Literatur = Französisch

Wie schon im Vorjahr luden auch heuer wieder Frankreich-Schwerpunkt, Kanadazentrum und Literaturhaus in Kooperation mit dem Institut français zu den „Frankophonen Begegnungen“ im März.
Lesen und zuhören: Nancy Huston, Klaus Rohrmoser
Bild: Lesen und zuhören: Nancy Huston, Klaus Rohrmoser

Dieser Einladung folgten Nancy Huston (Kanada/Frankreich), Jean Rouaud (Frankreich) und Kossi Efoui (Togo/Frankreich) – drei hochprämierte Autoren, die das zahlreich erschienene Publikum im Literaturhaus am 27.3.08 zu herzhaften, aber auch zu tief- und feinsinnigen Lachern hinrissen.

 

„Dass Humor und Tiefsinn sich nicht ausschließen, sondern eine Frage der Perspektive sind, diese Erkenntnis war das Verbindende zwischen den drei Autoren, die jeder einen ganz eigenen Blick auf die Wirklichkeit werfen. Auf so verschiedene Wirklichkeiten wie die Geschichte der eigenen Eltern, deren Tod und den eigenen Umgang damit – ja, auch so ein Thema kann man mit Leichtigkeit und naivem Charme abhandeln – aber nur, wenn man Jean Rouaud heißt („Sur la scène comme au ciel / Meine alten Geliebten“)“, so Eva Lavric, Leiterin des Frankreichschwerpunktes. Kossi Efoui beschäftigt sich mit der politischen und sozialen Realität Afrikas zwischen Bürgerkriegen, Flüchtlingsströmen und hilflos-komischen Versöhnungs-, Umerziehungs- und Normalisierungsversuchen, indem er der das Theater internationaler Friedensmissionen mit satirischer Verve decouvriert („Solo d’un revenant“). Nancy Huston präsentiert ein Dreivierteljahrhundert europäisch-amerikanischer Geschichte durch die Augen von vier jeweils sechsjährigen Kindern (vier Generationen einer Familie). „Es gelingt ihr mit diesem erzählerischen Trick, die Befindlichkeit einer Gesellschaft zu verschiedenen Zeitpunkten (2004, 1982, 1962, 1944) anhand dieses vierfachen vermeintlich naiven Blicks präzise und urkomisch auf den Punkt zu bringen („Lignes de faille / Ein winziger Makel“)“, so Lavric.

 

Die Lesungen waren zweisprachig, aber nicht in der Form, dass ein und derselbe Text zweimal vorgelesen wurde, sondern der Autor / die Autorin und sein / ihr deutschsprachiger Konterpart lasen in demselben Text, die Sprache wechselnd, immer weiter, während die jeweils andere Sprache als Videoprojektion mitlief. „Diese Praxis, wird man sich für ähnliche Gelegenheiten merken müssen“, war Eva Lavric begeistert.

 

Nachdem im Vorjahr aus Anlass des fünfjährigen Bestehens des Frankreich-Schwerpunkts vier hochkarätige Autoren vorgetragen hatten – Marie-Célie Agnant (Haiti/Québec) und Fatou Diome (Senegal/Strasbourg), Abdourahman A. Waberi (Djibouti/Caen) und Andrej Makine (Russland/Paris) –, war nach Makine mit Jean Rouaud nun schon zum zweiten Mal ein Träger des wichtigsten französischen Literaturpreises „Prix Goncourt“ in Innsbruck zu Gast.

 

„Man darf darauf gespannt sein, wen die vier Kooperationspartner (…eigentlich -innen) im nächsten Jahr im März an unsere Universität holen werden – und ist inzwischen mit dem reichhaltigen Werk von Huston, Rouaud und Efoui wohl noch eine Weile beschäftigt“, so Eva Lavric resümierend.

 

Text: Eva Lavric/ bearbeitet von Susanne Röck

 

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