Das Schmelzen von Permafrost bringt Alpen zum Bröckeln

Am Mittwoch, den 2. August 2006, brach eine Stützmauer am Ötztaler Gletscher ein und rund 15.000 Kubikmeter Stein, Fels und Geröll kamen in Bewegung. Grund dafür könnte das Auftauen von Permafrostbereichen sein.
Das Schmelzen von Permafrost bringt Alpen zum Bröckeln
Bild: Alpen
Alpengebiete in Gefahr

Der Vorfall in Sölden ist nicht der erste, der auf das Schmelzen von Permafrost zurückzuführen sein könnte. Im Kaunertal wird das Zerbröseln der Weißseespitze beobachtet, in den Stubaier Alpen musste der Übergang von der Neuen Regensburger Hütte zur Dresdner Hütte auf Grund ständigen Steinschlags teilweise verlegt werden. Am Sonnblick-Gipfel in den Hohen Tauern wiegen die Probleme noch schwerer: nur durch Betoninjektionen ist es dort möglich, das Abrutschen von Gebäuden in die Tiefe zu verhindern.

 

Klimaerwärmung und ihre Auswirkungen

Beim Permafrost handelt es sich um ganzjährig gefrorenen Boden bzw. gefrorenes Felsgestein. In Tirol ist ab einer Höhe von 2400 Metern mit Permafrostgebieten zu rechnen. Auf Grund der anhaltenden Klimaerwärmung – bis 2050 wird weltweit mit einer Erwärmung um 3 Grad gerechnet – drohen diese Bereiche aufzutauen. Die Folge: Steinschlag- und Felssturzereignisse werden sich in Zukunft häufen und Vermurungen bis in Siedlungsräume sind durch den höheren Wasserabfluss möglich. Auch die Tiroler Gletscherskigebiete sind von diesen Entwicklungen betroffen, da durch einen instabilen Untergrund das Skilaufen gefährdet sein könnte. So manche hochalpine Tour wird möglicherweise in Zukunft unbestreitbar sein und auch Hütten sind wegen des bröckelnden Untergrundes in Gefahr.   

 

Wissensmangel erschwert Sicherheitsvorkehrungen

Sicherheitsvorkehrungen können momentan nur sehr schwer getroffen werden, da Permafrostbereiche lediglich dann ausfindig gemacht werden können, wenn etwas passiert. „Das Problem liegt darin, dass wir viel zu wenig über Permafrostböden in Tirol wissen. Wenn man nicht weiß, wo solche Bereiche vorhanden sind und wie sich der Boden verhält, ist es schwierig, Maßnahmen zu setzen“, erklärt a.o. Univ-Prof. Karl Krainer vom Institut für Geologie und Paläontologie der LFU Innsbruck.

Dringend notwendig sei eine umfassende Grundlagenforschung, um dem Phänomen Permafrost auf die Spur zu kommen. Prof. Krainer arbeitet derzeit unter anderem in Südtirol an einem Projekt, das sich mit der Erforschung von Permafrost beschäftigt. In Zusammenarbeit mit der TU Wien wird ebenfalls ein Projekt in Tirol zu diesem Thema beantragt.

 

Schadensbegrenzung durch praxisnahe Forschung

Das Zentrum für Naturgefahrenmanagement, alpS, arbeitet in Kooperation mit der LFU an Systemen Strategien und Technologien zum verbesserten Umgang mit Naturgefahren. Das Projekt „Optimierung bestehender und Entwicklung neuer Konzepte für nachhaltige Schutzmaßnahmen gegen Naturgefahren im alpinen Raum“ soll mittels praxisnaher Forschung helfen, Schäden langfristig auf ein akzeptables Minimum zu begrenzen. Darüber hinaus soll das verbleibende Restrisiko objektiv eingeschätzt werden.

 

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