Römische Prunkvilla mit größten Mosaikfußböden Tirols gefunden

Archäologen der Universität Innsbruck unter der Leitung von Mag. Florian Müller und Mag. Manuele Laimer begaben sich auf die Spuren der römischen Vergangenheit in Osttirol und wurden dabei fündig. In Nußdorf-Debant konnten die Überreste einer 1800 Jahre alten römischen Prunkvilla mit ausgedehnten Fußbodenmosaiken und Wandmalerei freigelegt werden.
Schwarzer Mosaikfußboden mit weißem Dekor und Wandmalerei
Bild: Schwarzer Mosaikfußboden mit weißem Dekor und Wandmalerei [Foto: F. Müller]

Aufmerksam waren die Archäologen auf den Platz durch eine alte lateinische Handschrift geworden. Darin berichtete der als „Vater der Archäologie in Tirol“ bekannte Anton Roschmann, dass er im Jahre 1746 bei Ausgrabungen auf Überreste aus römischer Zeit gestoßen war. Auf Basis dieses Textes begab sich Florian Müller vom Institut für Archäologien - Fachbereich Klassische Archäologie auf die Suche nach diesem mittlerweile völlig in Vergessenheit geratenen alten Fundplatz.

 

Identifikation des Platzes und Georadarmessungen

Schon im Herbst letzten Jahres konnte aufgrund oberflächig gemachter Funde, wie kleiner Mosaiksteinchen, der mögliche Standort näher eingegrenzt werden, aber erst eine in diesem Sommer durchgeführte Georadarmessung, bei der im Boden verborgene Strukturen von Mauern erfasst werden können, brachte endgültige Gewissheit. In der Flur Gline am Rand von Nußdorf zeigten sich eindeutige Überreste von mehreren Gebäuden. Im westlichen Bereich ist wegen des typischen Grundrisses mit dem Hauptgebäude einer römischen Villa zu rechnen. Bei dem im Osten gelegenen großen rechteckigen Bau könnte es sich hingegen möglicherweise um die zum Landhaus zugehörige private Badeanlage handeln.

 

Größter römischer Mosaikfußboden Tirols

Deshalb wurden in diesem Bereich nun mit einem Team von Archäologen Ausgrabungen durchgeführt, um einerseits die aus den alten Unterlagen und dem Georadar gewonnenen Daten zu verifizieren, andererseits den Erhaltungszustand der Überreste zu dokumentieren. Insgesamt konnten während der dreiwöchigen Grabungskampagne im Oktober auf einer Fläche von nahezu 300 m2 mehrere Räume eines Gebäudes aus der Römerzeit freigelegt werden. Die dabei gemachten Erkenntnisse erstaunten aber in vielerlei Hinsicht. Zum einen zeigten sich die Mauern zum Teil noch in 1,5 m Originalhöhe erhalten, zum anderen überraschte die Ausstattung des Gebäudes. „In drei der fünf bisher ergrabenen Räume fanden sich großflächige römische Mosaikfußböden aus tausenden teilweise nur 5x5mm kleinen Steinchen, die in dieser Erhaltung und Dimension bisher einzigartig in ganz Tirol sind“ sagt der Grabungsleiter Müller. Neben geometrischen Mustern waren sie vor allem mit aus Rauten gebildeten Kreuzen geschmückt. Auch waren die Wände der Räume flächig mit bunter Wandmalerei versehen, jeder Raum in anderen Farben.

 

Ein Teil der Räume war zudem mit einer Fußboden- und Wandheizung ausgestattet. Die Mosaike dürften deshalb so gut erhalten sein, weil ein Teil der darunterliegenden Gewölbe der Fußbodenheizungen nicht wie üblicherweise eingestürzt war, sondern sich hier z.T. noch komplett erhalten hat. Diese kleinen Gewölbe waren im 18. Jh. ursprünglich für die Behausungen von Zwergen gehalten worden und führten damals in der Bevölkerung zur Bezeichnung „Zwergenstadt“ und zum Entstehen einer der bekanntesten Sagen in Osttirol.

 

„Die Mosaikfußböden und die Wandmalerei weisen dabei auf einen reichen römischen Bürger hin, der sich hier in bester Lage am Übergang des Lienzer Talbodens hin zum Hang mit Aussicht auf das gesamte Tal eine repräsentative Vorstadtvilla errichtet hatte“ vermuten die beiden Archäologen Müller und Laimer. Die bisher gemachten Funde lassen darauf schließen, dass die Anlage ca. 1800 Jahre alt ist.

 

Weitere Forschungen v.a. die Freilegung des gesamten Gebäudes, die Restaurierung und Konservierung wären von größtem Interesse und würden es ermöglichen, den gesamten Komplex mit seiner reichen und für den Tiroler Raum bisher einzigartigen Ausstattung zu erhalten und damit auch dauerhaft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die bisherigen Arbeiten wurden neben der Gemeinde, die nun einen Ankauf des betroffenen Grundstücks plant, fast ausschließlich durch private Sponsoren, Firmen und Vereine finanziert. „Wie schon bisher, sind wir daher aber auch bei der Finanzierung zukünftiger Grabungsarbeiten im nächsten Jahr auf die Hilfe von Sponsoren und Förderern angewiesen“ erklärt Müller.