Innsbruck-Absolvent erhält Fulbright Prize 2006

Ende November wurde in Wien der Annual Fulbright Prize durch die Austrian Association for American Studies (AAAS) verliehen. Als einer der Preisträger ging Mag. Armin Erger, Absolvent der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck hervor.
Mag. Armin Erger
Bild: Mag. Armin Erger

Den Fulbright Prize for American Studies 2006 erhielt Armin Erger für seine Diplomarbeit „Revolution in Military Affairs: Mode of Warfare, Transformation und die US-amerikanische Debatte“, die er bei Univ.-Prof. Dr. Alan Scott an der Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie schrieb. Besonders macht die  Auszeichnung, dass erstmals eine Arbeit prämiert wurde, die nicht durch ein Mitglied eingereicht wurde.

 

Mag. Ergers Arbeit hat die so genannte „Revolution in Military Affairs“ (RMA) zum Thema: Verteidigungsanalysten auf der ganzen Welt, besonders aber in den USA gehen davon aus, dass es durch den Einzug der Elektronik in die Waffensysteme der modernen Armeen, die Kriegsführung revolutioniert worden wäre, sich gar die Natur des Krieges geändert hätte.Dies ist zunächst nur eine These. Eine These die seit Beginn der achtziger Jahre in den USA beträchtlich an Einfluss auf die Verteidigungspolitik gewonnen hat. Konservative Think-tanks wie das „Project for a New American Century“, besonders aber Andrew W. Marshall, der Direktor des geheimnisumwitterten „Office of Net Assessment“ im Pentagon trugen wesentlich dazu bei, die These der Revolution in Military Affairs zu einem der wesentlichen Bausteine US-amerikanischer  Verteidigungspolitik zu machen.

 

Der erste Golfkrieg von 1991 und die auf die Terrorattacken des 11. September 2001 folgenden Invasionen in Afghanistan und im Irak schienen zu bestätigen, was die Befürworter der RMA vorausgesagt hatten: sowohl die Taliban, als auch der Irak wurden innerhalb kürzester Zeit mit geringen Eigenverlusten geschlagen. Dadurch erklärt sich auch die politische „Attraktivität“ der neuen Kriegsführung: bewaffnete Interventionen können mit Präzisionswaffen aus großem Abstand geführt werden. Die Vermeidung eigener Verluste steht dabei an oberster Stelle. Krieg wurde dadurch als politisches Mittel re-legitimiert, das politische Risiko für die EntscheiderInnen deutlich gesenkt.

 

Doch, so Erger, die US-Militärs glaubten den Krieg gewonnen zu haben, bevor dieser überhaupt begonnen hatte. Denn der Krieg präsentiert sich heutzutage in anderer Form: die Revolution des Krieges besteht nicht in immer intelligenteren Waffensystemen und Informationsnetzwerken. Lokale Kriegsherren, terroristische Netzwerke, ethnisch gegliederte Milizen oder gewöhnliche Kriminelle sind zu den bestimmenden Akteuren in den Konflikten in den sogenannten „schwachen Staaten“ geworden. Erger greift dabei Mary Kaldos Begriff der „Neuen Kriege“ auf, um einen Zustand zu beschreiben, in dem sich die Unterscheidung zwischen Krieg und Frieden zunehmend verwischt und viele Akteure von den entsicherten Verhältnissen auch ökonomisch profitieren. Geführt von nicht-staatlichen Akteuren, sind diese innerstaatlichen Gewaltkonflikte das Produkt des Zusammenbruchs des Gewaltmonopols des Staates. Die milliardenteuren Rüstungsprojekte der westlichen Staaten bieten, so Erger, darauf keine Antwort: „Die komplexe Struktur und die multiplen globalen Verstrickungen der heutigen Kriegsführung machen es unwahrscheinlich, dass militärische High-Tech-Systeme das zu bieten haben, was die RMA-Befürworter von ihnen erwarten. Die Gefahr ist, dass die politischen Entscheidungsträger u.U. die falschen Schlussfolgerungen aus den sehr wenigen noch konventionell ausgetragenen Kriegen ziehen.“

 

Armin Ergers Diplomarbeit erschien unter dem Titel „Futurismus im Pentagon: Neue Kriegsformen – Revolution in Military Affairs“ in der von Anton Pelinka herausgegebenen Reihe „Studien zur politischen Wirklichkeit“. Der von der Amerikanischen Botschaft in Wien geförderte Annual Fulbright Prize in American Studies der AAAS wird jährlich für die besten Diplomarbeiten und Dissertationen im Bereich Amerikastudien vergeben.

 

Auszüge aus dem Vorwort von Prof. Dr. Anton Pelinka:

Armin Erger beschreibt und analysiert das neue Gesicht des Krieges und er konzentriert sich dabei auf die USA. Das ist vollkommen überzeugend – denn mit dem Ende des Kalten Krieges haben die USA gerade in militärischen Bereichen eine aus der Geschichte nicht bekannte Hegemonie erreicht. (...) Armin Ergers Buch ist keines, das moralische Empörung vermittelt -, sondern Einsichten, die als Grundlage ethischer Positionen dienen können.

 

Auszüge aus dem Vorwort von Prof. Dr. Martin Shaw (University of Sussex):

Erger’s work, based on a thorough and wide-ranging analysis of the official discourse, applies the critival insights of a social theory of war and militarism to the new warfare, and shows that it has a substantial history. With the benefit of his extensive research, readers can appreciate the full military-sociological roots of the new Western way of warfare that has helped to create new types of military crisis in the world of the twenty-first century.

 

Zur Person:

Armin Erger studierte Volkswirtschaft an der LFU Innsbruck. Während seiner Studienzeit arbeitete er beim Arbeitskreis Wissenschaft und Verantwortlichkeit (WUV) und führte Interviews mit namhaften Experten wie Martin van Creveld (Hebrew University, ISR), Martin Shaw (University of Sussex), Hubert Dreyfus (University of California, Berkeley). Armin Erger ist als Projektleiter für Wirtschafts- und Arbeitsforschung am Zukunftszentrum Tirol tätig.