Spritzbeton als Brandschutzmethode im längsten Eisenbahntunnel der Welt

Vergangene Woche trafen sich über 250 Fachleute zur 8. Internationalen Fachtagung Spritzbeton - Technologie im Congress Centrum Alpbach, um neueste Erkenntnisse auszutauschen. Gastgeber war das Institut für Konstruktion und Materialwissenschaften, Vorstand Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jürgen Feix, der Fakultät für Bauingenieurwissenschaften der LFU Innsbruck.
Spritzbeton als innovative Technik im Tunnelbau.
Bild: Spritzbeton als innovative Technik im Tunnelbau.

Beton, den man statt zu gießen am Ende der Förderstrecke durch Spritzen aufträgt, nennt man Spritzbeton. Spritzbeton wird auf vielen Baustellen der neuen Unterinntalbahn in Tirol eingesetzt, um die Tunnels zu sichern. Auch beim Bau des Brenner Basistunnels wird er ein unverzichtbares Werkzeug der Mineure sein. Daneben wird Spritzbeton auch zur Ertüchtigung vieler in die Jahre gekommener Betonbauten erfolgreich eingesetzt.

 

Zwei Tage lang haben internationale Experten aus der Praxis der Spritzbetontechnologie berichtet. Tagungsleiter war der bekannte Spritzbetonexperte Prof. Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Kusterle. Ein Schwerpunkt der diesjährigen Tagung war der Einsatz spezieller Spritzbetone als Schutzschicht im Brandfall. Damit können Tunnels bedeutend länger Bränden widerstehen, sollte eine solche Beanspruchung, wie beim Brand im Tauerntunnel oder in Kaprun, auftreten. Erste Einsätze erfolgen bereits im Lainzer Tunnel, der neuen Westeinfahrt der Bahn nach Wien. Die Synergieeffekte zwischen der Bauwirtschaft und der Fakultät für Bauingenieurwissenschaften funktionieren in diesem Spezialgebiet hervorragend: Zahlreiche Diplomarbeiten und Dissertationen haben mit ihren Lösungsvorschlägen in der Praxis bereits ihre Richtigkeit beweisen können.

 

Besondere Beachtung fanden die zwei Präsentationen zum Ausbau der Bahnachse Berlin – Palermo als Teil eines europäischen Projektes des Schienenausbaus der transeuropäischen Netze. Teile dieser Strecke sind schon in Betrieb genommen, der Teil Nürnberg - Ingolstadt geht zur Fußballweltmeisterschaft in Betrieb, der Bau der Brücke nach Sizilien steht am Beginn.

 

Längster Eisenbahntunnel der Welt

Ing. Christian Nemec präsentierte den Planungsstand für den Brenner- Basistunnel. Dieser ist die logische Fortsetzung der Unterinntalbahn. Beim „Sautrog“ bei Baumkirchen werden die Züge künftig in den Inntaltunnel einfahren und im Tunnel in den Basistunnel abzweigen. Personenzüge werden südlich vom Innsbrucker Bahnhof in den Basistunnel gelangen und in Südtirol wieder ans Tageslicht rollen. Die Voruntersuchungen für den zukünftig längsten Eisenbahntunnel der Welt sind fast abgeschlossen. Noch heuer wird mit den ersten Erkundungsstollen begonnen, die später die zwei Röhren als Versorgungsstollen begleiten werden.

Schonung der Umwelt und Rücksichtnahme auf Anrainer

BEG- Geschäftsführer Dipl.-Ing. Johann Herdina berichtete über den Stand der Bauarbeiten an der Unterinntaltrasse. Diese für Tirol enorm wichtige Entlastung des Unterinntals - durch diesen Ausbau wird der Ost-West und Nord- Südverkehr in diesem Bereich umweltschonend aufgenommen werden können – stellt eine große technische Herausforderung dar. So laufen 32 km der etwa 40 km langen Strecke in Tunnels, Galerien oder Unterflurtrassen, durch die die Züge bis zu 250 km/h schnell fahren werden. Dipl.-Ing. Herdina berichtete über die eingesetzten Bau- und Spritzverfahren mit deren Hilfe sich die Vortriebsmannschaften durch den Berg graben. Die dabei notwendigen technischen Meisterleistungen laufen unter größtmöglicher Schonung der Umwelt und der Anrainer ab.

 

In weiteren Vorträgen wurde über den Gotthard Basistunnel berichtet, eine weitere Alpentransversale als Flachbahn durch die Schweizer Alpen. Dort befindet man sich unter teilweise sehr schwierigen Bedingungen an mehreren Angriffspunkten schon weit im Berg.

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