Wieviel ist ein Mensch wert?

Das 1. Wirtschaftshistorische Symposium an der Universität Innsbruck am 22. Mai beschäftigte sich mit dem Wert und der Bewertung von Menschen. Referenten der Universitäten Innsbruck, Graz, Linz und Münster zeigten an Beispielen von der Antike bis in die Neuzeit auf, aus welchen Gründen und zu welchen Preisen Menschen „versklavt“ wurden.
Ingomar Weiler (Graz) lieferte einen Überblick über Sklavenhandel und Sklavenpreise in der Antike (Bild: Stefan Neuer)
Bild: Ingomar Weiler (Graz) lieferte einen Überblick über Sklavenhandel und Sklavenpreise in der Antike (Bild: Stefan Neuer)

Preise und Werte von Menschen sind selten Gegenstand der Forschung. Aus diesem Grund veranstaltete Josef Nussbaumer von der Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik das 1. Wirtschaftshistorische Symposium „Von Menschenhandel und Menschenpreisen“. Das Symposium führte die TeilnehmerInnen auf eine Reise durch die Geschichte des Menschenhandels. Der Vormittag der Veranstaltung beschäftigte sich mit der historischen Perspektive der Sklaverei, beginnend mit dem Vortrag von Ingomar Weiler von der Universität Graz über „Sklavenhandel und Sklavenpreise in der Antike“. Die Gesellschaften Roms und Griechenlands waren in der Antike auf der Arbeitskraft von Sklaven aufgebaut. Die Preise dieser Zwangsarbeiter variierten mit der Zeit, aber auch mit den Fähigkeiten der versklavten Menschen.

 

Mediterraner Sklavenhandel im Mittelalter

„Von Menschenfängern und Menschenfischern“ handelte der Vortrag von Daniel Steinke von der Universität Münster und versetzte die ZuhörerInnen in die Frühe Neuzeit. Speziell der „weiße“ Sklavenhandel ist ein bis jetzt wenig beachtetes Thema der Forschung. Steinke ging es in seiner Untersuchung (gemeinsam mit Nicole Priesching, ebenfalls Uni Münster) vor allem um die Motive und Mechanismen des „Sklavenhandels“ im Mittelmeerraum. Häufig war das Lösegeld der Grund für die Verschleppung der Menschen.

 

Andreas Exenberger von der Universität Innsbruck ging noch einen Schritt weiter in die Neuzeit, in dem er über „den langen Schatten der Globalisierung“ referierte. Im Gegensatz zu seinen Vorrednern, widmete er sich einem viel beachteten Thema, wobei der Schwerpunkt des Vortrags auf dem transatlantischen Sklavenhandel lag. Hier sah Exenberger eine „wichtige Triebfeder der Vernetzung globaler Handelsverbindungen und damit ein wesentliches Element der früh-neuzeitlichen Globalisierungswelle.“

 

Der Wert des Menschen

Der Nachmittag des Symposiums widmete sich dann aktuellen Beiträgen zum Thema „Wert des Menschen“ und der Frage auf welcher Basis die Kosten der modernen Hochleistungsmedizin und Katastrophenprävention zu rechtfertigen sind.

 

Mit „dem Wert des Menschen im Nationalsozialismus“ beschäftigte sich Horst Schreiber von der Universität Innsbruck in seinem Vortrag und schloss damit die zeitgeschichtlichen Beiträge ab. Der Schwerpunkt seines Beitrags lag auf der nationalsozialistischen „Rassenhygiene“, die gegen „Asoziale“ und „Minderwertige“ gerichtet war. Schreiber zeigte dabei auf, wie leicht Menschen in eine dieser beiden Kategorien fallen konnten und somit von der Vernichtungsmaschinerie des Dritten Reiches betroffen waren. Besonders Sinti, Roma, Juden und die so genannten „Ostvölker“ waren dem ethnischen Rassismus der Nationalsozialisten ausgesetzt.

 

Die beiden letzten Vorträge beschäftigten sich schließlich mit ökonomischen Fragestellungen zum Thema. Gerald Pruckner von der Universität Linz gab mit seinen Ausführungen zu „Ökonomie und der Wert des Lebens“ eine allgemeine Einführung in die ökonomischen Fragestellungen zu Menschenpreisen. Im Mittelpunkt seines Beitrags stand die Bewertung des Menschenlebens in der Versicherungsbranche. Seine Untersuchungen (gemeinsam mit Andrea Leiter, Uni Innsbruck) mit der Methode des „Value of Statistical Life“ untersucht die Bereitschaft von Menschen, für eine marginale Risikominderung zu zahlen.

 

Der letzte Vortrag des Symposiums von Engelbert Theurl schließt sich unmittelbar an diesen Vortrag an, indem er sich mit der Frage auseinander setzt, auf welcher Basis Entscheidungen im medizinischen Bereich gefällt werden. Mit „QALY: die neue Recheneinheit des Gesundheitswesens!?“ näherte er sich provokativ, wie er sagte, der Frage an und folgerte, dass im medizinischen Bereich ein ökonomisches Kalkül oft nur implizit enthalten ist.

 

Wie der diesjährige Titel schon sagt, wird es im Jahr 2008 voraussichtlich zu einem 2. Wirtschaftshistorischen Symposium kommen, das die begonnen Diskussionen weiter vertieft. Denn die Fragestellungen bleiben angesichts von verbreitetem Handel mit Organen, moderner Sklaverei und der nicht zuletzt klimabedingt zunehmenden Anfälligkeit von Gesellschaften für Katastrophen weiterhin aktuell.