LFU prominent vertreten in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)

In der letzten Sitzung der ÖAW am 28. April 2006 wurde nicht nur ein neuer Präsident gewählt, sondern auch die wirklichen und korrespondierende Mitglieder bestellt. Dekan Prof. Rudolf Grimm (LFU) wurde einstimmig als wirkliches Mitglied aufgenommen. Prof. Sabine Schindler (LFU) wurde als erste Frau aus Tirol zum korrespondierenden Mitglied gewählt.
Prof. Sabine Schindler und Prof. Rudolf Grimm.
Bild: Prof. Sabine Schindler und Prof. Rudolf Grimm.

Die Wahl der Mitglieder der ÖAW findet einmal jährlich statt. Nominierungen basieren auf Vorschlägen von wirklichen Mitgliedern. Derzeit zählt die ÖAW rund 600 Mitglieder. Die Mitglieder der ÖAW repräsentieren eine „Gesellschaft von hochqualifizierten Forscherinnen und Forschern aus dem In- und Ausland“, ist auf der Homepage der ÖAW zu lesen. Die wirklichen Mitglieder der ÖAW bilden im Rahmen der Gesamtsitzungen das oberste Entscheidungsgremium der ÖAW. Entscheidungen der ÖAW, u. a. in Bezug auf die Gründung neuer Akademieinstitute, der Leitung von Instituten oder auch dem Bau neuer Institute, werden in der Gesamtsitzung unter Beteiligung der wirklichen Mitglieder getroffen. Die korrespondierenden Mitglieder wirken in unterschiedlichen Kuratorien und Gremien, wie z.B. in Stipendien- und Preiskomitees, als Expertenpool mit.

 

„Erfolgreiche Forschung zeichnet sich zunehmend durch die Verfolgung von Schwerpunktthemen und die Vernetzung über interdisziplinäre Schwerpunkt- und Zentrenbildung aus. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften geht diesen vorbildlichen Weg und trägt so zur Vernetzung und Internationalisierung der österreichischen und auch der Innsbrucker Forschung auf höchstem Niveau bei“, erklärt Rektor Manfried Gantner die Bedeutung der ÖAW für die Österreichische Forschung und somit für die Universitäten: „Deshalb freut es mich umso mehr, dass die Forschenden der LFU Innsbruck hoch willkommen sind im Kreise dieser Exzellenz“.

 

Der Meister der kalten Atome

Zum wirklichen Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wurde vergangene Woche Prof. Rudolf Grimm gewählt. Der seit dem Jahr 2000 an der LFU Innsbruck tätige Experimentalphysiker hat sich mit seinen Forschungen zu ultrakalten Atomen und Molekülen international einen Namen gemacht. Im Jahre 2002 gelang der Arbeitsgruppe um Prof. Grimm die weltweit erste Erzeugung eines Bose-Einstein-Kondensats aus Cäsium-Atomen. Im Jahr darauf erzeugte das Team erstmals ein Bose-Einstein-Kondensat aus Molekülen. Die Forschergruppe um Rudolf Grimm untersucht auch Möglichkeiten zur Steuerung der Wechselwirkung in Quantengasen und befasst sich mit Fragen der Superfluidität in ultrakalten Teilchensystemen. Indizien für die reibungsfreie Strömung von Teilchen in einem Fermi-Kondensat konnte Grimm 2004 erstmals finden, als er die ultrakalte Quantenwolke durch Radiowellen untersuchte. Inzwischen sind die Innsbrucker Forscher in der Lage, auch komplexe Moleküle aus Bose-Einstein-Kondensaten herzustellen. Fast nebenbei konnte die Gruppe um Grimm vor kurzem auch ein altes Rätsel der Physik lösen: Im März berichtete die Zeitschrift Nature über die erste experimentelle Beobachtung von Efimov-Zuständen, jenen geheimnisvollen Quantenzuständen, die der Russe Vitali Efimov vor über 35 Jahren theoretisch vorhergesagt hatte. Seit 2003 ist Prof. Grimm einer der wissenschaftlichen Direktoren am neu gegründeten Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). Im Vorjahr wurde ihm der Wittgenstein-Preis, die höchste österreichische Auszeichnung für Wissenschaftler, zuerkannt.

 

Das goldene Zeitalter der Astrophysik

Prof. Sabine Schindler – erstes weibliches korrespondierendes Mitglied der ÖAW aus Tirol – ist seit vier Jahren Leiterin des Instituts für Astro- und Teilchenphysik der LFU Innsbruck. Gemeinsam mit ihrem Team analysiert sie Galaxienhaufen und erforscht die Entstehung des Universums. „Unser Institut hat sich international etabliert und die Entwicklung verläuft sehr gut. Die Astrophysik erlebt derzeit ein goldenes Zeitalter und davon profitieren wir auch hier“, legt Prof. Schindler den internationalen Stellenwert der Astrophysik dar. Zu ihrer Wahl als korrespondierendes Mitglied in die ÖAW meint sie: „Als Astrophysikerin bin ich in der Grundlagenforschung tätig. Ich bin sehr froh, dass Akademie und Universitäten Hand in Hand arbeiten, um diese Grundlagenforschung zu fördern."

 

Sabine Schindler wurde am 24. März 1961 in Erlangen geboren. Sie studierte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Ihre beruflichen Stationen waren u.a. das Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching und die Liverpool Hohn Moores University. Seit 2002 ist sie ordentliche Professorin an der LFU Innsbruck. Neben der Leitung des Instituts für Astro- und Teilchenphysik ist sie Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Astronomie und Astrophysik sowie Vorstandsmitglied der European Astronomical Society.