Frankreich-Tag 2009 in Innsbruck

Der Frankreich-Tag an der Universität Innsbruck fand heuer im Rahmen des „Forum des lecteurs“ statt, einer von der französischen Botschaft organisierten Weiter­bildungs­veranstaltung für alle universitären Französisch-Lektorinnen und -Lektoren in Österreich, die sich für ihr 20. Jubiläum nicht zufällig die Universität Innsbruck ausgesucht hatte.
Die Frankreich-Preisträgerin Dr. Carmen Konzett zwischen Rektor Prof. Dr. Karlheinz Töchterle und dem französischen Botschafter S.E. Philippe Carré
Bild: Die Frankreich-Preisträgerin Dr. Carmen Konzett zwischen Rektor Prof. Dr. Karlheinz Töchterle und dem französischen Botschafter S.E. Philippe Carré

Der französische Botschafter, S.E. Philippe Carré, und Rektor Karlheinz Töchterle betonten in ihren Reden die Bedeutung des seit 2002 an der Universität Innsbruck eingerichteten Frankreich-Schwerpunkts, in dem sich die besonderen Beziehungen zwischen Innsbruck und Frankreich im akademischen Bereich konkretisieren und der jedes Jahr eine Reihe von bedeutenden gemeinsamen Projekten und Veranstaltungen in allen Wissensdisziplinen fördert beziehungsweise selbst organisiert. Diese Breite spiegelt sich auch in den Themen der Arbeiten wider, die in diesem Jahr mit den Frankreichpreisen ausgezeichnet wurden. Moderiert wurde die Vergabe von Forschungsvizerektor Tilmann Märk.

 

Frankreichpreise 2009

In der Kategorie „Dissertation“ ging der Preis an Dr. Carmen Konzett für ihre Arbeit mit dem Titel „Identity Construction in Spoken Adademic Discourse. An Analysis of Discussions at Academic Conferences in French and English“. Prof. Dr. Eva Lavric, die Leiterin des Frankreich-Schwerpunkts und des Instituts für Romanistik, erklärte in ihrer Laudatio, warum sie trotz Bedenken bezüglich der Optik ihre eigene Dissertantin für den Preis einreichen musste: „Das Thema des Diskussionsverhaltens auf Tagungen ist für alle WissenschaftlerInnen, aber vor allem für den Nachwuchs, von hoher praktischer Relevanz; es war aber bis zu Carmen Konzetts Arbeit so gut wie gar nicht erforscht. In solchen Diskussionen begründen – oder verlieren –  ForscherInnen ihre Reputation, hier konstituiert sich die ‚scientific community’. Eine minutiöse Mikroanalyse der Verhaltensmuster, wie sie Carmen Konzett durchgeführt hat, kann Mechanismen beschreiben, die normalerweise unbewusst ablaufen, aber weitreichende Konsequenzen haben.“

 

Prof. Dr. Elmar Kornexl, der Leiter des Instituts für Sportwissenschaft, hielt die Laudatio für Mag. Elisabeth Wildbichler, die für ihrer Studie über „Sport Unterricht(en) in Europa. Ein kritischer Vergleich der Lehrpläne Österreichs und Frankreichs sowie eine Analyse der Problemfelder der Sportlehrer beider Länder“ den Preis in der Kategorie Diplomarbeit erhielt. Zu den erstaunlichen Ergebnissen dieser Arbeit zählen die wesentlich stärkere Strukturierung und Reglementierung des Sportunterrichts über die Lehrpläne in Frankreich, sowie die Klagen der französischen LehrerInnen über den Papierkram und die mangelnde Ausstattung der Turnsäle, während in Österreich die SportlehrerInnen vor allem unter der mangelnden Motivation der Halbwüchsigen und dem geringen Prestige im KollegInnenkreis leiden.

 

Den Festvortrag zum Frankreich-Tag hielt der Pariser Politologe Dr. Eddy Fougier zum Thema „Frankreich und Europa: Medien und öffentliche Meinung / La France face à l’Europe: les perceptions de l’opinion publique et des médias“. Er outete die Franzosen, oder jedenfalls einen großen Teil der öffentlichen Meinung in Frankreich, als eingefleischte Euro-Skeptiker, die ähnlich wie Österreich seinerzeit der Osterweiterung und derzeit dem Beitritt der Türkei mit sehr gemischten Gefühlen gegenüberstehen.

 

So hochkarätig das wissenschaftliche Programm dieses Frankreich-Tags auch war, so kamen doch der Humor und das Anekdotische nicht zu kurz, etwa wenn Prof. Lavric den Frankreich-Preis sehr schlüssig mit der goldenen Palme von Cannes verglich, wenn Rektor Töchterle von seinen Fahrten mit der legendären Straßenbahn Hall-Innsbruck ins Institut français berichtete oder wenn der ehemalige Sport-Dekan Kornexl bekannte, er sei als kleines Kind eher pummelig gewesen und daher zum Liebling der französischen Besatzung avanciert, was seiner Familie häufige Geschenke an Lebens- und Genussmitteln eingebracht habe.

(ip)