Internationale Palynologen, Paläoklimatologen und Archäobotaniker tagen in Innsbruck

Vom 21. bis 24. Oktober 2005 fand am Institut für Botanik der Universität Innsbruck die Tagung der deutschen Reinhold-Tüxen-Gesellschaft statt, an der mehr als 60 Fachleute aus Österreich, Deutschland, Polen und der Schweiz teilnahmen.
v.l. Prof. Klaus Oeggl und Prof. Sigmar Bortenschlager.
Bild: v.l. Prof. Klaus Oeggl und Prof. Sigmar Bortenschlager.

Dabei wurden neuste Erkenntnisse zur Rekonstruktion von spätquartärer Flora, Vegetation, Klima und prähistorischer Aktivitäten des Menschen mit Hilfe von Blütenstaub (Pollen) und Pflanzengrossresten aus Moor- und Seeablagerungen präsentiert und diskutiert. Von besonderem Interesse für Tirol waren dabei neue Erkenntnisse zur Bedeutung des Eismannes ´Ötzi´ für die Archäobotanik des Alpenraumes sowie weltweit einmalige Ergebnisse zur prähistorischen Lawinengeschichte im Zillertal.

 

40 Jahre Forschungswerk

 

Im Rahmen der Tagung wurde am Samstag dem 22. Oktober das mehr als 40-jährige Forschungswerk von Prof. Sigmar Bortenschlager, Pollenanalytiker und Pflanzensystematiker am Institut für Botanik, mittels einer Festschrift zu seinem 65. Geburtstag geehrt. Diese in der renommierten Fachzeitschrift „Vegetation History and Archaeobotany“ vom Springer Verlag herausgegebene Festschrift umfasst dabei Beiträge von neunzehn national und international tätigen KollegInnen des Jubilars aus unterschiedlichen Gebieten wie Arktische Getreidegrenze, Paläoethnobotanik von Alpenampfer, pollenanalytischer Nachweis von prähistorischem Honiggebrauch und der Metherstellung, frühneolithische Landwirtschaft in Spanien, Grassreste im Zusammenhang mit dem Eismann, Mageninhalt des jungsteinzeitlichen Eismannes, Zirbenwachstumsbeeinflussung durch neuzeitlichen Klimawandel, sowie holozäne Waldgrenzschwankungen im Kaunertal. Alle diese Texte spiegeln das langjährige, breite Betätigungsfeld von Prof. Bortenschlager exemplarisch wider.

 

Die holozäne Waldgrenzschwankungen im Kaunertal, die auch während der Tagung einen ausgiebig Fokus darstellte, zeigt heute klar, dass die Tiroler Natur- und Kulturlandschaft, wie wir sie heute kennen, durch die Jahrtausende alten Interaktion zwischen Vegetation, Mensch, dessen Haustiere und den auch regelmäßig vorkommenden Klimaschwankungen entstand. Pollenanalytische und archäobotanische Grundlagenforschung bietet somit ein festes Rückgrad um auch zukünftige Vegetations- und Umweltveränderungen zu verstehen. Fazit der Veranstaltung war demzufolge, dass es die immer detaillierter und bis aufs Jahr genau datierten vegetationsgeschichtlichen Ergebnisse und die dazugehörigen Modelle heute erlauben den direkten und indirekten Einfluss eines zukünftigen Klimawandels und die damit möglicherweise verbundenen Naturgefahrenpotentiale immer besser zu erfassen und zu quantifizieren.