LFU setzt auf Hochschulnetzwerke

CEEPUS, ein transnationales, zentraleuropäisches Hochschulnetzwerk, das aus verschiedenen fach-spezifischen Einzelnetzwerken besteht, wurde im April dieses Jahres erweitert. Die erste Pro-grammphase, die 1995 begann, wurde 2005 von CEEPUS II abgelöst. Österreich und damit die LFU Innsbruck ist nach wie vor einer der wichtigsten CEEPUS – Partner.
Ceepus II
Bild: Mitgliedsländer von CEEPUS: Albanien (neu), Bulgarien, Kroatien, Mazedonien (neu), Österreich, Polen, Rumänien, Serbien und Montenegro, Slowakische Republik, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn.

Der Österreichische Austauschdienst (ÖAD) - Agentur für Internationale Bildungs- und Wissenschaftskooperation ist Österreichs größte gemeinnützige Serviceorganisation im Bereich der wissenschaftlichen Mobilität. Im Jahr 1961 von der Österreichischen Rektorenkonferenz mit dem Zweck gegründet, ausländische Studierende bei ihrem Aufenthalt in Österreich zu unterstützen, erfüllt der ÖAD nun zahlreiche weitere Aufgaben wie zum Beispiel die Durchführung von Stipendienprogrammen des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur (BMBWK) und aus Mitteln der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA).

Im Jahre 1993 wurde im Rahmen des ÖAD und auf Initiative des früheren Vizekanzlers und Bundesministers für Wissenschaft und Forschung Dr. Erhard Busek das CEEPUS – Programm ins Leben gerufen. 1995 begannen die ersten Austauschprogramme zu laufen. CEEPUS heißt "Central European Exchange Programme for University Studies". Gegen­stand des Programms ist der Austausch von UniversitätslehrerInnen und StudentInnen innerhalb Mitteleuropas. Die CEEPUS – Gründerstaaten waren Österreich, Bulgarien, Ungarn, Polen, die Slowakei und Slowenien.
 

Österreich steht an der Spitze der CEEPUS Länder

Am 3. April 2006 fand in Zagreb im Rahmen der 13. International  Commission die CEEPUS – Netzwerkauswahl  für das akademische Jahr 2006/2007 statt. Von 61 beantragten Netzwerken wurden 45 Netzwerke ausgewählt, 32 davon mit österreichischer Beteiligung (beantragt
wurden 38  Netzwerke mit österreichischer Beteiligung). Von den 32 Netzwerken werden 12 von österreichischen Institutionen koordiniert, damit liegt Österreich bereits das 2. Jahr in Folge an der Spitze aller CEEPUS Länder.

Nach Serbien und Montenegro im Jahr 2005 waren heuer erstmals auch Institutionen aus Albanien und Mazedonien antragsberechtigt und sind in mehreren Netzwerken als Partner vertreten. Dies trägt unter anderem auch zu einer weiteren Intensivierung und Verbesserung der Beziehungen der LFU Innsbruck zu den osteuropäischen Ländern bei. Alle Universitäten in diesen nunmehr 13 Mitgliedsländern können im Rahmen von Netzwerken am CEEPUS – Austauschprogramm teilnehmen.
 

Plasmaphysiker der LFU in CEEPUS – Programm involviert

Die Innsbrucker Experimentelle Plasmaphysikgruppe (IEPPG) unter der Leitung von ao. Univ.-Prof. Dr. Roman Schrittwieser ist seit dem Jahre 1999 am CEEPUS – Programm beteiligt. Vom akademischen Jahr 1999/2000 bis zum akademischen Jahr 2003/2004 lief das CEEPUS I-Netzwerk A103 über das Thema "Nichtlineare komplexe Plasmasysteme", wobei Prof. Roman Schrittwieser von der IEPPG der Initiator und Netzwerkkoordinator war.

Zahlreiche gegenseitige Besuche von StudentInnen und UniversitätslehrerInnen fanden statt, im Rahmen derer auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit nicht zu kurz kam. Besonders hervorzuheben sind dabei viele StudentInnen aus Iaşi in Rumänien, die einen großen Teil ihrer Diplomarbeiten oder Dissertationen auf dem Gebiet der Plasmaphysik in Innsbruck durchgeführt haben.

Ebenfalls mit Prof. Roman Schrittwieser als Netzwerkkoordinator wurde im Juni 2005 das CEEPUS II – Netzwerk AT0063 über "Anwendung und Diagnostik von elektrischen Plasmen" genehmigt. „Wegen der noch stärkeren didaktischen Ausrichtung des CEEPUS II – Austauschprogrammes wurde für dieses Netzwerk mit Absicht ein breiteres Thema gewählt, dessen Ziel es ist, den PhysikstudentInnen der beteiligten Universitäten zusätzlich zur grundlegenden Plasmaphysik auch die überaus zahlreichen technischen Anwendungen von Plasmen näher zubringen, die aus der heutigen Technologie nicht mehr wegzudenken sind.“, erklärt Prof. Schrittwieser. Diese Technologie umfasst auch die Energiegewinnung mit Hilfe der Fusion sowie die Medizintechnik.

Die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen der IEPPG und der Plasmaphysikgruppe an der Alexandru-Ioan-Cuza-Universität in Iaşi (Rumänien) gehen bis auf das Jahr 1974 zurück. Dr. Roman Schrittwieser ist für seine Verdienste um diese rumänische Universität im Jahre 2003 zu deren Honorarprofessor ernannt worden: "Diese Honorarprofessur bedeutet sehr viel für mich, denn sie ist nicht nur die Anerkennung für mehr als 30 Jahre intensiver, äußerst fruchtbarer wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit der Alexandru-Ioan-Cuza-Universität in Iaşi sondern auch ein Zeichen für tiefe freundschaftliche Beziehungen, die sich in dieser Zeit aufgebaut haben und die alle Veränderungen und Wirrnisse der Zeiten in Rumänien überdauert haben.“ Diese akademische Zusammenarbeit war eine der wenigen zwischen Österreich und Rumänien, die auch in der Zeit der Ceauşescu-Diktatur in den 1980-er Jahren funktioniert hat. Dr. Roman Schrittwieser fügt weiters hinzu: „Aber auch für mich persönlich war diese Zusammenarbeit beruflich äußerst hilfreich. Ohne die zahlreichen gemeinsamen Publikationen wäre meine Publikationsliste kürzer. Die verschiedenen akademischen Netzwerke waren daher speziell für die Innsbrucker Experimentelle Plasmaphysikgruppe von enormer Bedeutung."

Die erste wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen der LFU in Innsbruck und der Alexandru-Ioan-Cuza-Universität in Iaşi wurde im Jahre 1973 vom damaligen Rektor Univ.-Prof. Dr. Josef Kolb (ebenfalls Physiker) initiiert und später intensiv vom damaligen Vorstand des Institutes für Theoretische Physik, Herrn Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Cap, welcher vor kurzem seinen 82. Geburtstag feierte, weitergeführt.