Im Brennpunkt: Literaturübersetzung

Wer ist am Übersetzen von Literatur beteiligt? Keineswegs nur ÜbersetzerInnen. Es muss ÜbersetzungsdidaktikerInnen geben, die Know-how vermitteln; Verlage, die Aufträge erteilen; LektorInnen, die die Texte vor dem Druck sorgfältig durchsehen; KritikerInnen, die Übersetzungen besprechen; Jurys, die Übersetzungen prämieren; WissenschaftlerInnen, die Übersetzungsforschung betreiben …
Translationswissenschaft
Bild: Translationswissenschaft

Am Institut für Translationswissenschaft fand am Mitte Oktober ein Workshop zum Thema Literaturübersetzung statt. Die Veranstaltung wurde vom   Forschungsschwerpunkt der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Prozesse der Literaturvermittlung ideell und finanziell unterstützt. In Übereinstimmung mit der Ausrichtung des Schwerpunkts lag die Betonung auf den Faktoren und Instanzen, die die Übersetzungskultur steuern bzw. beeinflussen.

 
Praktische Beispiele und Theorie

Namhafte ÜbersetzerInnen (Waltraud Kolb/ Wien, Rainer Kohlmayer/ Mainz-Germersheim, Johann Pögl/ Salzburg) berichteten über konkrete Übersetzungsarbeiten, die jeweils ganz besondere Kompetenzen und Recherchetechniken erforderten.

Eva Eckkrammer aus Salzburg erläuterte anhand der karibischen Kreolsprache Papiamentu die unverzichtbare Rolle von Übersetzungen, wenn „Dialekte“ zu voll funktionsfähigen Sprachen ausgebaut werden. Karlheinz Töchterle aus Innsbruck kommentierte in einem spannenden kulturgeschichtlichen Überblick den bis in die Gegenwart heraufreichenden (freilich zunehmend schwächer werdenden) Dialog zwischen den klassischen und den modernen Sprachen und Literaturen. Lew Zybatow, Innsbruck und Rainer Kohlmayer erörterten aus unterschiedlichen Perspektiven, wie eine Theorie der literarischen Übersetzung aussehen könnte.

 

Im Rahmen einer Roundtable-Diskussion präsentierten Innsbrucker Lehrende und Studierende (Christine Engel/ Slawistik, Víctor Herrera und Marlies Strauß/ Translationswissenschaft) Erfahrungen mit konkreten Übersetzungsprojekten. Der im Rahmen eines solchen Projekts im letzten Wintersemester übersetzte Krimi (siehe Bild) des damaligen kubanischen writer in residence, verlegt beim Haymon-Verlag, hat sich blendend verkauft und ist seit Monaten vergriffen.

 

Als Beispiele für einschlägige Dissertationsvorhaben an unserer Universität berichteten Angelika Moser über die übersetzerische Rezeption der Werke Elfriede Jelineks in Italien und Saverio Carpentieri über den italienischen Gelehrten Melchiorre Cesarotti, der Ende des 18. Jh. als einer der ersten aus einer modernen Sprache ins Italienische übersetzte.

 

Wenn Übersetzungen veröffentlicht sind, können sie Gegenstand der (feuilletonistischen oder literaturwissenschaftlichen) Kritik oder der Übersetzungsforschung werden. Schließlich existieren auch Preise für Übersetzungen; dazu gewährte Peter Holzer als langjähriges Jury-Mitglied Einblicke in die Vergabepraktiken. 

 

Obwohl Literaturübersetzen an den Instituten der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät traditionell ein Programm für eine interessierte Minderheit ist, war der Zuspruch sowohl der KollegInnen als auch der Studierenden überraschend hoch. Am Ende stand der deutlich artikulierte Wunsch nach einer Fortsetzung des Workshops.