2. Österreichischer PhilosophInnen-Tag in Salzburg

Zum zweiten Mal lud die Österreichische Gesellschaft für Philosophie (ÖGP) kürzlich zum Österreichischen PhilosophInnen-Tag in Salzburg, die speziell der Nachwuchsförderung gewidmet ist.
Prof. Andreas Kemmerling (Heidelberg) verfolgt einen Dissertantenvortrag.
Bild: Prof. Andreas Kemmerling (Heidelberg) verfolgt einen Dissertantenvortrag.

Das Konzept des österreichweiten DoktorandInnen-Seminars ist zweiteilig: am Freitag findet ein vierstündiges Intensivseminar mit einem erstrangigen Spezialisten sowie ein Abendvortrag statt, und am Samstag ist Gelegenheit, das eigene Dissertationsprojekt der kritischen Diskussion auszusetzen. „Es ist gelungen, mit Prof. Andreas Kemmerling (Heidelberg) einen hervorragenden Kenner der Sprachphilosophie, aber auch im Speziellen der Philosophie Ludwig Wittgensteins zu gewinnen – so ergab sich eine Themenstellung, die ideal im Schnittpunkt von Sprachphilosophie und Philosophiegeschichte angesiedelt ist, und die auch einige Österreich-Bezüge hat“ freut sich Prof. Winfried Löffler vom Institut für Christliche Philosophie der LFU Innsbruck, der mit der wissenschaftlichen Organisation betraut war.

Moores Paradox

Das Problem, das Kemmerling zum Ausgang seines überaus kurzweiligen interaktiven Seminars nahm, ist als „Moores Paradox“ bekannt: „Es regnet, aber er glaubt es nicht“ ist ein sinnvoller und vielleicht sogar wahrer Satz, während man „es regnet, aber ich glaube es nicht“ nicht einmal sinnvoll behaupten kann. Das ist kurios, denn der Satzinhalt bleibt ja anscheinend derselbe. Warum genau kann man letzteres nicht behaupten? Und gibt es folglich Wahrheiten, die dem jeweiligen Sprecher quasi „unzugänglich“ sind? Wittgenstein hat darüber mit dem englischen Philosophen G.E. Moore diskutiert, Spuren davon finden sich u.a. in Teil II-x der Philosophischen Untersuchungen. Kemmerling schlug den SeminarteilnehmerInnen eine Schneise durch diese notorisch schwierigen Texte. Er zeigte, wie Wittgensteins Behandlung des Moore-Paradoxes Aufschlüsse über seine Auffassung vom menschlichen Geist überhaupt gibt. Manche der Texte nehmen Kritikpunkte an modernen Computermodellen des Geistes vorweg, denen Wittgenstein sicher nicht zugestimmt hätte.

Drei der sieben Projektvorstellungen am Samstag stammten von Innsbrucker Studierenden: Dr. Joseph Wang und Mag. Stjepan Radic (Christliche Philosophie) sowie Mag. Florian-Michael Horvath (Philosophie). Die Vortragsthemen waren dabei weit gespannt: Von Kriterien für die medizinethisch heikle Abgrenzung zwischen Töten und Sterbenlassen (Wang) über die Möglichkeiten und Grenzen der neuerdings wieder stärker vertretenen neo-aristotelischen Ethikbegründungen (Radic) bis zur Frage der Berechenbarkeit des menschlichen Geistes (Horvath).

 

Im Juni 2007 wird die ÖGP in Graz den 8.Internationalen ÖGP-Kongress ausrichten, der nächste PhilosophInnentag wird 2008 voraussichtlich wieder in Salzburg stattfinden.

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