Biogas 4 Burkina

Mit dem Kooperationsvertrag zwischen der Université Polytechnique du Bobo Dioulasso und der Universität Innsbruck startet eine enge Zusammenarbeit mit dem westafrikanischen Land Burkina Faso. Das erste Projekt „Biogas 4 Burkina“ soll den Einsatz von erneuerbaren Energien als alternative Energieform im ländlichen Raum unterstützen.
Schulkinder im Dorf Sidi
Bild: Schulkinder im Dorf Sidi

Die rund 170 Kinder der Schule von Sidi, einem kleinen Dorf 50 Kilometer westlich von Bobo Dioulasso in Burkina Faso,  bekommen ein Essen pro Schultag. Dieses Mittagessen ist auch ein Grund, warum viele den langen Schulweg von bis zu zwei Stunden auf sich nehmen, und auch den langen Schultag, der von acht Uhr in der Früh bis fünf Uhr am Nachmittag dauert. Immerhin eine gesicherte Mahlzeit pro Tag, gekocht in der Schulküche bestehend aus einem überdachten Raum und einem gemauerten Herd, der mit Holz angeheizt wird. Das Holz wird von Frauen in mühevoller Kleinarbeit gesammelt, der Kauf von Holzkohle wäre zu teuer.

 

Sidi ist eines der Projektgebiete von Professor Chantal Kaboré-Zoungrana, Direktorin des Institut des Sciences de la Nature et de la Vie der Université Polytechnique du Bobo Dioulasso. Sie und ihr Team untersuchen dort schon seit  Jahren den Einfluss der Futterpflanzenqualität auf die tierische Produktion, um die Ernährungssituation der dortigen Bevölkerung zu verbessern.  Auf Initiative von Dr. Silvia Prock (Forschungskommunikation) und auf Einladung von Dr. Matthias Schennach, Leiter des Büros für Internationale Beziehungen, besuchte sie im Jahr 2006 die Universität Innsbruck und entwickelte gemeinsam mit Prof. Heribert Insam (Institut für Mikrobiologie) und Prof. Markus Schermer (Institut für Soziologie) das Projekt „Biogas 4 Burkina“.

 

Ziel des Projektes ist es, den Grundstein für eine breit angelegte Nutzung von Biogas in Burkina zu legen und dadurch zu einer Weiterentwicklung des ländlichen Raumes beizutragen.  Als erster Schritt der engeren Zusammenarbeit unterschrieben im Dezember letzten Jahres Präsident Hamidou Boly und Rektor Karlheinz Töchterle einen Kooperationsvertrag zwischen den beiden Universitäten, das vierte Partnerschaftsabkommen mit einer afrikanischen Universität.

 

In Sidi soll die erste Biogasanlage entstehen. Das Gas soll für die Schulküche verwendet werden, wodurch das mühevolle Sammeln von Holz entfallen würde.  Weiters ist geplant, das Gas für die Beleuchtung einer Abendschule zu verwenden. Diese Weiterbildungseinrichtung hat die Bevölkerung von Sidi vorgeschlagen, um die Analphabetenrate von 40% zu senken. Um das Know How für die Errichtung und Wartung der Biogasanlage weiterzugeben, hat Insam geplant, in Zusammenarbeit mit einer lokalen, technisch-orientierten Schule, dem  Lyceé Professionnel in Bobo Dioulasso, einen Lehrgang für Biogastechnologie einzurichten.

 

Der positive Einstieg über die Energieversorgung soll aber auch zu weiteren Aktivitäten zur Verbesserung der ländlichen Entwicklung führen. So kann das anfallende Restwasser nach der Vergärung für Düngung und Bewässerung verwendet werden. Dies ermöglicht die Anlage eines Gemüsegartens zur Versorgung der Schule. Die Université Polytechnique wird dort auch Versuchsflächen errichten, um verbesserte Anbaumethoden zu entwickeln.

 

Damit das Projekt gelingen kann, ist es wichtig, neben der Planung der technischen Umsetzung der Biogasanlage auch das sozio-ökonomische Umfeld zu berücksichtigen. Andreas Aschaber, ein Dissertant von Prof. Schermer, wird ab Mai sechs Wochen in Sidi verweilen, um  dort mit Hilfe einer „Social Multi-Criteria Evaluation“ und in enger Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und der Universität den soziologischen Hintergrund zu untersuchen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die neue Technologie auch von der Bevölkerung angenommen wird. Ermöglicht wird ihm der Aufenthalt durch ein Grant-Stipendium des Vizerektorats für Forschung. Die Untersuchungsergebnisse werden als Grundlage für die Planung und Errichtung der Biogasanlage im Herbst 2009 verwendet.

(sp)

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