Großer Ehrungstag 2006

Am Wochenende wurden im Rahmen des traditionellen, jährlichen Großen Ehrungstages der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (LFU) insgesamt neun Persönlichkeiten aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft ausgezeichnet.
v.l. Ehrensenator LR a.D. Ferdinand Eberle, Rektor Manfried Gantner und, Ehrensenatorin Bgm. Hilde Zach.
Bild: v.l. Ehrensenator LR a.D. Ferdinand Eberle, Rektor Manfried Gantner und, Ehrensenatorin Bgm. Hilde Zach.

Dem Ehrungstag geht ein umfangreiches Auswahlverfahren voraus. Die zahlreichen Ehrungsanträge werden in einer Beratungskommission der Universität auf der Grundlage von Gutachten diskutiert. Die Auswahlentscheidung trifft das Rektorat. „Wir wollen Vorbilder ehren und zeichnen Menschen aus, die an ihrem jeweiligen Ort viel mehr tun, als sie tun müssten. Menschen, die uns bei dem Anliegen, gesellschaftlich verantwortlich zu handeln, Leuchtturm und Kompass zugleich sind. Unsere Ausgezeichneten wurden auf Herz und Leistung geprüft und sie haben diesen Test mit Bravour bestanden. Es ist uns als Universität eine Ehre, dass diese herausragenden Persönlichkeiten von unserer Alma Mater diese Auszeichnung entgegennehmen und viel von ihrem Glanz auf unsere Universität zurückfällt“, führte Rektor Manfried Gantner in seinen Worten anlässlich des Festaktes aus.

 

Die Geehrten in der Übersicht:

 

Ehrenzeichen

 

Luigi Nicolussi Castellan : Als Bürgermeister von Lusérn und Präsident des Verbandes der Berggemeinden in der Provinz Trient gelang ihm die Anerkennung der deutschsprachigen Minderheiten in Trient. Als weitere Initiative gründete Castellan das „Komitee der deutschsprachigen Gemeinschaften der Provinz Trient“ und schaffte als Vorsitzender eine gesetzliche Grundlage für die finanzielle Förderung zum „Schutz der ethnischen Minderheiten im Trentino“.

 

Dr. Karlheinz Kolb : Als Repräsentant von Swarovski hat er zahlreiche Förderungen – vor allem für den wissenschaftlichen Nachwuchs der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – vermittelt. Seit mehreren Jahren ist Kolb bei Swarovski der zentrale Ansprechpartner der LFU Innsbruck für Forschungsfinanzierungen und verwaltet den „D. Swarovski – Leopold – Franzens – Universität Innsbruck Förderungsfonds“ mit.

 

Dr. Reinhard Schretter : Gemeinsam mit der Firma Schretter wurden zahlreiche richtungsweisende Projekte auf dem Gebiet der Beton-Zuschlagsstoffe und der mineralischen Baustoffe initiiert. Ein besonderer Stellenwert kommt der jährlichen Ausschreibung des „Schretter & Cie-Förderpreises“ für wissenschaftliche Arbeiten insbesondere Diplomarbeiten und Dissertationen zu. Als Interessensvertreter in der Bauindustrie hat sich Dr. Schretter besonders für die Universität und die Forschung eingesetzt.

 

Ehrenbürger

 

Prof. Dr. Günter Bischof: Der gebürtige Vorarlberger ist Leiter des Center Austria in New Orleans. Er wurde für seine Verdienste um die international ausgezeichnete Partnerschaft zwischen der University of New Orleans und der LFU Innsbruck sowie für seinen hohen persönlichen Einsatz bei der Flutkatastrophe durch den Hurrikane Katrina geehrt. Unter seiner Leitung wurden die Studierenden der LFU Innsbruck rechtzeitig evakuiert.

 

Dr. Ludwig Call : Als langjähriges Mitglied des Akademischen Senats sowie als Betriebsrat und Vorsitzender des Dienststellenausschusses wurde Call im Rahmen des Großen Ehrungstages zum Ehrenbürger der LFU Innsbruck ernannt. Sein unermüdlicher Einsatz galt der Vertretung von Einzelinteressen sowie dem Gesamtwohl aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Universität. Für seine Leistungen und Verdienste wurde Call 1998 mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.

 

EhrensenatorInnen

 

Ferdinand Eberle : Er hat als jüngster Bürgermeister und längstes Mitglied einer Landesregierung in Österreich maßgebliche Weichen in Tirol gestellt: Jahrhundertgesetze im Bereich des Grundverkehrs, den Nationalpark in Osttirol, den Pakt für Arbeit und Wirtschaft, die neuen Bahntrassen oder die Finanzierung des Gesundheitssystems.

 

Er hat das Potential und die Leistungsfähigkeit „seiner“ Landesuniversität früh erkannt. Seine Wirtschaftspolitik war in letzter Konsequenz vor allem auch eine Bildungs-, Ausbildungs- und Forschungspolitik. Im Zweifel für die Wirtschaft hieß für Eberle nicht: Im Zweifel für die Unternehmer, sondern für Unternehmensgründungen und für qualifizierte Arbeitsplätze mit einer hohen Wertschöpfung. Vor diesem Hintergrund – einer Politik mit Weitblick – hat der „Macher mit Herz und Augenmaß“ eine neue Form der Wirtschaftsförderung etabliert und zahlreiche Aktivitäten an der Universität ermöglicht.

 

  • Mit einer Startfinanzierung von über 120 Millionen Schilling über vier Jahre wurde im Herbst 2001 der Vertrag über die Einführung des ersten Informatikstudiums an der LFU abgeschlossen. Es war eine der erfolgreichsten Bildungsinitiativen in Tirol in den vergangenen Jahren.
  • Er stellte die für die Umsetzung des Management Center Innsbruck (MCI) erforderlichen 80 Millionen Schilling bereit. Dieser Beitrag war projektkritisch für die Bereitstellung der Bundesmittel für den Neubau der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.  
  • Eberle war auch für die Konzeption und Umsetzung einer neuen Strategie für die „Tiroler Zukunftsstiftung“ in der Regierung verantwortlich. Gemeinsam konnten in engster Zusammenarbeit mit der Universität, der Wirtschaft und der Verwaltung in den letzten Jahren sechs Kompetenzzentren für Tirol eingeworben werden.

 

Eberle ist neben LH DDr. Herwig van Staa und dem legendären Landeshauptmann Eduard Wallnöfer jener Politiker, der mit seinem entschlossenen und konsequenten Handeln für die ideelle und materielle Ausstattung der LFU Innsbruck am meisten beigetragen hat.

 

Hilde Zach : Es sind unverwechselbare Eigenschaften, die die erste Frau als Innsbrucker Bürgermeisterin auszeichnen: u.a. ihr unbändiges Engagement für die Stadt und die Universität, ihre Herzlichkeit und ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn.

 

Als Mitbegründerin der „Frau in der Wirtschaft“ und langjähriges Mitglied des Wirtschaftsbundes weiß sie um den Nutzen von Forschung und Entwicklung zur Sicherung des Wohlstandes der ihr anvertrauten Bürgerinnen und Bürger. Daher hat sie schon frühzeitig und nachhaltig im Interesse der Universität entscheidende Impulse gesetzt:

 

  • Neben der jährlichen Verleihung des Wissenschaftspreises der Stadt Innsbruck leistet die Landeshauptsstadt mit zehn Millionen Schilling einen weiteren wesentlichen Beitrag zur Grundausstattung des neuen Tiroler Wissenschaftsfonds zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
  • Beim Eigentümerwechsel der Universitätsgebäude vom Bund an die privatrechtlich organisierte Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und den damit fälligen Grundsteuerzahlungen für die Universitäten hat sich Bgm. Hilde Zach für eine Rückvergütung der Mittel für Zwecke der Forschung ausgesprochen.  
  • Sie hat auch einen wesentlichen Anteil an der Reaktivierung des ehemaligen Sudhauses der Adambräu zu einem „Haus der Architektur“.

 

Hilde Zach steht auch für das Streben nach einer geschlechtergerechten Welt. Sie hat gezeigt, wie es geht, wenn „Frau“ sich selber treu bleibt und hat mit ihrem Werdegang bereits Tiroler und - als erste Bürgermeisterin einer heimischen Landeshauptstadt – österreichische Geschichte geschrieben.

 

Ehrendoktorate

 

Univ.-Prof. Dr. Dr.hc.mult. Robert W. Grubbström : Er zählt zu den weltweit führenden Vertretern des Faches Production Economics (Produktionswirtschaft). Grubbström ist Verfasser, Ko-Autor und Herausgeber von 20 Büchern und über 200 wissenschaftlichen Aufsätzen in renommierten Fachzeitschriften.

 

Mit der LFU Innsbruck ist Grubbström eng verbunden: Seit 1981 veranstaltet er gemeinsam mit dem Institut für Unternehmensführung das International Working Seminar on Production Ecnomics, das alle zwei Jahre im Kongresszentrum Igls stattfindet und zu den wichtigsten Veranstaltungen weltweit auf diesem Gebiet zählt.

 

Dank seiner Persönlichkeit und seinem internationalen Renommee hat er wesentlich zur Entwicklung des Faches und damit auch zur Stärkung der internationalen Reputation der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät beigetragen.

 

Univ.-Prof. Dr. Dr.hc.mult. Helmut Schwarz : Das wissenschaftliche Werk des Chemikers Schwarz umfasst mehr als 800 Publikationen. Seine wichtigsten Entdeckungen fallen in den Bereich der organometallischen Chemie, wobei es um die Klärung der elementaren Reaktionen bis hin zur selektiven Bindungsaktivierung in der Übergangsmetallchemie geht und als Ziel die Herstellung von maßgeschneiderten Katalysatoren gilt.

 

Er war Gastprofessor an vielen renommierten Universitäten weltweit und wurde mit einer Vielzahl von höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen und Preisen geehrte. So lehrte er u.a. als Gastprofessor an der LFU Innsbruck und erhielt 2003 den Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik.

 

Unter den Festgästen waren u.a. Landtagspräsident Helmut Mader, Mag. Hannes Bodner, Landesrat für Wirtschaft sowie Dr. Oswald Mayr, Präsident der Industriellenvereinigung.