Liebe und Lust im gesellschaftlichen Umbruch

Die Aula der LFU Innsbruck drohte am Wochenende des 19./20. Jänner aus allen Nähten zu platzen, so groß war der Zulauf zu der von Prof. Dr. Josef Aigner (Institut für Erziehungswissenschaft) gemeinsam mit einem internationalen KollegInnen - Team veranstalteten und von Studienassistentin Ramanie Ramalingam perfekt organisierten Ringvorlesung „Liebe und Lust im gesellschaftlichen Umbruch“.
Prof. Josef C. Aigner und Rektor Manfried Gantner
Bild: Prof. Josef C. Aigner und Rektor Manfried Gantner

Rektor Prof. Manfried Gantner und Dekanin Prof. Heidi Möller eröffneten die Veranstaltung, Prof. Aigner wies in seiner Einleitung auf das Defizit an sexualwissenschaftlicher Lehre und Forschung in ganz Österreich hin. Insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften, aber auch in Medizin und Biologie mangelt es an derartigen Themen in Studienplänen und in der Forschung in ganz Österreich.

 

An der LFU Innsbruck gibt es aber bereits zahlreiche AbsolventInnen des früheren Wahlfachstudiengangs „Interdisziplinäre Sexualwissenschaft“, die zu Beginn der Veranstaltung auch geehrt wurden: mit diesem 48 Semesterstunden umfassenden Wahlfach gehören diese NachwuchswissenschaftlerInnen zu den Bestausgebildetsten in ganz Europa. Nach dem Auslaufen der Wahlfachstudiengänge an der LFU ist Prof. Aigner mit seinem Team bemüht, mit einem vom Rektor zur Verfügung gestellten kleinen Sonderbudget weiterhin hochkarätige sexualwissenschaftliche Lehre in Innsbruck anzubieten. 

 

Die Themen der Ringvorlesung reichten von Fragen der Sexualpathologie und –Kriminalität (Prof. Dr. Berner, Universitätsklinik Hamburg) über die nach wie vor anhaltende Benachteiligung homosexuell liebender Menschen (Mag. Wahala, Beratungsstelle Courage, Wien), die neuen Phänomene der Lustlosigkeit (Dipl.Psych. Margret Hauch, Universitätsklinik Hamburg), über neue Aspekte in der Behandlung der HIV-Infektion (Prof. Dr. Zangerle, Universitätsklinik Innsbruck) bis hin zu Interkulturellen Problemstellungen im gesellschaftlichen Umgang mit Sexualität (Dr. Zahra Mohammadzadeh, Bremen, und Sabine Ziegelwanger, Universität Wien).

 

Prof. Friedemann Pfäfflin (Universitätsklinik Ulm) berichtete über historische und aktuelle   Aspekte der Behandlung und Begleitung von Transsexuellen und Dr. Irene Berkel (Berlin) über Veränderungen der Sexualität im Zeitalter der biotechnischen Reproduzierbarkeit. Abschließend schilderte die aus den Niederlanden stammende Nina de Vries (Berlin), selbst eine der ersten „Sexualbegleiterinnen“ für behinderte Menschen weltweit, über die fachlichen und professionellen Hintergründe ihrer – in vielen Ländern noch sehr umstrittenen – Arbeit.

 

Zum Ausklang kündigte Prof. Aigner an, dass derartige Veranstaltungen auch weiterhin in Innsbruck stattfinden sollten: die LFU könnte so eine Drehscheibe interdisziplinären sexualwissenschaftlichen Austauschs in Österreich werden. Zusammen mit der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung (ÖGS) und dem Universitätsklinikum Hamburg ist auch daran gedacht, für AbsolventInnen der Psychologie und Pädagogik eine postgraduale Weiterbildung für Sexualberatung und für PsychotherapeutInnen entsprechende sexualtherapeutische Fortbildungen zu entwickeln und anzubieten.