Von der goldenen Brücke zu teuren Hochwasserschäden

Gestern Abend fanden zwei Vorträge der Baufakultät statt. Prof. Ekkehard Ramm vom Institut für Baustatik der Universität Stuttgart referierte zum Thema „Die Golden Gate-Bridge in San Francisco – von den Anfängen bis heute“. Anschließend informierte Dr. Ing. Wolfgang Kron von der Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft AG über „Hochwasserschäden aus der Sicht der Versicherer“.
Hochwassreschäden wie jene am Bild werden immer teurer.
Bild: Hochwassreschäden wie jene am Bild werden immer teurer.

Gemeinsame Veranstalter der beiden Vorträge sind das Institut für Baustatik, Festigkeitslehre und Tragwerkslehre, das Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege sowie die Plattform Wasserbau (PWI), alle von der LFU Innsbruck.

 

Die zwei Vorträge stellten die erste gemeinsame öffentliche Veranstaltung der neuen Institute der Baufakultät der LFU Innsbruck dar.

 

Die Goldene Brücke San Franciscos

Die Golden Gate Brücke ist nicht nur ein hervorragendes Beispiel für ein großartiges Ingenieurbauwerk, sondern sie hat auch eine bewegte Entstehungs- und Lebensgeschichte. Der Vortrag schilderte die Entwicklung der Brücke von den ersten Gedanken um 1870, den ersten Entwürfen 1920 bis hin zu ihrer hart umkämpften Durchsetzung in den zwanziger Jahren und dem endgültigen Entwurf 1930. Hierbei ist die nicht immer unumstrittene Rolle des Chefingenieurs Joseph B. Strauss von großer Bedeutung. Die Konstruktion und Bauausführung (1933 - 1937) der lange Zeit größten Hängebrücke der Welt wurde ausführlich behandelt.

 

Schwerpunkte des Vortrages waren das Wind- und Erdbebenverhalten, Reparatur- und Versteifungsmaßnahmen und Überlegungen zur Ergänzung der Brücke durch ein weiteres Eisenbahndeck.

 

Flußauen als billiges Bauland erweisen sich immer häufiger als „teurer Spaß“

Überschwemmungsschäden wurden in der letzten Dekade immer häufiger. Diese Zunahme ist zwar hauptsächlich der immer größer werdenden Zahl von Wohngebäuden in exponierten Gebieten und der Anhäufung von Werten darin zuzuschreiben, doch kann die voranschreitende Klimaänderung bereits für einen Teil dieses Anstiegs verantwortlich gemacht werden.

 

„Flußauen sind in der Regel attraktives, einfach zu nutzendes und billiges Bauland, das gute Voraussetzungen für die Infrastruktur bietet“, erklärte Dr. Kron: „Der Bedarf an billigem Bauland, die intensive Landnutzung sowie die Bevölkerungszunahme führen zu einer vermehrten Besiedelung von Gebieten, die von Überschwemmungen bedroht werden. Dies führt zu einem erhöhten Schadenspotential“. Noch nie zuvor hatten die Menschen so viel, so wertvollen und so schadenanfälligen Besitz wie heute. Oft vergessen die in der Nähe von Fließgewässern Wohnenden das Hochwasserrisiko nach recht kurzer Zeit, zumal Hochwasserschutzanlagen wie Deiche Überschwemmungen zu eher seltenen Ereignissen machen. Wenn es dann doch zu Überflutungen kommt, treffen sie auf ein hohes Schadenpotential.

 

Extreme Ereignisse treten in Zukunft öfter auf und werden teurer

Fast überall verkürzen sich die Wiederkehrperioden von Unwettern und Überschwemmungen. Der mit der globalen Klimaänderung verbundene Temperaturanstieg von ca. 0,7 °C im vergangenen Jahrhundert ist aber erst der Beginn einer wirklich bedrohlichen Entwicklung, bei der die Temperatur im 21. Jahrhundert um bis zu 6 °C ansteigen könnte. Die Wasserwirtschaft wird bei ihren Bemessungen berücksichtigen müssen, dass extreme Ereignisse in Zukunft öfter eintreten bzw. teurer werden. Volkswirtschaften und Versicherungswirtschaft werden sich darauf einzustellen haben, dass häufiger und höhere Schäden auf sie zukommen.

 

Je extremer das Wetter wird, desto mehr Bedeutung kommt der Katastrophenvorsorge zu. Vorsorge ist nicht billig, aber die eingetretene Katastrophe kostet immer ein Vielfaches. Das Problem ist, dass die Vorsorge flächendeckend durchgeführt werden muss, während die Hilfe und der Wiederaufbau sich nur der betroffenen Region zu widmen braucht. „Die Hochwasserschäden der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass nur ein Bruchteil der verursachten Schäden versichert war“, belegte Dr. Kron mit Beispielen wie dem Hochwasser des Jahres 2002. Österreich wies eine Schadenssumme von 3 Milliarden Euro auf, nur 0,4 Milliarden Euro davon waren versichert.

 

Risikopartnerschaft aus Staat, Betroffenen und Versicherungswirtschaft

„Eine erfolgreiche Schadenvermeidung und ein effizientes Risikomanagement sind nur durch das Zusammenwirken von Staat, Betroffenen und Versicherungswirtschaft in Form einer Risikopartnerschaft erreichbar“, charakterisierte Kron ein erfolgreiches Risikomanagement. Das Gefahren- und Risikobewusstsein aufrecht zu erhalten ist von entscheidender Bedeutung. Dies ist einerseits ein wichtiger Aspekt bei der Frühwarnung, andererseits Voraussetzung für eine sinnvolle Landnutzung sowie Grundlage für eine effiziente Risiko- und Schadenreduktion.

 

Niemals 100-prozentiger Schutz

Klar ist auch, dass technische Schutzmaßnahmen nicht gleichzeitig überall durchführbar sind und dort, wo sie erfolgt sind, kein hundertprozentiger Schutz besteht. Das Restrisiko sollte speziell im Hinblick auf die Existenzsicherung durch finanzielle Risikovorsorge gemindert werden. Versicherer leisten neben der rein finanziellen Entschädigung auch einen wichtigen Beitrag bei der Information und Bewusstseinsbildung von Bevölkerung und Entscheidungsträgern, bieten Anreize zur Mitwirkung bei der Schadenreduktion und beziehen damit alle Betroffenen ein. „Hochwasser- und andere wetterbedingte Katastrophen lassen sich nicht vollständig verhindern; wenn wir aber lernen, richtig mit dem bestehenden Risiko umzugehen, lässt sich viel Schaden und Leid vermeiden“, appellierte Wolfgang Kron.