Interkulturelle Kontakte und Konflikte

Vergangene Woche fand die internationale Tagung „Burgund, Niederlande und Österreich (14.-16. Jh.): interkulturelle Kontakte und Konflikte“ des Europäischen Zentrums für Burgundstudien und des Instituts für Geschichte erstmals in Innsbruck statt. Rund 50 WissenschafterInnen nahmen teil.
v.l.: Prof. Heinrich Noflatscher (Institut für Geschichte), Baron Alexandre Paternotte de la Vaillée (Präsident des Centre européen), Vizebürgermeister Michael Bielowski, Vizerektor Tilmann Märk.
Bild: v.l.: Prof. Heinz Noflatscher (Institut für Geschichte), Baron Alexandre Paternotte de la Vaillée (Präsident des Centre européen), Vizebürgermeister Michael Bielowski und Vizerektor Tilmann Märk.

„Das "Centre européen d’études bourguignonnes" wurde vor mehr als 30 Jahren gegründet. Heute findet erstmals eine Jahrestagung dieses Zentrums hier in Innsbruck statt“, freut sich Vizerektor Tilmann Märk: „Es ist ein Zeichen der internationalen Anerkennung durch Ihr Fachgebiet, das Sie unserem renommierten Institut für Geschichte entgegenbringen“.

Starker Bezug zur Frankophonie

Die Tagung beschäftigte sich mit interkulturellen Kontakten und Konflikten in der Zeit vom 14. bis zum 16. Jahrhundert. Das Hauptaugenmerk richteten die WissenschafterInnen hier vor allem auf  Burgund, die Niederlande und Österreich sowie auf das Leben und Regieren Maximilians I. „Die LFU Innsbruck ist aus politischer wie auch aus aktueller Sicht ein besonders guter Tagungsort für Ihre Thematik“, erläutert Vizerektor Tilmann Märk: „Innsbruck war zu Zeiten Kaiser Maximilians seine wichtigste Residenzstadt – noch vor Wien.“ Den aktuellen Bezug sieht Vizerektor Märk in dem starken „Bezug der LFU zur Frankophonie. Die Universitätsleitung unterstützt diesen Bezug aktiv. Seit Jahren haben wir ein Kanadazentrum und erst kürzlich haben wir den Frankreich-Schwerpunkt eingeweiht. Wir pflegen Kontakte, Partnerschaften und Austauschprogramme auf allen Ebenen mit Luxemburg, den Niederlanden, Belgien und der Franche Comté.“

Der erste große Europäer

„Maximilian I. war der bedeutendste Bürger unserer Stadt“, erklärt Vizebürgermeister Dr. Michael Bielowski: „Er wurde als der erste große Europäer bezeichnet. An diese Tradition möchte die Stadt Innsbruck anknüpfen. Seit 1964 sind wir Europastadt.“ Auch Baron Alexandre Paternotte de la Vaillée, Präsident des Centre européen, ist von der außerordentlichen Bedeutung der burgundischen Geschichte für Europa überzeugt: „Dieses Treffen wird ohne Zweifel noch neue Aspekte für die Forschung hervorbringen, die äußerst wichtig für Europa sind.“

Maximilians Geschichte

Maximilian wurde in Wiener Neustadt als Sohn Kaiser Friedrichs III. geboren. 1477 heiratete er die Tochter Karls des Kühnen, Maria, Erbin von Burgund. Nach dem Tod seiner Frau fielen Maximilian und seinem Sohn Philipp dem Schönen die Niederlande und Franche-Comté zu, während Frankreich sich das eigentliche Burgund einverleibte. Philipp heiratete auf Betreiben Maximilians später die Infantin von Spanien, Johanna die Wahnsinnige. Damit begann der habsburgisch-französische Gegensatz, der die europäische Geschichte für die nächsten 250 Jahre prägen sollte.

1486 wurde Maximilian noch zu Lebzeiten seines Vaters zum Rex Romanorum gewählt. Nach dessen Tod trat er 1493 die alleinige Herrschaft an. Im folgenden Jahr marschierte der französische König in Italien ein. Dies hatte lang anhaltende Kriege in Italien zur Folge, die erst Maximilians Enkel Karl V. zu Gunsten der Habsburger-Dynastie entscheiden konnte.

1508 nahm Maximilian mit Zustimmung des Papstes, aber ohne Krönung in Rom, die Kaiserwürde an. Er nannte sich von da an "Erwählter Römischer Kaiser". Um Böhmen und Ungarn für Habsburg zu sichern, traf sich Maximilian 1515 mit den jagiellonischen Königen Wladislaw II. von Ungarn und Böhmen und Sigismund I. von Polen in Wien. Die dort arrangierten Hochzeiten brachten Habsburg ein Jahrzehnt später die Königswürde über Ungarn und Böhmen ein. Maximilians Nachfolger als Kaiser war sein Enkel Karl V., sein Sohn Philipp war bereits 1506 gestorben. Zur Erzieherin seiner Enkel und Regentin über die Niederlande hatte Maximilian I. seine Tochter Margarete von Österreich berufen, die dieser Aufgabe mit sicherem Instinkt nachkam.

Sein Grabmal in der Hofkirche in Innsbruck blieb unvollendet.