Keep it simple and go micro!

Vergangene Woche trafen sich WissenschaftlerInnen und UnternehmerInnen aus aller Welt im Innsbrucker ICT-Technologiepark zur „Microlearning 2006“-Konferenz. Auf dem Programm standen aktuelle Fragestellungen in den Bereichen Micromedia und e-Learning 2.0 sowie neue Microlearning-Anwendungen und zukunftsweisende Konzeptionen mediengestützter Lernprozesse.
Eröffneten die Microlearning 2006-Konferenz: Prof. Peter A. Bruck, Dekanin Heidi Möller, Vizerektor Tilmann Märk (v.l.)
Bild: Eröffneten die Microlearning 2006-Konferenz: Prof. Peter A. Bruck, Dekanin Heidi Möller, Vizerektor Tilmann Märk (v.l.)

Die heutige Wissensgesellschaft sieht sich bei der Fort- und Weiterbildung einer Reihe von Problemen gegenübergestellt: Die ständig wachsende Informationsflut ist für die/den Einzelne/-n schwer zu handhaben - geringer werdenden Zeitressourcen und der Notwendigkeit, stets Neues zu lernen, stehen unhandliche Lerntechnologien gegenüber. Für die optimale Nutzung von Wissen, den ganz persönlichen Bedürfnissen entsprechend, hat sich der Ansatz der „Mikro-Information“ und des „Integrierten Mikro-Lernens“ als erfolgreich erwiesen. „Wir wissen, dass der Fokus auf Mikro-Perspektiven des Lernens neue Möglichkeiten der Wissensintegration und des Zusammenspiels formeller und informeller Lernformen eröffnet“, erklärt dazu Prof. Theo Hug, Leiter des Research Studios eLearning Environments des ARC Seibersdorf an der LFU. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass es massive Probleme gibt, Schritt zu halten. Viele Menschen erleben einen Dauerstress, immer neue Informationen aufzunehmen und im Lernen zu verarbeiten. In unseren Forschungsarbeiten wollen wir radikal andere Lösungen entwickeln und setzen auf Mikrolernen als entscheidenden Weg“, pflichtet Prof. Peter A. Bruck, der Gesamtleiter der Research Studios, bei.

 

Erfolg in kleinen Schritten

 

Genau zu dem Wissen zu kommen, das gebraucht wird, und das genau zu dem Zeitpunkt, wann es benötigt wird – das ist das Ziel von Microlearning-Strategien. Die zweite Generation des World Wide Web und die neuen Mobile Data Spaces eröffnen völlig neue Möglichkeiten. Informationsquellen wie E-Mail, Handies und Suchmaschinen wie Google werden zunehmend besser integriert, Informationsquellen werden vernetzt. Multitasking ist längst Alltag geworden. User wechseln in immer kürzeren Zeiträumen zwischen den Tasks und den verschiedenen Formen der Mediennutzung. Mit kleinen Schritten – Micro Steps – kann die Informationsflut bewältigt und können auch große Arbeiten erfüllt werden. Der Ansatz des Mikrolernens, der in Zusammenarbeit zwischen den ARC Seibersdorf und der LFU entwickelt wird, bietet bei der Informationsvermittlung und beim zeitgemäßen Lernen neue Chancen. Es passt sich an die Bedürfnisse und den Fortschritt der Lernenden automatisch an und integriert das Lernen in den Alltagsablauf. Microlearning kann in viele bestehende technische Geräte integriert werden, egal ob es sich dabei um PC´s, Mobiltelefone, Fernseher oder Kaffeemaschinen handelt.

 

Praktische Anwendungsbeispiele und Einsatzgebiete des Mikrolernens wurden am Vortag der Konferenz unter anderem von Sebastian Fiedler (ZSI – Zentrum für soziale Innovation), Peter Krieg (Pilesys) und Norm Friesen (Athabasca University / Can.) sowie weiteren namhaften Pädagogen im Rahmen von Pre-Conference-Workshops der European Academy for Microlearning (EAMIL) diskutiert. Interessierte LehrerInnen, StudentInnen und MitarbeiterInnen von Bildungsinstitutionen wurden dabei in die Thematik eingeführt.

 

Information ist überall

 

Wie beim Mikrolernen, so ist Vernetzung auch in der IT-Branche eine unumgängliche Notwendigkeit. Tirol hat sich in der Vergangenheit, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, zu einem innovativen IT-Knoten entwickelt. Die Innovationskraft liegt dabei weniger bei großen Konzernen, sondern bei einer Vielzahl von Kleinunternehmen und Zukunftslaboren. Ein viel versprechendes Netzwerk ist im Entstehen.

 

Einen Überblick über den Status quo zu geben, zukünftige Herausforderungen festzumachen und Lösungsansätze zu formulieren war das Ziel eines hochkarätig besetzten Panels am Rande der Microlearning-Konferenz. Peter A. Bruck (Gesamtleitung, Research Studios Austria), Harald Gohm (Geschäftsführer, Zukunftsstiftung Tirol), Bruno Haid (CEO System One, Innsbruck), Karin Hakl (Tiroler Abgeordnete zum Nationalrat; IKT-Sprecherin der ÖVP), Christoph Holz (Holzweg, Innsbruck; Wirtschaftskammer Tirol, Gruppe UBIT), Werner Wild (Evolution, Innsbruck; Software Circle Tirol) und Gunter Zaunig (IKB, Projekt Innsbruck Wireless) diskutierten unter der Moderation von Günter Unterweger (ORF Landesstudio Tirol). Dabei machte Prof. Bruck einen wesentlichen Paradigmenwechsel namhaft: „Wenn es um Information und ihre Verfügbarkeit geht, haben wir uns schon lange von einem Zustand des Mangels zu einem des Übermaßes hinbewegt. Es gilt, Möglichkeiten zu entwickeln, mit Hilfe derer der User aus dem Informationsüberfluss die für ihn wichtigen Informationen filtern kann.“

 

Gemeinsam statt einsam

 

Zur Erreichung der Ziele komme der Interdisziplinarität besondere Bedeutung zu, wie alle DiskussionsteilnehmerInnen einhellig betonten. Bei der Komplexität der Anforderungen sei ein aus SpezialistInnen eines Fachbereiches bestehendes Team kaum in der Lage, adäquate Lösungen zu erarbeiten. Dazu Bruno Haid: „Im IT-Bereich sind nicht nur ElektrotechnikerInnen und NaturwissenschaftlerInnen gefordert. Auch die Geisteswissenschaften müssen sich an der Arbeit beteiligen. Nur wenn die Vernetzung von Anfang an gegeben ist, kann diese auch nach außen fortgesetzt werden und den Herausforderungen erfolgreich begegnet werden.“

 

Technologie – Talent – Toleranz

 

Auf diese drei „T´s“ brachte Dr. Harald Gohm das Erfolgsrezept der heimischen IT-Branche. Neben den technologischen Voraussetzungen brauche es talentierte kluge Köpfe und Toleranz: zwischen den Disziplinen, aber auch als Verständnis etwa der Bevölkerung für die komplexen Arbeiten. „In den vergangenen Jahren wurde Tirol zu einem IT-Mekka. Das Saatgut wurde ausgebracht, nun heißt es, zu düngen, zu gießen und zu ernten, aber auch auszujäten, was nichts gebracht hat“, so der Geschäftsführer der Tiroler Zukunftsstiftung.

 

Auf der Microlearning-Konferenz diskutierten führende Vertreter aus der Weiterbildungs- und IT-Branche zukünftige Lösungen und Entwicklungen. Aus dem Bereich der Lerntechnologien präsentierten unter anderem die Spezialisten David Smith (Radley College Oxford / UK), George Siemens (Red River College / CAN), Stephen Downes (Canadian Research Council) und Michael Kerres (Universität Duisburg) ihre Konzepte und Forschungsergebnisse. Ebenso stellten namhafte VerterInnen der IT, darunter Martina A. Roth (Intel Education Group, GER), Simo Hoikka (Nokia BridgeIT Project, FIN) und Richard Straub (IBM Director of Learning Solutions / F) ihre Projekte vor.

 

 

Weblinks:

 

http://www.microlearning.org : Konferenz-Website

http://ele.researchstudio.at : Research Studio eLearning Environments

http://www.eamil.org : European Academy for Microlearning