Lebenslange elektronische Gesundheitsakte

Das Projekt health@net will die konventionelle Befundanforderung der ärztlichen Praxis revolutionieren und digitalisieren. Die Vorteile elektronischer Medien werden einfach und kostengünstig genutzt. Das online-Portal für den Befundversand ist bereits erfolgreich online. Die Forschungsgruppe Quality Engineering rund um Prof. Ruth Breu ist Projektpartner.
Digitale Befundanforderung revolutioniert Gesundheitswesen.
Bild: Digitale Befundanforderung revolutioniert Gesundheitswesen.

Vermutlich kennt jeder, der einmal in großen zentralen Krankenhäusern oder Kliniken als Patient in Behandlung war folgende Situation: Die Übermittlung der Befunde nach der Entlassung an den jeweiligen Hausarzt oder an ein peripheres Spital, dauert lange, mitunter zu lange, weil sie üblicherweise noch immer auf dem postalischem Weg erfolgt. Gar nicht zu reden von der oftmals noch zeitaufwändigeren Übersendung von digitalem Bildmaterial, wie Röntgen-, CT- oder MR-Aufnahmen. Die konventionelle Befundanforderung und Übermittlung auf Papierbasis und am Postweg kostet Zeit und Geld und ist zugleich ineffizient.

 

Forschungskooperation zum Wohle der Gesellschaft

Vor diesem Hintergrund führen über Initiative des Tiroler Kompetenzzentrums für Medizininformatik/HITT die Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik Tirol/UMIT, die landeseigene Krankenhausholding/TILAK, die Leopold-Franzens Universität Innsbruck und Medizinische Universität Innsbruck gemeinsam das Forschungsprojekt health@net durch. Das Ziel: Die Vorteile der neuen elektronischen Medien bei gleichzeitiger Sicherung des Datenschutzes einfach und kostengünstig zu nutzen.

 

Nach einer ersten Phase, in der ein derzeit bereits erfolgreich eingesetztes Online-Portal für den Befundversand vom Krankenhaus zu den niedergelassenen Ärzten entwickelt wurde, ist der Schwerpunkt von health@net nunmehr die für Ärzte und Patienten gleichermaßen abrufbare elektronische Patientenakte. Die Vision dabei ist die lebenslange elektronische Gesundheitsakte.

 

Die elektronische Patientenakte für Jedermann

 

In Zukunft soll nicht nur der behandelnde Mediziner, sondern auch der interessierte Patient direkten Zugang zu seinem Patientenakt erhalten. Die Vorbereitungen für eine solche möglichst rasche Ausweitung des derzeit noch auf die Ärzteschaft (im In- und Ausland) beschränkten Internet-Befund-Zuganges auch für Patienten sind bereits im Laufen.

 

Das health@net-Team beschäftigt sich derzeit vor allem mit der Klärung von datenschutz- und sicherheitsrelevanten Fragen in Hinblick auf die beabsichtigte weitere Öffnung des digitalen Patientenaktes für die BürgerInnen. Eine „Schlüsselrolle“ wird dabei auch der E-Card zukommen. Registrierten und damit berechtigten Nutzern des health@net-Gesundheitsportals wird bei entsprechender Authentifizierung und Autorisierung sozusagen ihr höchst-persönliches Recht auf den eigenen, digitalen und jeweils aktuellen Patientenakt eingeräumt. Sie können diesen, wie derzeit die Ärzte, entsprechend abspeichern, vervielfältigen bzw. etwa bei Wohnsitzwechsel oder Auslandsaufenthalten entsprechend mitführen, bzw. via Internet online abrufen.

 

Die entsprechenden Konzepte wurden bereits erarbeitet. Derzeit werden die notwendigen Entwicklungen durchgeführt und zwischen den Tiroler Landeskrankenanstalten und dem Wiener Krankenanstaltenverbund erstmals in der Praxis erprobt.

 

Die Forschungsgruppe Quality Engineering unter der Leitung von Prof. Dr. Ruth Breu, ist innerhalb von health@net zuständig für die Konzeption der Systemarchitektur und des Sicherheitskonzepts. „Die technische Umsetzung von Anforderungen wie dem 4-Augen-Prinzip und der Delegation von Rechten bieten für uns die Möglichkeit, die in der Theorie entwickelten Konzepte in der Praxis einzusetzen und weiterzuentwickeln“, freut sich Prof. Dr. Breu über die Möglichkeit. 

 

Zum Projekt

  • Projektpartner:

    Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik Tirol/UMIT (Projektleitung)
    Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH (TILAK),
    Medizinische Universität Innsbruck (I-MED),
    Leopold Franzens Universität Innsbruck (LFU),
    Health Information Technologies Tirol GmbH (HITT)

  • Laufzeit: derzeit 2002 – 2006; geplantes Verlängerungsprojekt bis 2009
  • Projektmitarbeiter: 10 (headcount)
  • health@net Befundportal: www.healthnet.or.at
  • Projektinfos: http://healthnet.umit.at