Sonderausstellung zu steinzeitlichen Skelettresten aus Vorarlberg

Am 1. Mai 2006 wurde in Bregenz eine vom Institut für Archäologien der LFU Innsbruck und dem Vorarlberger Landesmuseum konzipierte Sonderausstellung zu den erst kürzlich bekannt gewordenen ältesten menschlichen Skelettresten aus Vorarlberg eröffnet.
Sonderausstellung in Bregenz: Auswahl an Rekonstruktionszeichnungen.
Bild: Sonderausstellung in Bregenz: Auswahl an Rekonstruktionszeichnungen.

Der archäologische Sensationsfund aus Vorarlberg wurde am 1. Mai, am Tag der offenen Tür des Vorarlberger Landesmuseums, im Rahmen einer Sonderausstellung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Das Museum konnte bereits am ersten Tag eine beachtliche Zahl von über 400 BesucherInnen verzeichnen.

Idee und Umsetzung

Die Akzeptanz einer Ausstellung und der darin unter museumsdidaktischen Aspekten ausgestellten Exponate hängt entscheidend von der Darstellung der thematischen Inhalte sowie der räumlichen Gestaltung ab. Die wissenschaftliche Vorbereitung sowie die grafische Gestaltung hinsichtlich eines anschaulichen und publikumswirksamen Erscheinungsbildes wurde von Sonja Laus, Diplomandin am Institut für Archäologien der LFU, durchgeführt.

Für die innenarchitektonischen Elemente zeichnete Mag. Gerhard Grabher, vom Vorarlberger Landesmuseum in Bregenz, verantwortlich.

Vier Vitrinen mit sämtlichen Fundobjekten der Ausgrabungen im Raum Koblach, Bezirk Feldkirch, in Vorarlberg laden die BesucherInnen zu einer Zeitreise in eine Periode zwischen dem 8. und 3. Jahrtausend v. Chr. ein.

Die menschlichen Skelettreste

Die anlässlich der aktuellen und spannenden Forschungsergebnisse ausgestellten Fundobjekte umfassen 33 menschliche Knochenreste, die einer Mindestanzahl von sechs bis 13 Individuen entsprechen. Naturwissenschaftliche Datierungen ergaben ein erstaunliches Alter und belegen, dass es sich hier eindeutig um die bislang ältesten menschlichen Skelettreste aus Vorarlberg handelt. Gleichzeitig stellen die Funde die frühesten menschlichen Überreste aus dem Mesolithikum (Mittelsteinzeit) in Österreich dar. Das älteste Fragment (Halswirbelfragment) stammt von einem etwa sechs Jahre alten Kind, das am Fundort Rheinbalme bei Koblach um 7500 v. Chr. bestattet wurde. Weitere Skelettreste von anderen Individuen weisen mit Datierungen um 4900 oder 2600 v. Chr. ebenfalls ein außergewöhnlich hohes Alter auf. Alle Knochenfragmente wurden nach anatomischen Gesichtspunkten gruppiert, und vermitteln in Verbindung mit entsprechenden Rekonstruktionszeichnungen einen hervorragenden Überblick über die einzig bekannten steinzeitlichen Bestattungen aus dieser Region.

Mittel- und jungsteinzeitlicher Alltag

Den Initiatoren gelang es zudem diverse sozioökonomische Strukturen der steinzeitlichen Bevölkerung in Vorarlberg zu konturieren. Anhand einer Reihe unterschiedlicher Knochengeräte, wie Knochen- bzw. Geweihharpunenspitzen, einer Knochenschaufel oder einem Pfriem, wird auf bestimmte jagdstrategische und technologische Besonderheiten hingewiesen. Unzählige Abschläge und Geräte aus Silex weisen die Fundstellen als Schlagplätze aus, an denen aus den Rohknollen die entsprechenden Werkzeuge und Waffen produziert wurden. Durch den Begleittext, sowie Grabungsfotos und detaillierte Angaben zu den naturwissenschaftlichen Untersuchungen konnte der Informationsgehalt überdies gesteigert, und ein Gesamtbild der ursprünglichen Lebensbedingungen der Wildbeuter und frühen Bauern im Alpenrheintal entworfen werden.

Die Ausstellung im Vorarlberger Landesmuseum in Bregenz wird noch bis Ende des Monats zu sehen sein. Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Funde erfolgt derzeit durch Sonja Laus im Rahmen einer Diplomarbeit und wird nach ihrem Abschluss in den Schriften des Vorarlberger Landesmuseums veröffentlicht.