Förderungspreis für interdisziplinäre Forschung im Alpinen Raum

Die Forschungsplattform „Alpiner Raum – Mensch und Umwelt“ der Universität Innsbruck schreibt seit 2006 jährlich den Förderpreis für Interdisziplinäre Forschung aus. Der mit jeweils 1000 Euro dotierte Preis richtet sich an Studierende im Alpinen Raum und soll interdisziplinäre und transdiziplinäre Ansätze fördern.
Die Forschungsplattform „Alpiner Raum – Mensch und Umwelt“ der Universität Innsbruck schreibt seit 2006 jährlich den Förderpreis für Interdisziplinäre Forschung aus.
Bild: Die Forschungsplattform „Alpiner Raum – Mensch und Umwelt“ der Universität Innsbruck schreibt seit 2006 jährlich den Förderpreis für Interdisziplinäre Forschung aus.

Der Preis für das Jahr 2007 wurde Mag. Sigrid Wisthaler und Dr. Monika Summerer zuerkannt.

 

Die Preisträgerinnen

 

Mag. Sigrid Wisthaler: Karl Außerhofer - Das Kriegstagebuch eines Soldaten im Ersten Weltkrieg

Die Diplomarbeit von Frau Wisthaler reicht nicht nur umfangmäßig (254 Seiten), sondern vor allem in ihrem wissenschaftlichen Anspruch über durchschnittliche Arbeiten hinaus. Dies vor allem durch die Edition des Kriegstagebuches, die nicht nur die buchstabengetreue Transkription, das Original in Privatbesitz liegt handschriftlich in Kurrentschrift vor, sondern auch eine erläuternde inhaltliche Erschließung des Texte umfasst (Erläuterungen zu umgangssprachlichen bzw. dialektalen Ausdrücken, erklärungsbedüftige Begriffe, weitere Erläuterungen, Aufschlüsselung von Abkürzungen und heute nicht mehr gebräuchlichen Namen, Ausdrücken sowie militärischen Fachbegriffen).

Das Tagebuch umfasst zeitlich die Jahre 1914 bis 1918 und umfasst den Kriegseinsatz des Autors im Gebirgskrieg des Ersten Weltkrieges, im Pustertal sowie an der Südfront zu Italien.

Darin enthalten sind Themenblöcke zum Wetter, Landschaftsbeschreibungen, zu Essen/Freizeit, zu Kleidung/Hygiene/Unterkunft, zu Krankheit/Tod, zu Emotionen und Eigen- sowie Feindwahrnehmung, zu Familien, zur Zivilbevölkerung, zu Zukunftsperspektiven und Hoffnungen, zu Religiösem sowie zur Mannschaft und zum Dienstlichen.

Hervorzuheben ist der transdisziplinäre Ansatz. Die von der Gemeinde Sexten in Zusammenarbeit mit dem Verein Bellum Aquilarum organisierte Ausstellung „Der Erste Weltkrieg. Karl und Kaspar auf der Rotwand“ (24.2. bis 31.10.2007) stützt sich großteils auf die Ergebnisse dieser Diplomarbeit. Erklärtes Ziel des damit in Zusammenhang stehenden Projektes „Spuren unserer Geschichte“ ist die Erhaltung historischer Spuren des Ersten Weltkrieges auf der Rotwand in Sexten sowie der Aufbau eines Informationssystems für Besucherinnen und Besucher des Hochpustertales.

Die Diplomarbeit von Frau Wisthaler stellt nicht nur eine Pionierleistung innerhalb des Faches Geschichte dar, sondern reicht durch die Edition des Tagebuches über das Feld der Geschichte hinaus und schlägt Brücken zu anderen Disziplinen.

 

 

Dr. Monika Summerer: Testing alternative benefits in Symbiosis of Chlorella-bearing freshwater ciliates - an ecological and molecular approach

Intrazelluläre Symbiosen zwischen einzelligen Grünalgen, meist aus der Gattung Chlorella, mit verschiedenen heterotrophen Wirten wie Invertebraten und vor allem auch Ciliaten, sind seit mehr als 100 Jahren bekannt. Dennoch ist unser Wissen über die verschiedensten Aspekte derartiger Symbiosen wie Wirt/Symbionten-Spezifität oder welche Vorteile den Symbiose­partnern durch ihr Zusammenleben erwachsen, noch sehr spärlich. Dr. Monika Summerer hat sich dieser Problematik auf verschiedenen Ebenen angenommen.

Dr. Summerer legte eine methodisch vielseitige, sehr schöne Dissertationsarbeit vor, die interessante Erkenntnisse auf verschiedenen Gebieten der Ciliaten/Chlorella Symbiose gebracht hat.  Für ihre Untersuchungen hat Dr. Summerer eine Reihe von Ciliaten nebst Symbionten aus zwei Bergseen isoliert, von denen der auf 2.417 m gelegene Gossenköllesee  (GKS) einer deutlich höheren UV-Bestrahlung ausgesetzt ist als der auf 913 m gelegene Piburger See (PS). Durch phylogenetische Analysen von Teilen des ribosomalen RNA Gen-clusters konnte sie zeigen, dass verschiedene Ciliaten innerhalb eines Sees (PS) die gleichen Symbionten mit nur wenigen Unterschieden innerhalb der variablen ITS1-Sequenz beher­berg­ten, während einer dieser Ciliaten (Askenasia chlorelligera), der aus dem stärker UV-exponierten GKS isoliert worden war, einen Symbionten mit doch deutlich unterschiedlicher ITS1-Sequenz besaß. Unter Einbeziehung weiterer Sequenzen aus der Datenbank von Paramecium bursaria Symbionten zeigen ihre Stammbäume, dass alle unter­suchten Ciliaten-Symbionten in den Verwandtschafts­bereich um Chlorella vulgaris fallen, dass innerhalb eines Biotops verschiedene Ciliaten sich den gleichen Symbionten "teilen" können (Beispiel PS), und dass gleiche Ciliaten in verschiedenen Biotopen unterschiedliche Symbionten beherbergen können (Beispiel GKS). Im letzteren Fall, dem See mit hoher UV-Belastung kommt hinzu, dass Dr. Summerer aus der dort lebenden A. chlorelligera Mycosporin-ähnliche Aminosäuren (MAAs) über HPLC nachweisen konnte. MAAs schützen die Zelle vor den schädlichen Auswirkungen der UV-Strahlung und sind als natürlicher Sonnenschutz bekannt. In weiteren Arbeiten dazu, untersuchte Dr. Summerer, inwieweit die symbiontischen Algen ihren Wirten Schuz vor UV-Strahlung bieten können. Dabei zeigte sie zwei Möglichkeiten auf, die zu einer erhöhten UV-Resistenz der Wirtsciliaten führen können: zum Einen Selbstbeschattung der intrazellulären Symbionten, wobei sich dieser Effekt durch eine Änderung der Verteilung der Symbionten in ihrer Wirtszelle unter starker UV-Bestrah­lung deutlich erhöhte, und zum Anderen Bildung von MAAs durch die Chlorella-Symbionten.  

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