen? Dass es beim berühmten Kopfstoß von Zidane an Materazzi den französischen Kommentatoren einfach die Rede verschlagen hat? Dass in Malaysia die Kanarienvögel gegen die brüllenden Löwen antreten? Dass Otto Rehagel auch dank seines genialen Übersetzers mit der griechischen Nationalmannschaft so erfolgreich ist? Dass Pelé, Cafú und Kaká schon allein deswegen Spitznamen tragen müssen, weil ihre portugiesischen Original-Namen unendlich lang und kompliziert sind? Dass in der afrikanischen Sprache Igbo ein Schuss so beschrieben wird, dass er eine flache Scheibe aus dem Raum schneidet? Dass in allen Kulturen Ausrufungen und Wiederholungen angesagt sind, wenn einmal auf dem Spielfeld die Emotionen wirklich hochgehen? Dass in den meisten Sprachen die Fußball-Terminologie aus dem Englischen kommt, z.B. in Kroatisch, Polnisch, Französisch, und Arabisch? Und dass es im Internet einen „Kicktionary“ für die deutsche, französische und englische Fußballsprache gibt? (http://www.kicktionary.de)

 

Weil eben beim Fußball nicht nur die Füße sprechen, und weil Massensport und Wissenschaft kein Widerspruch sein müssen, organisierten die Innsbrucker Sprach- und KulturwissenschaftlerInnen denWorkshop „Language and Football“. So international wie der Fußball selbst war die Veranstaltung, zu der von 26. bis 28. Oktober auf der Österreichischen Linguistiktagung in Innsbruck an die vierzig TeilnehmerInnen aus allen fünf Kontinenten anreisten. Die sonst eher regional ausstrahlende Linguistiktagung, die einmal jährlich in einer österreichischen Landeshauptstadt stattfindet, erhielt damit erstmals einen dezidiert exotischen Touch.

 

Aus Malaysia, Griechenland, Russland, den USA, Nigeria, Kamerun, Ägypten und vielen anderen Ländern kamen die TeilnehmerInnen, unter denen auch die Frauen gut vertreten waren und die ein weites Spektrum an Themen behandelten: Es reichte von Sportreportagen und Pressekonferenzen über die Bilderwelt der Fußballsprache bis zu Fußballer-Spitznamen und Fangesängen. Woher Sprachen wie Kroatisch, Polnisch, Französisch, Arabisch und das afrikanische Idiom Igbo ihre Fußball-Fachausdrücke beziehen, wurde ebenso beleuchtet wie die Inszenierung von Fußball in malaiischen Zeitungsreportagen oder die Bilderwelt des Fußballs im Schwedischen. Sprachliche Ausdrucksformen von Triumph und Niederlage fehlten ebenso wenig wie die Verwendung des Fußballs im Sprachunterricht und die Fehler, die den Reportern beim Kommentieren unterlaufen.

 

Unterstützt wurde der Workshop vom österreichischen Verband für Angewandte Linguistik „Verbal“, organisiert wurde er von der Innsbrucker interdisziplinären Fußball-Projektgruppe, in der AnglistInnen, RomanistInnen und SlawistInnen gemeinsam, im Rahmen des Uni-Forschungs­schwerpunkts „Mehrsprachigkeit“, die Zusammenhänge von Fußball und Sprache erforschen.

 

Die Arbeitsgruppe selbst brachte zwei Themen in den Workshop ein: Einerseits die Kommunikationsstrategien in mehrsprachigen Fußballteams, wenn es darum geht, Legionäre rasch und effizient sprachlich und kulturell zu integrieren, und andererseits eine Studie unter dem Titel „Zidane, Zidane, what have you done?“, die den Ausdruck von Emotionen in Fernseh-Fußballkommentaren in sechs Sprachen und sieben Kulturen verglich.

 

Auch beim Workshop gingen dann am Freitag Abend beim Fußballmatch der TeilnehmerInnen die Emotionen hoch, denn die „Weißen“ hatten zur Halbzeit eine 6:2-Führung herausgeholt, wurden von den „Roten“ aber dann doch noch 9:7 geschlagen.

 

Als Ergebnis des Workshops wird übrigens ein Sammelband herausgegeben, der im renommierten Gunter Narr-Verlag rechtzeitig zur Euro 2008 erscheinen soll.