Offene Fragen zum Jahr 1809 und zu Andreas Hofer

Helmut Reinalter, Professor am Institut für Geschichte und Ethnologie und Leiter des Privatinstituts für Ideengeschichte, leitet zu diesem Thema ein Forschungsprojekt, das Anfang 2009 im Studienverlag in Buchform erscheinen wird.
Prof. Reinalter widmet sich in seinem Buch  dem Andreas-Hofer-Mythos
Bild: Prof. Reinalter widmet sich in seinem Buch dem Andreas-Hofer-Mythos

Bei dem Projekt geht es Prof. Reinalter, der schon vor mehreren Jahrzehnten Andreas Hofer und Tirols Erhebung 1809 aus kritischer Perspektive beurteilt hat,  um die Korrektur einer verzerrten Geschichtsauffassung, um die Entmythisierung und Objektivierung der Erhebung 1809 und um eine Korrektur des Andreas-Hofer-Bildes.

 

Prof. Reinalter erklärt dazu: „Der Sandwirt, Wein- und Pferdehändler war nicht für die Ideen der Aufklärung und Französischen  Revolution, sondern für ´Gott-, Kaiser- und Vaterland`, für die Abschüttelung der bayerischen Fremdherrschaft und für den Widerstand gegen die areligiös eingeschätzten Franzosen eingetreten. Als Regent war er sicher überfordert und kein militärischer Stratege. Von Kampfführung hat er nichts verstanden. Wohl war er aber eine Integrationsfigur, zu der Eigenschaften wie Offenheit, Kontaktfreudigkeit, aber auch Leichtgläubigkeit gehörten. In mancher Hinsicht war er leicht beeinflussbar, zögernd und entschlusslos. Der Priester Josef Daney,  ein Zeitgenosse und ein unbestritten weit blickender Mann, hat über Hofers Schicksal gesagt: ´Er fiel - warum? Weil  er zu wenig Kopf und Selbstständigkeit hatte. ` Hofer war nicht fähig, ein höheres Regierungsgeschäft zu verstehen oder gar zu leiten. Andreas Hofer verteidigte letztlich den habsburgischen Obrigkeitsstaat und wies starke religiöse Bindungen auf, die von der französischen Staatsumwälzung in Frage gestellt wurden. Dies ist aus seiner Lebenswelt heraus verständlich, sodass er die Ideen der Aufklärung, ohne sie wirklich zu begreifen, als ernsthafte Bedrohung der traditionellen Lebensformen empfinden musste.“

 

Das Buchprojekt wird sich darüber hinaus auch mit den Themen Aufklärung und Gegenaufklärung in Tirol, Andreas-Hofer-Mythos und der tatsächlichen Bedeutung der Ereignisse von 1809 kritisch auseinandersetzen. Es werden aber auch wichtige Fragen zur Gegenwart Tirols gestellt. „Was bedeutet 1809 für das heutige Tirol? Von den Quellen her geht es um die Richtigstellung der verfestigten Zerrbilder“, so Reinalter. Ein Schüler von Prof. Reinalter, Wolfgang Knapp, wird zudem 2009 seine Dissertation „Die Geschichte des Andreas-Hofer-Mythos veröffentlichen.