e-Procurement und Semantic Web: Eine spannende Verbindung

Am 22. Juni traf sich der Software Circle Tirol (SWCT) bereits zum dritten Mal, um über jüngste Entwicklungen im Bereich IT zu diskutieren. Zahlreiche TeilnehmerInnen aus Wirtschaft und Forschung fanden sich dazu im ICT – Technologiepark ein. Thema des Abends war ein Referat von Dr. Martin Hepp zum Thema "e-Procurement and beyond: Product Representation in the Semantic Web".
SWCT
Bild: v.l. Dipl. Inform. Christoph Holz, Dr. Martin Hepp und Mag. Robin Hengl

Christoph Holz, Vertreter der Tiroler IT-Branche, führte durch den Abend und betonte insbesondere die Wichtigkeit, Forschungseinrichtungen, die sich mit neuesten Technologien beschäftigen, in Tirol vor Ort zu haben. „Veranstaltungen wie diese stärken den Wirtschaftsstandort. Tirol profitiert von zentralen Zukunfts­themen, die das Potential haben, die IT nachhaltig umzukrempeln.“
 

Semantic Web: Wenn PC's plötzlich mitdenken

Durch Semantic-Web-Technologien lernen Computer zu „verstehen“, was Daten bedeuten. Dr. Hepp (DERI Innsbruck) illustrierte dies durch ein Beispiel aus dem Brückenbau. Bei der Verarbeitung von Daten können Missverständnisse auftauchen – wie bei einem realen Brückenbauprojekt zwischen Deutschland und der Schweiz. Die Schweizer nehmen als absolutes Nullniveau den Bodensee als Bezugsgröße an. Deutsche und Österreicher den Meeresspiegel der Nordsee. Zwischen beiden besteht eine bekannte Differenz von etwa 27 cm. Bei einem Bauprojekt gab es jüngst leider ein fundamentales Missverständnis bei der Verarbeitung von Höhendaten des Bauplans: Statt die Differenz von 27 cm zwischen schweizer und deutschen Höhenangaben auszugleichen, wurde sie verdoppelt. Erst im Endstadium des Baus hat man bemerkt, dass die Brücke in der Mitte eine riesige Stufe von 54 cm haben würde. Das zeigt: Daten sind für sich genommen nicht eindeutig. Erst durch zusätzliche Spezifikationen über ihre Bedeutung erhalten sie einen eindeutigen Sinn.

Techniken des Semantic Web dienen dazu, die Beschreibung von Daten so anzureichern, dass ein Computer wirklich „wissen“ kann, was ein bestimmter Datenwert bedeutet. Das erlaubt es ihm einerseits, Inkompatibilitäten zu erkennen und falsche Interpretationen zu vermeiden – und es befähigt ihn, zwischen verschiedenen Datenmodellen automatisch zu übersetzen und so die Zusammenarbeit zwischen Computersystemen zu verbessern. Dies führt zu einem höheren Grad der Automatisierung und somit zur Steigerung der Effektivität von Prozessen.
 

e-Procurement und Semantic Web - eine spannende Liaison

Semantische Technologien lassen sich auch ideal für e-Procurement, also die automatische Organisation betrieblicher Beschaffungsprozesse über Internetsysteme, verwenden. Beim e-Procurement sind Produkte nämlich oft zwangsläufig nach Navigationshierarchien organisiert, die einen bestimmten Marketing- oder Produktgesichtspunkt widerspiegeln. Semantische Technologien erlauben so genannte Multihierarchien, die unterschiedlichste Zugänge für jede Zielgruppe ermöglichen. Man kann dann also gezielt nach Bedeutungen suchen, um ein Produkt oder eine Dienstleistung zu finden und ist nicht auf die Hierarchie festgelegt, die die Webseite vorgibt.
 

Rigide Standards machen e-Business Verantwortlichen das Leben schwer

Branchenübergreifender Geschäftsverkehr und Internethandel forcieren die Entwicklung strikter Standards zur Produktklassifikation wie zB eCl@ss. Bei diesen Standards handelt es sich um hierarchische Klassifikationen wie sie zB bei Katalogsystemen zum Einsatz gelangen. Die meisten Standards, so Dr. Hepp, sind aber wegen der stets präsenten Dynamik in Produkt- und Dienstleistungsmärkten nach einem Jahr bereits zu 30 % veraltet. Das bedeutet, dass webbasierte Katalog- oder Bestellsysteme heute nur mit einem sehr großen manuellen Aufwand angepasst werden können. Ein Ziel der semantischen Forschung ist es daher auch, Katalogsysteme zu entwickeln, die sich von selbst den entsprechenden Standards anpassen.
 

Der Referent

Dr. Martin Hepp ist Senior Researcher und Leiter des Research Clusters „Semantics in Business Information Systems“ am Digital Enterprise Research Institute (DERI) an der Universität Innsbruck. DERI ist mit Zentren in Innsbruck und Galway die weltweit größte Forschungs­einrichtung im Bereich Semantic Web und Semantic Web Services. Das erfolgreiche Institut konnte bisher Fördermittel in der Höhe von ca. 15 Mio EUR lukrieren - Geschäftsbeziehungen zur Industrie runden die erfreuliche Bilanz ab. Das Referat von Dr. Hepp ist Teil der SWCT Veranstaltungsreihe. Hierbei erhalten Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft die Gelegenheit zum gemeinsamen Austausch und Aufbau von Kontakten.

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