“Ausbildungsqualität und Kompetenz im Lehrerberuf“

Das war der Titel der Herbsttagung der Sektion Lehrerbildung und Lehrerbildungsforschung der Österreichischen Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen (ÖFEB). Diese fand vom 29.-30 November am Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung (ILS) der LFU-Innsbruck statt.
Hauptvortrag von Frau Prof. Dr. Sigrid Blömeke, HU Berlin
Bild: Hauptvortrag von Frau Prof. Dr. Sigrid Blömeke, HU Berlin

Aus Anlass des 20jährigen Jubiläums der pädagogischen Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern an der LFU hat das ILS ExpertInnen aus dem In- und Ausland zum Austausch über aktuelle Forschungsprojekte zu Ausbildungsqualität und Kompetenz im Lehrerberuf eingeladen. 23 ReferentInnen aus dem deutschen Sprachraum stellten circa 80 TagungsteilnehmerInnen in 14 Vorträgen   Ihre aktuellen Forschungsprojekte vor.

 

Wie lässt sich die professionelle Kompetenz zukünftiger Lehrpersonen messen?

Unter diesem Titel präsentierte die international renommierte Lehrerbildungsforscherin Prof. Dr. Sigrid Blömeke von der Humboldt Universität Berlin (Institut für Erziehungswissenschaften, Abteilung für Systematische Didaktik und Unterrichtsforschung), im Hauptvortrag eine aktuelle Studie, in der weltweit die Stärken und Schwächen von Lehrerbildungsinstitutionen untersucht werden. In der Folge der großen internationalen Schulleistungsstudien wie PISA wird nun die Hypothese untersucht, ob besser qualifizierte Lehrkräfte die Bildungsprozesse und Lernleistungen von Schülerinnen und Schülern verbessern können. Die Tagung ging dieser Hypothese nach und beleuchtete zwei damit zusammenhängende Fragestellungen in einem breiten Rahmen:

  1. Wie kann überprüft werden, ob LehrerInnen im Verlauf ihrer Ausbildung die berufsbedeutsamen Qualifikationen erwerben? (Erforschung der Situation der Studierenden im Lehramtsstudium)
  2. Wie wirksam sind gängige Lehrerbildungsmodelle? (Erforschung der ausbildenden Institution)

In diesem Spannungsfeld zwischen Individuum und Organisation lagen die Vortragsangebote, die von der Frage nach der Eignung und Neigung für den Lehrerberuf bis zu den Berufsverläufen von Studierenden nach Beendigung des Lehramtsstudiums reichten.

 

Lehrerbildungsforschung an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen

Obwohl bildungspolitisch die Lehrerbildung in Österreich an zwei getrennten Ausbildungsorten stattfindet, brachte die Tagung an der LFU die Forschungskompetenz aus den künftigen Pädagogischen Hochschulen und aus den Universitäten zusammen, um voneinander und miteinander über Ausbildungsqualität und Kompetenzen zu lernen. VR Prof. Dr. Margret Friedrich eröffnete mit einem historischen Rückblick auf die Qualitätsbemühungen der Schulbehörde seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert, Prof. Dr. Michael Schratz vom ILS konnte RektorInnen und VizerektorInnen zahlreicher Pädagogischer Hochschulen von Vorarlberg bis Wien begrüßen, ebenso Vertreter des Landesschulrats für Tirol und von Weiterbildungseinrichtungen aus allen Bundesländern.

 

20 Jahre pädagogische LehrerInnenausbildung an der LFU

Die VertreterInnen des ILS präsentierten die vielseitigen Erfahrungen in der Qualitätsentwicklung von der BUSch (Besondere Universitätseinrichtung für das Schulpraktikum) zum ILS, Univ.-Ass. Dr. Christian Kraler, für die Tagungsorganisation verantwortlich, stellte im Rahmen seines Forschungsprojekts die Kompetenzen in der Studieneingangsphase der universitären LehrerInnenbildung vor.

Am Ende des ersten Tags wurde die neue vom ILS mit herausgegebene Buchreihe zur Lehrerbildung „Erfolgreich im Lehrberuf“ durch den StudienVerlag vorgestellt. Der erste Band ist der erfolgreichen Unterrichtsgestaltung gewidmet und soll als Unterrichtsmittel an Hochschule und Universität Wissenschaft zugänglich machen.

 

Resümee

Ein gemeinsames Ergebnis der Vorträge wie auch der abschließenden Generaldebatte war, dass die breite Lehrerbildungsforschung im Unterschied zur Schulforschung im deutschsprachigen Raum ihr Entwicklungspotenzial erst ansatzweise entfalten kann. Die Verständigung auf eine einheitlichere Terminologie und projektübergreifende standardisierte Untersuchungsinstrumente befindet sich noch im Aufbau. Tagungen wie diese bieten dafür einen idealen Rahmen.