Theodor-Körner-Preis 2006

Mag. Peter Raunicher hat für sein Dissertationsvorhaben „Vertrauen als Komponente für erfolgreiche Veränderungsprozesse in Unternehmen“ den Theodor-Körner-Preis 2006 erhalten. Dieser Preis unterstützt junge WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen, die hervorragende Leistungen erbringen und von denen wichtige Beiträge für ihre jeweiligen Fachdisziplinen erwartet werden können.
Theodor-Körner-Preis 2006
Bild: Bundespräsident Dr. Heinz Fischer würdigt das Dissertationsprojekt von Mag. Peter Raunicher anlässlich der Verleihung des Theodor-Körner-Preises 2006

Nach Edzard Reuter (ehemals Vorstandsvorsitzender der Daimler Benz AG) ist Vertrauen das flüchtigste Kapital in der Wirtschaft. Zugleich gilt es aber als Schlüssel für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen. In Theorie wie in der Unternehmenspraxis wird Vertrauen in Organisationen üblicherweise als Ergebnis eines langfristig stabilen und sicheren Zustands in Organisationen und ihrer Umwelt gesehen. An diesen Befund knüpft die Arbeit von Peter Raunicher an und vertritt dabei die Gegenthese: Vertrauen wird hier als ein Phänomen diskutiert, das sich nicht auf einfache Weise herstellen lässt, sondern sich in Prozessen organisationaler Veränderung und Transformation einstellt.

 

Das Projekt zielt gleichermaßen auf Theorieentwicklung wie auf empirische Fundierung ab. So ist es ein Ziel des Projekts, den Begriff des Vertrauens vor dem Hintergrund organisationstheoretischer und sozialphilosophischer Ansätze präziser zu fassen und eine konzeptionelle Alternative zu den in der Managementforschung vorherrschenden Vertrauenskonzepten zu erarbeiten. Die empirische Fundierung erfolgt in Kooperation mit dem mittelständischen Tiroler Unternehmen STASTO Ing. Stocker KG. Durch teilnehmende Beobachtung, Interventionen und Tiefeninterviews mit der Geschäftsführung und einem Großteil der Belegschaft wird der Entwicklungsprozess im Unternehmen aufgenommen. Die Daten werden dann mittels GABEK, einem PC-unterstützten Verfahren zur Analyse, Verarbeitung und Darstellung von normalsprachlichen Texten analysiert. Durch die Anwendung der GABEK-Methode, die von em. Univ.-Prof. Dr. Josef Zelger, Institut für Philosophie der LFUI, entwickelt wurde, kann die Wissenskompetenz vieler Menschen systematisch erfasst und in sozialen Prozessen mitberücksichtigt werden. In einer vernetzten Darstellung wird dadurch ersichtlich, welche die zentralen Chancen und Probleme von Veränderungsprozessen und in welcher Weise sie mit dem Faktor Vertrauen zusammenhängen.

 

Das Projekt von Mag. Peter Raunicher ist nicht nur das zweite, das mit der GABEK-Methode arbeitet, und mit dem Theodor-Körner-Preis ausgezeichnet wurde;  es ist auch ein Musterbeispiel für die interdisziplinäre Zusammenarbeit im (beantragten) Forschungsschwerpunkt „Organisationsforschung“ der LFUI. Die kohärente Zusammenarbeit von VertreterInnen unterschiedlicher Disziplinen (Betriebswirtschaftslehre, Philosophie, Soziologie, Psychologie) unter dem gemeinsamen Fokus „Organisationsforschung“ steht im Zentrum dieses interdisziplinären Forschungsschwerpunkts – was sich auch im Projekt von Peter Raunicher als erfolgreich beweist.

 

Zur Person:

Mag. Peter Raunicher studierte Betriebswirtschaftslehre und Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck und an der Loughborough University. Im Rahmen seiner Diplomarbeit befasste sich Mag. Raunicher mit Krisenmanagement und untersuchte dabei inwieweit theoretische Konzepte für die Verhinderung und Bewältigung von Unternehmenskrisen weiterhelfen können. Seit 2005 ist er Doktorand am Institut für Organisation und Lernen und erarbeitet seine Dissertation unter Betreuung von o. Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Ekkehard Kappler und o. Univ.-Prof. Dr. Josef Zelger (Institut für Philosophie).