Gad Lerner und das Problem der Identität(en)

Am vergangenen Freitag war auf gemeinsame Initiative der Hypo Tirol Bank und des Italien-Zentrums der Universität Innsbruck der renommierte italienische Journalist und Publizist Gad Lerner zu Gast und begeisterte das Publikum mit seinen scharfsinnigen und wortgewandten Reflexionen.
Vortragsabend Gad Lerner
Bild: v.l.: Dr. Günter Unterleitner (Vorstandsvorsitzender-Stellverteter der Hypo Tirol Bank), Dr. Barbara Tasser (Italienzentrum), Gad Lerner, Andreas Pfeifer (ORF Korrespondent Italien), Dott. Alberto Ceccarelli (Generalkonsul der Italienischen Republik in Innsbruck).

Gad Lerner, in Beirut geboren und in Italien aufgewachsen, begann seine journalistische Laufbahn im Jahr 1976. Er war Vizedirektor der Tageszeitung La Stampa und ist Kolumnist bei den Zeitungen La Repubblica und Il Corriere della Sera. Dem italienischen Publikum ist er vor allem durch seine Fernsehsendungen bei RAI und La7 bekannt. Bei letzterem moderiert er bereits die fünfte Ausgabe des wöchentlichen Programms “L’Infedele”, in welchem er mit kritischem Blick aktuelle Themen beleuchtet. 

 

Basierend auf seinem jüngsten Bestseller "Tu sei un bastardo. Contro l'abuso delle identità" („Du bist ein Bastard. Gegen den Missbrauch der Identität“) reflektierte der Autor das Konzept der Identität und seine Gefahren, falsch interpretiert zu werden. „Jeder von uns hat ein natürliches Bedürfnis, mit der eigenen Identität abzurechnen und in der eigenen Vergangenheit zu stöbern“, so Gad Lerner. Darin fließt die persönliche Erfahrung des Journalisten ein: geboren in einer hebräischen Familie im Libanon mit Eltern und Großeltern palästinensischer, türkischer, litauischer und ukrainischer Herkunft, und aufgewachsen als Staatenloser in Italien, bis er nach 30 Jahren die italienische Staatsbürgerschaft erhielt. Seine provokant anmutende Theorie, dass wir alle „Bastarde”, also „Mischlinge“ sind, bildet den Grundstein seiner Überlegungen, wobei dieses “Mischlings-Sein” bedeutet, dass jeder von uns einen vielschichtigen persönlichen Hintergrund, bestehend aus Herkunft, Kultur(en), Gefühlen und Erfahrungen, besitzt.

 

Gad Lerner kommt zum Schluss, dass nur das bewusste Annehmen unseres “Mischlings-Seins” das Aufbauen von Mauern verhindern und das Zusammenleben fördern kann, indem wir uns auf diese Weise von jenen distanzieren, die den Zusammenprall der Zivilisationen predigen und falsche Mythen über „Reinheit und Tradition“ zur Verteidigung der Identität verbreiten.

 

Beide Veranstalter, die Hypo Tirol Bank und das Italien-Zentrum der Universität Innsbruck,  pflegen enge Kontakte mit Italien, weshalb es ihnen ein Anliegen ist, Themen wie das des interkulturellen Zusammenlebens aufs Tapet zu bringen. Der Abend mit Gad Lerner war nach dem Besuch von Beppe Severgnini und einem interkulturellen Seminar bereits die dritte Veranstaltung dieser Art.

 

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