Dreaming off the world

In der Woche vom 14.6 bis 18.6.2006 fand eine hochkarätig besetzte internationale Fachtagung zum Thema „Hintergrundwissen" in Obergurgl statt, an der Referenten u.a. aus Berkeley und Harvard teilnahmen. Ausgangspunkt für die Gespräche war eine kritische Reflexion des sogenannten Kognitivismus.
Prof. Hubert Dreyfus (Berkeley) bei seinem Vortrag.
Bild: Prof. Hubert Dreyfus (Berkeley) bei seinem Vortrag.

In der Reaktion auf den Behaviorismus, der allzu vorschnell den Bereich des Mentalen auf das beobachtbare Verhalten reduzierte, bemühte sich die Cognitive Science zunächst um eine Wiedereinführung und Rehabilitierung kognitiver Prozesse in die Sprache der Wissenschaft. Wegen ihrer inneren Abhängigkeit von der rationalistischen Tradition, zurückgehend letztlich auf Descartes, unterliefen ihr aber auch ähnliche Fehler, wie wir sie seit Beginn der Aufklärung beobachten können. Zu erwähnen sind hier vor allem deren zwei:

  • Der Versuch, den Bereich des Mentalen auf ein sich selbst genügendes „Ich“ reduzieren zu wollen noch vor seiner Beteiligung an einem (immer schon) intersubjektiv vermittelten Kontext.
  • Die neuen Wissenschaften führten zu einer Verselbständigung der wissenschaftlichen Konstrukte. Wir haben uns gewissermaßen daran gewöhnt einfach den Regeln unserer Erklärungen zu folgen und darüber vergessen, dass es sich hierbei lediglich um Modelle handelt, die uns immer nur Ausschnitte der Wirklichkeit beschreiben können, andere dabei aber notwendigerweise ausblenden.

Unmittelbar auf die Cognitive Science bezogen führte dies dazu, dass das Computermodell des Geistes nicht als eine (im nachhinein) erfolgte Erklärung für kognitive Prozesse gehalten wurde, sondern mit diesen Prozessen selber identifiziert wurde, was – mehr oder minder erfolgreich – auch die Wissenschaft von der Künstlichen Intelligenz motiviert hat. Nun sind indes Regeln, wie sie die Kognitionswissenschaft zur Erklärung kognitiver Prozesse aufstellt, etwas ganz anderes als die Art und Weise, wie diese kognitiven Prozesse tatsächlich produziert werden. Das Scheitern dieses Ansatzes der Cognitive Science zeigt sich auch an den zu hoch geschraubten Erwartungen an so genannte Expertensysteme und natürlich sprachige Systeme.

 

Dennoch war dieser wissenschaftliche Anspruch der Kognitionswissenschaft alles andere als nutzlos, brachte er doch einen Paradigmenwechsel und eine Neubeurteilung der Wissenschaft vom „Geist“ mit sich.

 

Jerome Bruner’s „Acts of Meaning“, die Kritik von Hubert Dreyfus an einer Dekontextualiserung von Wissen, wie es in Expertensystemen gehandhabt wird, Hilary Putnams Kritik am so genannten methodologischen Individualismus führten zu einer kognitiven Revolution, die jene Aspekte neu bewertet hat, die der nur an Algorithmen interessierte Kognitivismus vernachlässigt hat, nämlich Inhalt, Kontext und Situiertheit unseres Wissens. Wie dieses implizite Wissen zu interpretieren und zu bewerten ist, ist zudem eine nicht unwesentliche Frage am Forschungsschwerpunkt des Instituts für Psychologie „Psychologie des Alltagshandelns“.

 

Eine internationale Kooperation zum Thema "background-knowledge" wurde vereinbart. Weitere Vorträge und Veranstaltungen zu diesem Thema sind in Planung.