Anton Roschmanns lateinische Beschreibung der Ruinen von Aguntum 1746

In seiner letzten Sitzung wurde vom Tiroler Wissenschaftsfonds (TWF) das Projekt „Anton Roschmanns lateinische Beschreibung der Ruinen von Aguntum 1746“ genehmigt. Interdisziplinär soll hierbei von philologischer und archäologischer Seite eine 260 Jahre alte lateinische Handschrift aufgearbeitet und ausgewertet werden.
Anton Roschmann (1694-1760), Zeichnung der römischen Ruinen von Nussdorf.
Bild: Anton Roschmann (1694-1760), Zeichnung der römischen Ruinen von Nussdorf.

Im letzten Monat wurde über die Vergabe von Fördermitteln durch den „Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses in Tirol“ (Tiroler Wissenschaftsfonds) entschieden. Von den um Förderung angesuchten Forschungsvorhaben konnte auch das von Dr. Florian Schaffenrath (Institut für Sprachen und Literaturen – Abteilung Latinistik/Gräzistik) und Mag. Florian Müller Bakk. (Institut für Archäologien) eingereichte Projekt „Anton Roschmanns lateinische Beschreibung der Ruinen von Aguntum 1746“ genehmigt werden.

Der „Polyhistor“ Anton Roschmann

Anton Roschmann (* 1694 Hall, + 1760 Innsbruck) war eine der bedeutendsten Forscherpersönlichkeiten Tirols im 18. Jahrhundert. In seinen bisher bekannten 134 Werken in lateinischer Sprache beschäftigte er sich mit Geschichte, Altertumskunde, Archäologie, Epigraphik, Numismatik, Geographie, Kunst-, Literatur- und Kirchengeschichte, Theologie, Naturgeschichte, Bibliothekswissenschaft und Genealogie. 1694 in Hall geboren, studierte Roschmann in Innsbruck Philosophie, Theologie und Jus. Seit seiner Jugend arbeitete er aber bereits in verschiedenen Tiroler Bibliotheken und Sammlungen, wo er profunde Kenntnisse der klassischen Literatur erwarb, Inventararbeiten und Neuordnungen vornahm. Besonders wichtig für ihn dürfte dabei die Arbeit an den Sammlungen im Schloss Ambras gewesen sein. Hier, wie auch bei seinen ausgedehnten Reisen durch ganz Tirol, wurde er mit Naturalien, Bildender Kunst und römischen Denkmälern vertraut. 1740 erhielt Roschmann von den Tiroler Landständen den speziell für ihn entworfenen Titel „Landschaftlicher Historicus” bzw. „Historicus illustrissimorum ordinum provinciae”. 1745 wurde er schließlich zum ersten Bibliothekar der neu gegründeten Universitätsbibliothek in Innsbruck ernannt.

Roschmanns Schrift „Reliquiae aedificii romani“

Schon vor seiner für die archäologische Forschung wichtigsten Schrift, den Inscriptiones et alia diversi generis Romana per Tyrolim monumenta aus dem Jahr 1756, verfasste Roschmann eine Reihe kleinerer Abhandlungen zu diversen archäologischen Themen, darunter die Reliquiae aedificii Romani ad oppidum Tyrolense Lienz detectae, vulgo das Zwergen-Gebäu (Die Überreste eines römischen Gebäudes, das in der Nähe von Lienz entdeckt wurde und im Volksmund „das Zwergerlgebäude“ heißt). In dieser Schrift aus dem Jahre 1746, die handschriftlich im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Dip. 935/14) erhalten ist, beschreibt Roschmann seine im selben Jahr in Nussdorf (Osttirol) im Bereich der Römerstadt Aguntum durchgeführten archäologischen Ausgrabungen, bei denen er auf ausgedehnte Reste eines römischen Gebäudes mit Hypokausten und Fußbodenmosaiken gestoßen war.

Ziele des Projektes

Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Bemühungen von Klassischer Philologie und Klassischer Archäologie zu bündeln und dadurch eine moderne Edition der Reliquiae aedificii Romani zu liefern.

Während am Institut für Sprachen und Literaturen – Abteilung Latinistik/Gräzistik schon seit fünf Jahren im Rahmen des FWF-Projektes „Geschichte der lateinischen Literatur in Tirol“ sämtliche lateinische Texte, die sich in Tiroler Bibliotheken, Klöstern, Archiven u.s.w. finden, katalogisiert und ausgewertet werden, liegt die Verantwortung für die archäologische Erforschung der Römerstadt Aguntum seit 1991 am Institut für Archäologien der LFU. Roschmanns lateinischem Text Reliquiae aedificii Romani soll nun eine deutsche Übersetzung zur Seite gestellt werden, der sich ein ausführlicher philologisch-archäologischer Stellenkommentar anschließt. Die Auswertung der archäologischen Handschrift aus dem 18. Jh. ermöglicht wertvolle Einblicke in die Ansichten, Methoden und Forschungstraditionen dieser Zeit. Neben wissenschaftshistorischen Aspekten soll aber auch der Frage nach dem Wert und der Aussagekraft älterer Quellen für die moderne archäologische Forschung in Tirol nachgegangen werden.