Förderungspreis für interdisziplinäre Forschung im Alpinen Raum

Die Forschungsplattform „Alpiner Raum – Mensch und Umwelt“ der Leopold-Franzens -Universität Innsbruck hat 2006 erstmals den Förderpreis für interdisziplinäre Forschung ausgeschrieben. Der mit jeweils 1000 Euro dotierte Preis richtet sich an Studierende im Alpinen Raum und soll interdisziplinäre Ansätze fördern.
Forschungsplattform „Alpiner Raum – Mensch und Umwelt“
Bild: Forschungsplattform „Alpiner Raum – Mensch und Umwelt“

Der Preis für das Jahr 2006 wurde Mag. Christoph Kirchengast ex aequo mit Mag. Georg Leitinger zuerkannt. Beide Kandidaten konnten dadurch überzeugen, dass sie den Mensch in den Mittelpunkt ihrer Untersuchungen stellten. Mensch und Umwelt - eine Klammer die die beiden ausgezeichneten Anträge verbindet. 

 

Die Preisträger

Mag. Christoph Kirchengast: Über Almen – sozial und kulturanthropologische Betrachtungen zur Almwirtschaft in Österreich

Herr Mag. Kirchengast befasst sich in seiner Diplomarbeit „Über Almen“ mit der Relevanz von Almen für den Bewirtschafter wie auch für die Gesellschaft. Die Arbeit überzeugte die Jury vor allem durch die Verbindung von kulturwissenschaftlichen, sozialwissenschaftlichen und agrarwissenschaftlichen Aspekten. Dabei bleibt er trotz interdisziplinärer Perspektiven dem kulturwissenschaftlichen Zugang treu. Im Mittelpunkt bleibt der Mensch. Die Ergebnisse geben auch Aufschluss über die Zukunftsperspektiven der Almwirtschaft. Die Bewirtschafter sprechen dabei auch deutlich die Rolle der Förderung für die zukünftige Almentwicklung an. Damit liegt ein wichtiger Teil nicht in den Händen der Bauern sondern der Politik und der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Kirchengast stellt fest, dass für die Gesellschaft die Alm einen „virtuellen Ort“ zur Bildung von emotionaler Identität darstellt, der zunehmend von verschiedenen Akteuren (z.B. Tourismuswirtschaft, Unterhaltungsindustrie aber auch Lebensmittelindustrie) kommerzialisiert wird. Dies war auch Thema der „Galtürer Almbegegnungen“, die heuer gemeinsam mit dem Forschungsschwerpunkt Berglandwirtschaft der Universität Innsbruck im Rahmen der „Käseolympiade“ erstmals durchgeführt wurden. Dabei bot sich Herrn Kirchengast die Möglichkeit die Ergebnisse seiner Arbeit mit Bauern, Touristikern und Beamten zu diskutieren.

 

Mag. Georg Leitinger: Wahrnehmung des Nationalpark Stilfserjoch durch die lokale Bevölkerung

Mag. Georg Leitinger konnte mit seinem Projekt „Wahrnehmung des Nationalpark Stilfserjoch durch die lokale Bevölkerung“ die Jury überzeugen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Ergebnisse einer Umfrage unter 1100 Einheimischen im Nationalpark Stilfserjoch. Besonders großen Wert wurde auf einen interdisziplinären Forschungsansatz gelegt, der naturräumliche, sozioökonomische und kulturelle Fragestellungen berücksichtigt. Die Ergebnisse machen deutlich, dass ein Erreichen der angestrebten Schutzziele und damit der Erfolg eines Schutzgebietes vor allem von der Akzeptanz durch die lokale Bevölkerung abhängen. Insbesondere in den Alpen mit sehr begrenztem Raum für Siedlungstätigkeit entstehen immer wieder Konflikte zwischen den dort lebenden Menschen und dem Schutzgebietsgedanken. Dabei geht es nicht nur um die Erhaltung von naturnahen Lebensräumen, sondern auch um den Erhalt des kulturellen Erbes, ohne die Eigenständigkeit jedes Einzelnen in unzumutbarem Maße einzuschränken. Mag. Leitinger gelang es mit seiner Arbeit eine wissenschaftliche Fragestellung mit Bezug zu den Alpen in einen interdisziplinären Kontext zu stellen, und die Ergebnisse bei Tagungen und Konferenzen sowohl einem Fachpublikum als auch der im Nationalpark ansässigen Bevölkerung zu präsentieren. Darüber hinaus erfolgt die Veröffentlichung der Ergebnisse auch in einem englischsprachigen wissenschaftlichen Fachjournal.

 

Die Preise werden am Montag, 11. Dezember um 16:00 Uhr im Claudiasaal, Herzog-Friedrich-Str. 3, 2. Stock übergeben.

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