Kinder als „männliche Entwicklungshelfer“

Vor kurzem fand im Innsbrucker Haus der Begegnung der 2. Internationale Elternbildungskongress zum Thema „Sag mir, wo die Väter sind…?“ statt. Eltern und Fachleute aus ganz Österreich, aus Süddeutschland und der Schweiz diskutierten Konzepte und Ideen, wie man auch Männer besser in Elternbildungsinitiativen einbinden könnte. Hauptinitiatoren dieser Veranstaltung sind MitarbeiterInnen und AbsolventInnen des Instituts für Erziehungswissenschaften.
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„Elternbildung wird in immer komplizierter werdenden Verhältnissen eine immer wichtigere Aufgabe, auch für die Pädagogik. Sie darf aber nicht zur fast ausschließlichen „Mütterbildung“ verkommen, weil der Vater nun einmal die zweite Hälfte der Eltern darstellt, eine Hälfte, die lange Zeit in ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Kinder vernachlässigt wurde“, so Prof. Josef Christian Aigner vom Institut für Erziehungswissenschaften.

Hauptreferent Prof. Dr. Paul M. Zulehner von der Universität Wien kritisierte in seinem Vortrag „Ohne Kinder werden wir Barbaren“ die Geringschätzung von Kindheit in unserer Gesellschaft (Stichwort: „Kinder stören“). Eine Gesellschaft „erwachsener Ichlinge“ steuere auf eine „kinder-lose“ Gesellschaft zu. Besonders die männliche Rolle des „Berufsmanns“ stünde mit kindgemäßen Lebensweisen in Widerspruch (Stichwort: „brutal im Betrieb – sozial im Pfarrgemeinderat“!); Kinder könnten im Bereich des Zusammenlebens deshalb „männliche Entwicklungshelfer“ sein. Dazu forderte der Theologe aber auch mehr Bereitschaft seitens der Politik und der Wirtschaft, Väter in ihren Bemühungen um ihre Kinder mehr zu unterstützen!

Der ebenfalls von der Universität Wien stammende Psychologe Dr. Harald Werneck zeigte die psychischen Veränderungen von Männern während des Vaterwerdens auf: schon die Zeit vor der Geburt sei für Väter wichtig, um an Kindern orientierte Einstellungen zu erwerben. Besonders zu beachten seien auch Veränderungen der Partnerschaft, aus der sich Männer bei Ankunft eines Kindes oft an den Rand gedrängt fühlten. Elternbildung müsse deshalb auf diese beiden Themen besonders Rücksicht nehmen.

Praktische Zugangsweisen, wie man Väter besser erreiche schilderte der Leiter des „Väterzentrums Hamburg“ und Soziologe Volker Baisch, in seinem Referat: „vielfach arbeite der Sozialbereich an den Männern vorbei.“ Die Sprache („weiblich besetzter Psycho-Jargon“) und die Orte, an denen Väterbildung beworben würde, müssten auf Aufenthaltsorte und Lebensweisen von Männern (Sportvereine, männlich dominierte Engagements wie z.B. Feuerwehr, Baumärkte, Autohäuser etc.) Rücksicht nehmen. Vor allem aber die „betriebliche Väterbildung“ sei ein ganz wichtiger Zugang: große Betriebe wie VW hätten bereits erkannt, dass die sozialen Kompetenzen, die Männer im Zusammenleben mit Kindern erwerben, letztlich auch dem Unternehmen nützen.

Als Ausklang äußerte Prof. Dr. Aigner den Wunsch und die Zuversicht, beim nächsten Elternbildungskongress im Jahr 2007 auch in Tirol bereits eine speziell auf Väter orientierte Elternbildungsinitiative aus der Taufe gehoben zu haben. Der Veranstalter dieser österreichweit einmaligen Initiative zur Professionalisierung von Elternbildung war die Koordinationsstelle „Elternbildung Tirol“.