Innsbruck exportiert Know-how nach Peking

Unter Prof. Günther Bonn vom Innsbrucker Institut für Analytische Chemie und Radiochemie wurde mit dem Health Science Center der Peking Universität und dem Eurasia-Pacific Uninet ein gemeinsames Biomarker-Zentrum gegründet.
Know-how
Bild: v.l. Prof. Günther Bonn, BM Elisabeth Gehrer und Rektor Manfried Gantner eröffnen das neue gemeinsame Biomarker-Zentrum in Peking

Im Rahmen der neuen Österreichisch - Chinesischen Plattform zur Identifizierung von Biomarkern sollen neue Erkenntnisse für die Krebsforschung in beiden Ländern gewonnen werden. Das Biomarker-Zentrum wurde kürzlich von Bundesministerin Elisabeth Gehrer eröffnet. Dem Projekt stehen von österreichischer Seite Prof. Günther Bonn von der LFU Innsbruck sowie Prof. Ke Yang, Vize-Rektorin des Health Science Center an der Peking University vor. Unterstützt wird das Institut durch das Eurasia-Pacific Uninet von Prof. Brigitte Winklehner. Ab Herbst wird das Zentrum seinen Vollbetrieb aufnehmen.
 

Was sind Biomarker?

„Biomarker sind messbare Substanzen von Organismen, z.B. Proteine, Enzyme oder Hormone, die im Blutbild erkennbar sind und auf Krankheiten und auch Tumore hinweisen“, erklärt Prof. Bonn. Das Institut für Analytische Chemie und Radiochemie der LFU Innsbruck verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich der Synthese und Untersuchung unterschiedlicher, biologisch bzw. klinisch relevanter Proben. Bei der Analyse von Biomarkern geht es in erster Linie um die Beantwortung wissenschaftlicher Fragen z.B. „Welchen Einfluss hat die Ernährung auf das menschliche Immunsystem“.
 

Krankheitsbild über Generationen verfolgen

Das Health Science Center an der Peking Universität zählt zu den weltweit führenden medizinischen Forschungseinrichtungen und ist bestens geeignet, um relevante Proben zu entnehmen bzw. zu sammeln. Nachdem es in China nicht erlaubt ist, Blutproben außer Landes zu bringen, wird vor Ort in Peking geforscht. „Österreich stellt die Technologie zur Verfügung, China die Patienten“, so Bonn. Der Vorteil für die Biomarker-Forschung in China ist, dass Familienstudien erstellt und somit Krankheitsbilder über mehrere Generationen verfolgt werden können. „Das ist eine einmalige Chance, die kein anderes Land je bekommen hat“, freut sich Bonn.
 

Chinesen leiden unter Leberkrebs

Ziel der Zusammenarbeit ist die Entwicklung von Methoden zur Identifizierung von Biomarkern. Am Beginn der gemeinsamen Forschungsarbeit widmen sich die WissenschafterInnen aus China und Österreich dem Leberkrebs, der pro Jahr über eine Million Todesfälle verursacht. Besonders stark betroffen von dieser Krebsart sind die Menschen in Schwarzafrika und Asien. In China ist der Leberkrebs seit den 1990er Jahren die zweithäufigste Krebsart. Erste Ergebnisse wurden bereits im Zuge eines zweimonatigen Aufenthalts chinesischer WissenschafterInnen von der Peking University in Innsbruck erarbeitet.
 

Prostatakrebs gefährdet Europäer

In Asien kaum problematisch, jedoch eine der häufigsten Krebsarten in Europa ist der Prostatakrebs. Als Grund für das auffallend geringe Prostatakrebs-Risiko in Asien gelten genetische Unterschiede, aber vermutlich auch die andere Art der Ernährung. Dies scheint auch durch die zunehmende Häufigkeit dieser Krebsart in den Ballungsräumen Chinas bestätigt. Die Forschungen des Biomarker-Zentrums und der Zugang zu den Daten der chinesischen WissenschafterInnen werden Rückschlüsse auf die Ursachen von Prostatakrebs ermöglichen.
 

Regelmäßiger Austausch geplant

Im Rahmen der Kooperation mit Peking wird es einen kontinuierlichen Austausch zwischen Studierenden und ProfessorInnen geben. Die geplante Kooperation umfasst zweiwöchige Kurse am gemeinsamen Institut in Peking wie ein intensives Methoden-Training, Gastprofessuren und die Teilnahme an Konferenzen. „Dieser Austausch erweitert für beide Seiten den Horizont“, erwartet Bonn.
 

Als kleines Land sichtbar werden

„China ist ein Zukunftsmarkt. Wir können uns glücklich schätzen, als kleines Land ein solches Aushängeschild zu haben“, betonte Bundesministerin Elisabeth Gehrer bei der Eröffnungsfeier in Peking. Rektor Manfried Gantner bedankte sich bei Prof. Günther Bonn: „Er brachte diese Kooperation zustande und ist der Innsbrucker Brückenkopf dieses Zentrums.“ Der Initiator selbst gibt sich bescheiden: „Dieses Zentrum ist ein Beweis dafür, dass ein kleines Land über Forschung und Entwicklung weltweit sichtbar werden kann“, so Bonn. Die Finanzierung wird von Peking übernommen. Die Stadt stellt die gesamte Infrastruktur und das Personal zur Verfügung.

Die Krebsforschung ist von zentraler Bedeutung für das Gesundheitswesen. Weltweit wurden im Jahr 2002 442.119 Fälle von Leberkrebs (Sterberate: 41 .882) und 80.000 Fälle von Prostatakrebs  Sterberate: 221.002) registriert. Der Lungenkrebs führte mit 1.352.132 von Betroffenen diese traurige Statistik an. Den Kampf gegen ihn verloren im Berichtsjahr 2002 insgesamt 1.1 8.918 Menschen. Mit dem Biomarker-Zentrum wird ein weiterer wichtiger Schritt in der Krebsdiagnostik gesetzt.